Wettlauf um den Mond: Die USA beeilen sich, und Russland? | Europa | DW | 21.04.2019
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Raumfahrt

Wettlauf um den Mond: Die USA beeilen sich, und Russland?

Ein halbes Jahrhundert nach der ersten Mondlandung der Amerikaner scheint es wieder ein Rennen um den Erdtrabanten zu geben. Dabei wollen die USA wieder Erster sein. Wie steht es um Russland?

Neulich wäre Israel fast in die informelle Spitzenliga der Weltraum-Mächte aufgestiegen. Doch dem Land ist es nicht gelungen, nach den USA, der UdSSR beziehungsweise Russland und China mit einer Sonde auf dem Mond zu landen. Die Raumsonde "Beresheet" stürzte aufgrund von Motorproblemen ab. Doch der israelische Versuch zeigt, dass es einen "neuen Wettlauf um den Mond" gibt, wie manche Beobachter sagen.

Das erste Rennen vor einem halben Jahrhundert gewannen die USA, als im Juli 1969 erstmals amerikanische Astronauten auf dem Mond landeten. Nun wollen die USA wieder eine Mondlandung, und das ziemlich schnell. Ende März beauftragte Vizepräsident Mike Pence die US-Raumfahrtbehörde NASA, innerhalb von fünf Jahren wieder Amerikaner auf den Mond zu schicken. Sollte die NASA dazu nicht fähig sein, werde sich die US-Regierung an private Unternehmen wenden, warnte Pence. Er sagte, die USA würden sich wie in den 1960er Jahren in einem Wettlauf befinden. Mit wem, sagte er aber nicht.

USA, Washington: (picture-alliance/dpa/E. Vucci)

Mike Pence will eine Mondlandung in den kommenden fünf Jahren

Konkurrenz von China und Elon Musk

Ramon Lugo, Direktor des Florida Space Institute (FSI) an der Universität in Orlando, vermutet, Pence habe die Rivalität zwischen den USA und China gemeint. China habe, so der Experte, eindeutig ein Mondprogramm. Außerdem gebe es zwischen den USA und China "einen Wettlauf in vielen technologischen Bereichen", so Lugo. Im Januar war den Chinesen die erste Landung einer Raumsonde auf der Rückseite des Mondes geglückt.

Lugo, der lange für die NASA tätig war, hält es für unwahrscheinlich, dass Russland trotz seiner erfolgreichen bemannten Flüge zur Internationalen Raumstation (ISS) für die USA bei der Erschließung des Mondes ein Rivale sein könnte. Ihm zufolge machen sich die USA beim "Wettlauf um den Mond" gewissermaßen selbst Konkurrenz. Denn es gebe ein Rennen zwischen der NASA und privaten Firmen wie SpaceX von Elon Musk.

Den Plan von Pence, bis 2024 wieder zum Mond zu fliegen, hält Lugo für zu optimistisch. Er meint, in den kommenden fünf Jahren sei ein Flug von Astronauten in den Mondorbit möglich, doch eine Landung auf dem Erdtrabanten erst um das Jahr 2030. Beschleunigen könnte man das nur, wenn die NASA Raketen der privaten Firma von Elon Musk nutzen würde, die für einen Flug zum Mars entwickelt würden. Doch auf dem Mond und auf dem Mars herrschten unterschiedliche Bedingungen, so der Experte.

Beteiligt sich Russland am Wettlauf?

Andrej Ionin von der Russischen Akademie für Kosmonautik meint, dass es gar keinen "Wettlauf um den Mond" gebe. Die Erklärung von Pence sei "innenpolitisch motiviert". Hintergrund sei die Vorbereitung seiner Präsidentschaftskandidatur für das Jahr 2024 - auch wenn Pence entsprechende Ambitionen offiziell noch nicht geäußert habe. Der russische Experte schließt aber eine US-Mondlandung als ein "einmaliges Projekt" in den nächsten fünf Jahren nicht aus. Doch weder Russland noch China würden sich an dem von den USA ausgerufenen "Wettlauf um den Mond" beteiligen. Moskau sei weder finanziell, noch technologisch in der Lage dazu, so Ionin.

Dennoch geht die Mondforschung auch in Russland weiter. Seit Mitte März wird in Moskau das viermonatige Experiment Sirius-19 zur Simulation eines Mondfluges durchgeführt. An ihm sind hauptsächlich russische Wissenschaftler beteiligt. Und im Jahr 2021 will die russische Weltraumorganisation "Roskosmos", wie schon in der Sowjetzeit, eine Reihe automatischer Stationen zum Mond schicken. Die Landung von Kosmonauten ist frühestens für die 2030er Jahre geplant. Vermutlich sollen sie mit dem Raumschiff "Federazija" dort hinfliegen, das noch nicht fertig ist - angetrieben von der neu entwickelten superschweren Rakete "Jenisej", deren Start für 2028 geplant ist.

Internationale Raumstation ISS (picture-alliance/dpa/NASA)

Internationale Raumstation (ISS) mit dem angedockten europäischen Wissenschaftslabor Columbus

Europa erwartet klare Signale

Thomas Jarzombek, Mitglied des Bundestages und Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, würde ebenfalls nicht von einem "Wettlauf um dem Mond" sprechen: "Es ist nicht so, dass die Amerikaner das Ding alleine machen wollen, sondern es wird eine große Kooperation wie bei der ISS, mit Kanada, Europa und Japan", erklärt er im Interview mit der DW und fügt hinzu: "Wir brauchen von den USA eine Ansage, wie es weiter gehen soll".

Das erwähnte Vizepräsident Pence nicht. Doch die EU will sich durchaus an dem internationalen NASA-Projekt "Gateway" zum Bau einer Raumstation am Mond beteiligen. Derzeit befindet sich das Projekt in Planung. Auch Russland zeigt Interesse. Doch Ende letzten Jahres erklärte der Chef von "Roskosmos", Dmitrij Rogosin, die Russische Föderation wolle sich an dem Projekt nicht "in einer zweitrangigen Rolle" beteiligen.

Nach dem Ende des Space-Shuttle-Programms haben die USA seit bereits fast zehn Jahren keine Möglichkeit, allein Astronauten zur ISS zu schicken. Sie sind dabei auf russische Sojus-Raketen angewiesen. Doch die Amerikaner arbeiten an einem bemannten Forschungs-Raumschiff "Orion", mit dem die NASA ihre Mond-Pläne verbindet. Der erste Testflug wurde 2014 absolviert. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) entwickelte für "Orion" ein Service-Modul, das das Raumschiff mit Treibstoff und die Astronauten mit Wasser und Sauerstoff versorgen soll. Gebaut wurde es hauptsächlich in Deutschland. "Es ist für uns ein großer Erfolg, dass wir erstmals für die Amerikaner kritische Komponenten liefern", so Jarzombek.

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