María Fernanda Espinosa Garcés setzt auf Multilateralismus | Welt | DW | 10.11.2018
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Vereinte Nationen

María Fernanda Espinosa Garcés setzt auf Multilateralismus

María Fernanda Espinosa Garcés ist die erste Lateinamerikanerin an der Spitze der UN-Generalversammlung. Das Amt hat sie in einer schweren Zeit übernommen. Sie setzt auf den Multilateralismus.

María Fernanda Espinosa Garcés sitzt in ihrem Büro. Ihre Mitarbeiter kommen abwechselnd kurz rein und gehen wieder. Sie muss Reden zustimmen, Termine absprechen, Briefe unterschreiben. Je nachdem, in verschiedenen Sprachen: Englisch, Spanisch, Französisch.

In diesem Büro sitzt sie seit acht Wochen. Die Frau aus Ecuador ist Präsidentin der 73. Vollversammlung der Vereinten Nationen. Im September hatte sie ihre Arbeit aufgenommen und wir das Amt ein Jahr lang ausfüllen. Als vierte Frau in den 73 Jahren der Vereinten Nationen leitet sie "das Parlament der Menschheit", in dem 193 Länder der Welt vertreten sind und zwei weitere als Gastländer teilnehmen.

Erwartet multilateralen Ansatz von Deutschland

Espinosa Garcés hat ihr Amt in einer herausfordernden Zeit aufgenommen. Die Aufgaben sind groß, das Engagement der Länder ist unterschiedlich. "Wir haben es heute mit sehr schweren Problemen zu tun: die langsame und unsichere wirtschaftliche Entwicklung, Ungleichheit, Klimawandel, geopolitische Spannungen sowie humanitäre Krisen. Dieses Ausmaß der weltweiten Flüchtlingskrisen haben wir seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen", sagt sie. "Für globale Probleme gibt es nur multilaterale Lösungen", da ist Espinosa Garcés sich sicher. Sie will die Vollversammlung als überzeugte Vertreterin des Multilateralismus leiten.

US-Präsident Trump spricht vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York (Reuters/C.Allegri)

Auch wenn Trump sich als Nationalist sieht, sieht María Fernanda Espinosa Garcés dennoch multilaterale Ansätze in der US-Politik

Welchen Beitrag kann Deutschland dazu leisten? Deutschland wird ab 1. Januar 2019 als nicht-ständiges-Mitglied im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen Platz teilnehmen. Das bedeutet eine große Verantwortung für Frieden und Sicherheit in den nächsten zwei Jahre. "Leider haben wir in der letzten Jahren gesehen, dass der Sicherheitsrat manche ungeschickten Entscheidungen getroffen hat", sagt Espinosa Garcés. Unterschiedliche Sichtweisen auf internationale Konflikten seien der Grund dafür gewesen. "Daher denke ich, dass die Rolle Deutschlands als Plattform für den Dialog und als Vermittler für gemeinsame Vereinbarungen äußerst relevant ist." Deutschland spiele eine wichtige Rolle – nicht nur in der Friedens- und Sicherheitspolitik, sondern auch in den Bereichen Menschenrechte und und Entwicklungspolitik. Sie sieht in Deutschland einen Unterstützer ihres Ansatzes: "Deutschland ist überzeugter Verfechter des Multilateralismus und wir brauchen diese Unterstützung in hohem Maße."

Marrakesch-Gipfel im Blick

Aber es gibt auch unilaterale Töne in internationalen Politik. Der amerikanische Präsident Donald Trump hat mit Überzeugung gesagt: "Ich bin ein Nationalist". Und dennoch, sagt Espinosa Garcés, seien die USA ein wichtiger Akteur im System des Multilateralismus. "Wir haben gesehen, wie die USA sich in unterschiedlichen Bereichen engagieren - zum Beispiel im humanitären Bereich." Die USA würden auch viel zum Katastrophenschutz und andere Bereichen des Multilateralismus beitragen.

Narrative, die auf Solidarität und Großzügigkeit basierten, seien nützlich für die Weltorganisation, findet sie. Ihr Blick richtet sich dabei auf den Marrakesch-Gipfel im Dezember. Dort wird der UN-Migrationspakt unterzeichnet.

Ihr ist es wichtig, dass jedes Land an kollektiven Maßnahmen teilnimmt und sich der Verantwortung von globalen Themen stellt, die "Big Powers umso mehr." Dabei sieht sie auch Länder wie China und Russland in Pflicht. "Wir akzeptieren aber natürlich Länder, die eine andere Meinung haben", erklärt sie.

Gleich muss sie aufbrechen. Sie muss zum Flughafen, von wo aus sie nach Paris fliegt, zum Peace Forum, das am Wochenende stattfindet, ein Art Mini-Version der Vereinten Nationen. Viele Themen, die dort besprochen werden, sind für die Vereinten Nationen auch wichtig. Ihr Motto: "Wir sind alle überzeugt, dass die Organisation effizienter werden und an heutige Herausforderungen angepasst werden muss". In Paris wird sie den Multilateralismus vorantreiben.