Menschen auf Mond - lohnt sich das? | Wissen & Umwelt | DW | 19.07.2019
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50 Jahre Mondlandung

Menschen auf Mond - lohnt sich das?

Um ein Dutzend Astronauten auf den Mond zu bringen, hat die NASA astronomische Summen ausgegeben. Mangels finanzieller Nachhaltigkeit wurde das Programm vorzeitig beendet. Hat es sich also nicht gelohnt?

50 Jahre Mondlandung | Apollo 11: Ein bisschen Sonne fangen (NASA)

Am 20. Juli 1969 installierte Buzz Aldrin einen Solarwindkollektor auf dem Mond

"Wir haben den Mond als Ziel gewählt. Nicht weil es leicht zu erreichen ist, sondern gerade weil es hart ist." US-Präsident John F. Kennedy, 1962. 

Es war der Höhepunkt des Kalten Krieges, des Wettlaufs der Systeme. Vor den USA hatte die Sowjetunion den ersten Satelliten und den ersten Menschen ins All geschickt. John F. Kennedys Rede an der Rice University in Houston im Herbst 1962 war eine Kampfansage und der Auftakt einer Aufholjagd. 

Sie war aber auch eine Anerkennung der enormen Herausforderungen des Mondprogramms. Mit dem Wort "hart” meinte Kennedy nicht nur die technologische Herausforderung, sondern auch den enormen finanziellen Aufwand. "Jeder Amerikaner, ob Mann, Frau oder Kind, muss pro Woche etwa 50 Cent aufbringen,” so Kennedy weiter.

Start der Raumfähre Apollo 11 (picture-alliance/dpa)

Eine Saturn-V-Rakete kostete 500 Millionen US-Dollar und ist die kräftigste Rakete, die je gebaut wurde.

Mit diesen 50 Cent wurden unbemannte Testflüge, bemannte Mondumrundungen und schließlich insgesamt zwölf hüpfende Astronauten auf der Erdtrabantenoberfläche finanziert - und außerdem eine unerwartet spektakuläre Rettungsmission im Falle von Apollo-13.

Etwa zehn Jahre dauerte das Apollo-Programm. Die NASA hat nach eigener Berechnung 23,9 Milliarden US-Dollar dafür ausgegeben. Nach heutigen Maßstäben wären das weit mehr als 100 Milliarden.

Zumal die hochkomplizierten bemannten Mondmissionen nicht alleine durch das Apollo-Programm ermöglicht wurden. Viele wichtige Tests - darunter Navigieren und Koppeln im All sowie das Verlassen des Raumschiffs in einem Raumanzug - waren bereits im ebenfalls kostspieligen Gemini-Programm durchgeführt worden.

Im Zeitalter des Systemwettlaufes war die bemannte Mondlandung in der Tat die Kernaufgabe der NASA, deren gesamte Ausgaben damals etwa vier Prozent des Bundeshaushaltes der USA ausmachten. Zum Vergleich: die NASA bekommt heute gerade noch knapp 0,5 Prozent des Bundeshaushaltes.

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50 Jahre Mondlandung | Apollo 11 Bootprint (NASA)

Der teuerste Fußabdruck aller Zeiten?

Abschreckende Kosten

Am 20.Juli 1969 landeten Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen auf dem Erdtrabanten - und erreichten neben dem Mond auch das politische Ziel: Die USA bewiesen im Wettlauf mit der Sowjetunion ihre Systemüberlegenheit. Die NASA veröffentlichte kurz danach ehrgeizige Planungen von mindestens neun weiteren Mondlandungen, auch eine Marsmission schien in greifbarer Nähe.

Trotz aller Euphorie war die Unterstützung der amerikanischen Bevölkerung selbst im Jahr 1969 begrenzt. Umfragen des Pew Research Centers zeigten, dass damals nur 53% der Amerikaner das Mondprogramm für seine Kosten wert hielten.

Im Laufe der Zeit sank der Rückhalt der Apollo-Missionen in der Bevölkerung sogar unter 50%. Und auch weltweit gab es Kritiker. In einem berühmt gewordenen Brief schrieb die Sambische Missionsschwester Mary Jucunda 1970 demonstrativ an die NASA: Wie könne man Abermilliarden US-Dollar für Raumfahrtprogramme ausgeben, während noch Abermillionen Kinder auf der Erde verhungern?

Nur wenige Monate später zog der US-Kongress die Bremse - teilweise aus Kostengründen. Im Dezember 1972 war nach Apollo 17 endgültig Schluss: Eugen Cernan und Harrison Schmitt bleiben bis heute die letzten Menschen, die auf dem Mond waren.

Astronauten oder besser unbemannte Missionen?

Langfristig, so die NASA, habe sich das Apollo-Programm aber wirtschaftlich gelohnt. In seiner Antwortauf Schwester Jucunda schrieb Ernst Stuhlinger, Direktor des NASA Raumforschungszentrums in Huntsville/ Alabama, Raumfahrtprogramme seien wie die Forschung mit Hilfe eines Mikroskops. Man solle die Unterstützung der Forschung nicht wegen einer akuten Hungersnot einstellen, denn Mikroskope könnten langfristig mehr Menschen helfen als kurzfristige Hungerhilfe.

Tatsächlich entstammen viele heutige Alltagsgegenstände damaligen bemannten Raumfahrtprogrammen - von Solarzellen über kratzfeste Brillengläser bis zu gefriergetrockneten Lebensmitteln. Nach eigenen Angaben der NASA habe das Apollo-Programm mehr als 3000 wichtige Patente geschaffen. Die meisten davon hätten danach zivile Anwendung gefunden.

Jeder im Apollo-Programm investierte US-Dollar hätte mindestens vier bis fünf US-Dollar Gewinn abgeworfen. Langfristig betrage die Kosten-Nutzen-Verhältnis der Raumfahrt für die gesamte Gesellschaft sogar eher eins zu vierzehn.

Dennoch gibt es auch heute noch scharfe Kritiker des Apollo-Programms, selbst innerhalb der NASA. Ex-Missionsmitglied William Anders hat den Vorwurf erhoben, Apollo sei gar "kein wissenschaftliches Programm gewesen." "Wäre da nicht dieser Wettlauf mit den Russen gewesen, hätten wir niemals die Unterstützung der Steuerzahler gehabt," betonte er.

Der damaliger Chefgeologe der NASA Eugene Shoemaker hatte sogar kurz nach der erfolgreichen Landung der Apollo 11 gekündigt. Er vertrat den Standpunkt, dass der wissenschaftliche Ertrag durch unbemannte Sonden mit einem Fünftel der Kosten und bereits drei bis vier Jahre früher hätte erbracht werden können.

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