Malawi: HIV-Infizierter wegen Sex-Riten verurteilt | Aktuell Afrika | DW | 22.11.2016
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Aktuell Afrika

Malawi: HIV-Infizierter wegen Sex-Riten verurteilt

Eric Aniva ist mit HIV infiziert - und praktizierte Sex-Rituale mit möglicherweise über einhundert Frauen. Ein Gericht in Malawi verurteilte ihn deswegen zu einer Haftstrafe.

Zwei Jahre ohne Bewährung wegen "schändlichen Verhaltens" muss Eric Aniva hinter Gitter, so lautet das Urteil des Gerichts im abgelegenen Bezirk Nsanje in Malawi. Der Mann habe keinerlei Respekt gegenüber Frauen und es sei sogar "fraglich, ob Kondome genutzt wurden", sagte der Richter Innocent Nebi bei der Festsetzung des Strafmaßes gegen den 45-Jährigen.

BBC-Dokumentation als Auslöser

Aniva hatte in einer BBC-Dokumentation über seine Rolle als "Hyäne" gesprochen und seinen sexuellen Umgang mit Witwen und Minderjährigen als ein traditionelles Ritual dargestellt. "Diese Kultur hat in Malawi keinen Platz", sagte der Richter. Der Prozess drehte sich nur um zwei Fälle; minderjährige Zeuginnen konnten nicht zu einer Aussage bewegt werden. Aniva wurde nicht wegen Körperverletzung oder Vergewaltigung belangt, da er dem Richter zufolge im Auftrag der Eltern oder Witwen gehandelt hatte.

Die Rolle der "Hyäne" sieht der im Süden Malawis geläufigen Überlieferung zufolge vor, dass ein Mann für Sex mit Witwen bezahlt wird, um böse Geister zu vertreiben und weitere Todesfälle auszuschließen. Sex mit Mädchen nach Einsetzen der Geschlechtsreife soll diese vor Unglück bewahren und auf ihr Leben als Ehefrauen vorbereiten.

Hohe AIDS-Rate in Malawi

Nach Angaben Anivas waren einige der betroffenen Mädchen erst zwölf oder 13 Jahre alt. Nach dem BBC-Interview hatte Malawis Präsident Peter Mutharika die Festnahme des Mannes angeordnet. "Schädliche kulturelle und traditionelle Praktiken dürfen nicht hingenommen werden", erklärte der Präsident.

Das südostafrikanische Malawi verzeichnet eine der höchsten AIDS-Raten der Welt; Sex mit unter 16-Jährigen steht unter Strafe. Aniva, der sich als unschuldig bezeichnet hatte, zeigte sich enttäuscht über das Gerichtsurteil. "Ich dachte, ich würde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt", war seine erste Reaktion.

cr/uh (dpa, afp)