1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
KlimaSri Lanka

Mehr Tote durch Klimawandel bei Fluten in Südostasien

Tim Schauenberg
11. Dezember 2025

Wärmere Ozeane und stärkere Regenfälle haben die tödlichen Überschwemmungen in Indonesien, Sri Lanka und der Region verschärft, das zeigt eine Studie zur Rolle des Klimawandels. Millionen Menschen sind betroffen.

https://p.dw.com/p/558m3
Indonesien Aceh Tamiang 2025 | Frau steht im Schlamm nach Sturzflut
Dramatische Situation in der Provinz Aceh auf Sumatra: allein in Indonesien starben über 1000 Menschen bei den Überschwemmungen, hunderte werden noch vermisst. Bild: YT Hariono/AFP

Es ist die tödlichste Naturkatastrophe seit vielen Jahren.

In den vergangen Wochen haben zwei Zyklone Sri Lanka, IndonesienThailand und Malaysia getroffen. Als Folge der extremen Regenfälle kam es zu Sturzfluten, Überschwemmungen und Erdrutschen.

Mindestens 1800 Menschen sind dabei laut aktuellen Zahlen ums Leben gekommen, hunderte werden noch vermisst. Mehr als 1,2 Millionen Menschen mussten evakuiert werden oder die Region verlassen, so lokale Organisationen und die Vereinten Nationen. Insgesamt sind fast 11 Millionen Menschen betroffen. 

Bewohner waten durch hüfthohe Fluten nach heftigen Regenfällen, tragen Taschen auf dem Kopf. Das Wasser reicht ihnen bis zum Hals, im Hintergrund schwimmen noch mehr Menschen, einige sitzen in Booten.
Die Erderwärmung hat immer dramatischere Folgen. Besonders ärmere Menschen sind betroffen.Bild: Iwan Gunadi Batubara/AFP

In Sri Lanka ist landesweit die Energieinfrastruktur beschädigt, der Verkehr liegt in weiten Teilen lahm, zahlreiche Brücken und Straßen wurden beschädigt oder zerstört. Fast 300.000 Gebäude stehen unter Wasser – ebenso Krankenhäuser und andere Versorgungseinrichtungen.

Auf der indonesischen Insel Sumatra haben nach Angaben der Vereinten Nationen weiterhin tausende Menschen keinen Zugang zu Lebensmitteln und Trinkwasser.

Verbrennen von Kohle, Öl und Gas heizt Atmosphäre und Ozeane auf

Forscherinnen und Forscher des Wissenschaftsnetzwerks World Weather Attribution, haben nun den Einfluss der menschengemachten Erderwärmung analysiert und anhand von Computermodellen berechnet.  

Das Ergebnis: Das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas und der daraus resultierende stetige Anstieg der weltweiten Temperaturen haben die Regenfälle deutlich verstärkt. 

Drohnenaufnahme einer eingestürzten Brücke in Sumatra. Das Dorf auf dem rechten Ufer des überfluteten Flusses wurdes stark zerstört. Im Hintergrund grüner Wald durch den sich der braune Fluss schlängelt.
Immense wirtschaftliche Schäden: Die Fluten haben zahleiche Häuser, Straßen, Brücken und öffentliche Gebäude wie hier in Aceh zerstört. Bild: Levie Wardana/DW

Obwohl verschiedene Datensätze eine Vielzahl von Trends aufzeigen, stimmen sie alle hinsichtlich der Richtung der Veränderung überein.

Die Regenfälle bei Malaysia, Indonesien und Thailand wurde um mindestens neun Prozent und bis zu 50 Prozent durch die Erderwärmung befeuert. 

Sturmartigen Regenfälle durch den Zyklon Ditwah, der Sri Lanka verwüstete, könnten durch die Erderwärmung mehr als doppelt so heftig geworden sein, so die Forscher. Laut Berechnung wurden die Niederschläge wurde mindestens 28 Prozent stärker als ohne die Erderwärmung von aktuell 1,3 Grad Celsius im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten.

Auch die wärmere Meerestemperatur und weitere klimatische Phänomene könnten die extremen Stürme teilweise begünstigt haben, so die Forscher.

So heftige Regenfälle wie im Fall des Zyklons Senyar kommen laut Forschung nur einmal in 70 Jahren vor, die Fluten im Zusammenhang mit Sturm Ditwah über Sri Lanka einmal in 30 Jahren.

Wenn Flusstäler zur Falle werden

Die heftigen Regenfälle treffen Sri Lanka besonders stark. Das hat auch mit der Geografie des Landes zu tun. Das Hochwasserrisiko ist groß, weil das Wasser schnell die steilen Hügel herunter in dicht besiedelte Überschwemmungsgebiete fließt. 

 Luftaufnahme von teilweise überfluteten Häusern in Sri Lanka. Das, was vorher Straßen waren ist heute ein brauner Fluss. Kleine Boote fahren unter den Stromleitungen.
Wassermassen sammeln sich vor allem in den Tälern, wo meist besonders viele Menschen siedeln. Bild: AFP

Auf vielen Inseln gibt es nur begrenzte Möglichkeiten natürlicher Entwässerung. Darum lösten in den tiefgelegenen Tälern solche Wassermassen schnell Sturzfluten und Erdrutsche aus. In Indonesien hat die schnelle Stadtentwicklung dazu geführt, dass inzwischn in Gebieten mit hohem Überschwemmungsrisiko besonders viele Menschen leben. 

Bei den Fluten fielen Verkehr, Strom, Kommunikation und andere Basisdienste aus – besonders hart traf das ärmere und benachteiligte Gruppen, die oft in schlechteren Wohnungen leben und kaum Ersparnisse oder Versicherungen haben.

Zwar gab es Frühwarnungen, doch technische Störungen, Sprachbarrieren, ungünstiges Timing und abgelegene Wohnorte sorgten dafür, dass viele Menschen die Warnungen nicht rechtzeitig erhielten oder die Größe der Gefahr unterschätzten. 

Zyklon verwüstet Sumatra: Hunderte Tote und Verletzte