Maria Schrader, ein Emmy und jüdische Themen | Filme | DW | 21.09.2020
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Porträt

Maria Schrader, ein Emmy und jüdische Themen

Als erste deutsche Regisseurin hat Maria Schrader den begehrten Emmy Award für die beste Regie bei der Miniserie "Unorthodox" gewonnen.

Maria Schrader (Britta Pedersen/picture-alliance/dpa)

Schauspielerin und Regisseurin Maria Schrader hat schon viele Preise gewonnen - jetzt hat sie auch den Emmy geholt

Maria Schrader erzählt in ihrer Serie die Geschichte der ultra-orthodoxen Jüdin Esther, die vor ihrem Ehemann von New York nach Berlin flüchtet. Für den Vierteiler, ausgestrahlt über den Streaminganbieter Netflix, bekam die deutsche Regisseurin Maria Schrader den Emmy Award, den bedeutendsten Fernsehpreis der Vereinigten Staaten.

"Es ist unglaublich. Ich bin sprachlos", sagte die 54-jährige Schauspielerin freudestrahlend via Livestream, während die Mitglieder ihres Filmteams im Hintergrund applaudierten. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Preis virtuell via Streaming übergeben. Moderator Jimmy Kimmel moderierte im Staples Center in Los Angeles ohne Publikum. Über 100 Nominierte in rund 20 Städten waren laut Produzenten zugeschaltet. Maria Schrader ist die erste deutsche Regisseurin überhaupt, die einen Emmy erhält.

Alles begann im Theater

Sie wurde 1965 als Tochter eines Künstlerehepaares in Hannover geboren. Schon mit 15 stand sie in ihrer Heimatstadt erstmals mit einer Rolle in August Strindbergs "Vater" auf der Bühne. Ihre Schauspielausbildung begann sie 1983 am bekannten Max-Reinhardt-Seminar in Wien, brach allerdings nach zwei Jahren ab, um mit ihrem Freund Dani Levy nach Berlin zu ziehen. Damals spielte Schrader bereits am Staatstheater von Hannover, trat aber auch in Wien und Venedig auf. Seit sechs Jahren gehört sie zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. 

Kritiker loben ihre "unverkrampfte Natürlichkeit" beim Schauspiel. Sie sei frei von Manierismen und buhle nicht um die Sympathien des Publikums, denn sie bevorzuge Charaktere mit "Ecken und Kanten". 

Von der Schauspielerin zur Regisseurin

Maria Schrader und Dani Levy (Clemens Bilan/Getty Images for Zoo Palast)

Erfolgsteam: Maria Schrader und Dani Levy 2013 in Berlin

 Ihr Kinodebüt gab Maria Schrader 1988 in der ersten Regie-Arbeit des schweizerischen Schauspielers und Regisseurs Dani Levy: "RobbyKallePaul" ist eine spritzige Komödie über die ganz alltäglichen Liebes- und Lebensprobleme dreier Männer in Berlin. So begann Schraders langjährige Film-Zusammenarbeit mit Levy. In vielen seiner Filme übernahm sie die Hauptrollen, schrieb auch an Drehbüchern mit.

Immer wieder arbeitete Schrader mit namhaften Regisseuren zusammen, neben Dani Levy auch mit Margarethe von Trotta. Nach einer Hauptrolle in dem viel beachteten Roadmovie "Burning Life" (1993) über zwei Bankräuberinnen in der DDR gelang ihr der endgültige Durchbruch mit der Hauptrolle in Doris Dörries melancholischer Komödie "Keiner liebt mich". Der Film bescherte ihr 1995 sowohl den Bayerischen als auch den Deutschen Filmpreis. Einem breiteren Publikum ist Schrader seit 1999 durch Max Färberböcks Erfolgsfilm "Aimée & Jaguar" bekannt. Darin spielt sie eine lesbische Jüdin, die sich während des Dritten Reichs in Berlin dem Widerstand anschließt und in eine Nazi-Mitläuferin verliebt. Die Rolle brachte ihr 1999 den Darstellerinnenpreis auf der Berlinale und den Deutschen Filmpreis. Bis heute, so Schrader, werde sie immer wieder auf diesen Film angesprochen.

Aimee & Jaguar halten lächelnd eine Kamera aus den 30er Jahren in der Hand (Imago/United Archives)

Maria Schrader und Juliane Köhler im Film "Aimée & Jaguar" (1999)

Als Regisseurin startete Maria Schrader mit ihrem Debütfilm "Liebesleben" 2005 durch, eine Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers der Israelin Zeruya Shalev. Ihr zweiter Film "Vor der Morgenröte" handelt von dem österreichischen Schriftsteller jüdischer Herkunft, Stefan Zweig, der wegen der Nationalsozialisten seine Heimat verlassen musste und letztendlich nach Brasilien ins Exil floh. Noch vor dem Kinostart im Juni 2016 erhielt der Film zwei Nominierungen für den Deutschen Filmpreis, zum einen für die Regie und zum anderen für die beste weibliche Nebenrolle, gespielt von Barbara Sukow.

Interesse für das Judentum

Maria Schrader am Set ihrer Mini-Serie Unorthodox, umringt von Darstellerinnen (Netflix/Anika Molna)

Maria Schrader am Set ihrer Netflix-Serie "Unorthodox"

Für die deutsch-jüdische Vergangenheit begann sich Maria Schrader als 14-Jährige nach einem Jugendaustauschprogamm in Israel zu interessieren. Familiengeschichten, insbesondere jüdische Familiengeschichten, entdeckte sie dann in der Zeit mit Dani Levy als Sujet. Der Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur ist selbst Sohn jüdischer Eltern. Immer wieder ging es in Filmen, in denen Schrader mitgespielt hat, auch um jüdische Themen. In ihrer eigenen Serie "Unorthodox" hat sie den autobiografischen Roman der Autorin Deborah Feldman verfilmt. Dort beschreibt Feldman ihre Kindheit und Jugend in der ultraorthodoxen jüdischen Glaubensgemeinschaft der Satmarer im New Yorker Stadtteil Williamsburg. In den USA erfreuen sich jüdische Fernsehserien großer Beliebtheit, aber auch in anderen Ländern von Deutschland bis Saudi-Arabien ist "Unorthodox" ein Publikumsrenner.  

In den USA wurde die Serie unter anderem in der New York Times, dem New Yorker und auf Time.com. besprochen. "Diese Reichweite habe ich auch noch nie erlebt", sagt Schrader im Online Podcast der Wochenzeitung "Die Zeit". Es hätten sich bei ihr bereits Agenten aus Amerika für weitere Projekte gemeldet. 

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