Maltesische Justiz klagt drei Migranten an | Aktuell Europa | DW | 30.03.2019
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Malta

Maltesische Justiz klagt drei Migranten an

Drei junge Afrikaner, die ein Tankschiff mit Migranten an Bord im Mittelmeer gekapert und umgeleitet haben sollen, stehen in Valletta vor Gericht. Den Teenagern drohen bei einer Verurteilung hohe Haftstrafen.

Malta | Mutmaßlicher Entführer des Handelsschiff Elhiblu I. wird in das Gerichtsgebäude von Valletta geführt (Reuters/D. Zammit)

Auf dem Weg zum Gericht in Valletta - einer der mutmaßlichen Schiffsentführer

Nach der gewaltsamen Umleitung des Handelsschiffes "El Hiblu 1" hat die Justiz in Malta gegen drei der beteiligten Migranten Terrorismusvorwürfe erhoben. Den Teenagern im Alter von 15, 16 und 19 Jahren aus Guinea und der Elfenbeinküste drohen Haftstrafen zwischen sieben Jahren und lebenslang. Sie wurden einem Gericht in der Hauptstadt Valletta vorgeführt.

Die "El Hiblu 1" hatte am Mittwoch in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste im Mittelmeer 108 Migranten, darunter auch Frauen und Kinder, gerettet. Als sie hörten, dass sie nach Libyen zurückgebracht werden sollten, zwangen die Migranten den Kapitän, den Kurs Richtung Malta zu ändern, um zu verhindern, dass sie in das nordafrikanische Land zurückgebracht werden.

Malta liegt rund 350 Kilometer nördlich von Libyens Küste. In der Nähe der Insel übernahm die maltesische Armee die Kontrolle über das Schiff. Am Donnerstagabend traf das Schiff im Hafen von Valletta ein. Die drei Angeklagten, die das Schiff gekapert haben sollen, haben die Vorwürfe am Samstag zurückwiesen. Sie bleiben vorerst in Haft. Die übrigen Migrantinnen und Migranten wurden in einem Aufnahmezentrum untergebracht.

Malta | Gekapertes Handelsschiff El Hiblu I. im Hafen von Valletta (Imago Images/Xinhua/R. Runza)

Abtransport der Migranten unter Polizeischutz in ein Flüchtlingszentrum

Im vergangenen Sommer hat die rigide Politik mehrerer EU-Staaten, allen voran Italien, so gut wie alle zivilen Seenotretter aus dem zentralen Mittelmeerraum gedrängt. In dieser Woche hat die EU auch noch offiziell entschieden, ihren Marineeinsatz vor der libyschen Küste zu beenden. Die Anti-Schleuser-Operation "Sophia" soll künftig nur noch Luftaufklärung umfassen, außerdem werden weiterhin libysche Küstenwachen ausgebildet.

Im Bürgerkriegsland Libyen müssen Migranten Misshandlung, Folter und Vergewaltigung befürchten. Immer wieder wehren sich Menschen deshalb, dorthin zurückgebracht zu werden. Erst vergangene Woche hatte der UN-Vizegeneralsekretär für Menschenrechte, Andrew Gilmour, von brutaler Gewalt berichtet, die Migranten in dem nordafrikanischen Land erwarte.

qu/uh  (dpa, afp,  ape)

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