Malaria-Impfung: Was sie kann und was nicht | Wissen & Umwelt | DW | 25.04.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Welt-Malaria-Tag

Malaria-Impfung: Was sie kann und was nicht

Die erste Malaria-Impfung überhaupt bietet nur einen Teilschutz. Doch mit einer anderen Immunisierung könnte sich das bald ändern. Forscher sind optimistisch.

Gabun - Blutabnahme bei einem Jungen im Rahmen einer Malaria-Studie

Einem Jungen am CERMEL in Gabun wird im Rahmen einer Malaria-Studie Blut abgenommen.

Was kann die jetzige Malaria-Impfung?

In einem Pilotversuch wird seit dieser Woche der erste Malaria-Impfstoff – kurz 'RTS,S' – in einer Impfkampagne in Malawi getestet. In Ghana und Kenia soll es in der kommenden Woche losgehen. Doch Malaria-Wissenschaftler sind noch nicht zufrieden: "RTS,S ist das Beste was wir bisher entwickelt haben, es zeigt eine Impfung ist möglich aber die Wirksamkeit ist einfach noch nicht gut genug", sagt Prof. Peter Kremsner, Direktor des Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen.

Denn – der über drei Jahrzehnte entwickelte Impfstoff 'RTS,S' verhindert in bisherigen Studien gerade einmal ein Drittel der Malaria-Erkrankungen – von der WHO gewünscht wären 75 Prozent oder mehr. Zudem nimmt die Schutzwirkung innerhalb von vier Jahren erheblich ab. 

Der Grund: der 'RTS,S' Impfstoff verwendet ein einziges Protein des am häufigsten in Afrika vorkommenden Malaria-Erregers Plasmodium falciparum, um das Immunsystem gegen den Parasiten in Stellung zu bringen. Doch eine Immunreaktion auf nur ein Protein des Erregers bedeutet auch, dass dem Immunsystem immer wieder Eindringlinge entgehen und es doch zu einer Malaria kommt. Zudem gibt es neben dem Plasmodium falciparum noch weitere Malaria-Erreger, gegen die die 'RTS,S' Impfung nicht wirkt. 

Mehr dazu: Weltweit größte Impfkampagne gegen Malaria startet in Afrika

Lambaréné in Gabun - Prof. Peter Kremsner schaut mit Kollegin in Akten

Prof. Peter Kremsner mit Kollegin in Gabun

Warum benötigt man eine Impfung?

Noch immer sterben jedes Jahr Tausende Menschen an Malaria. 435,000 Menschen waren es weltweit im Jahr 2017. Die meisten von ihnen Kinder unter fünf Jahren. Über 90 Prozent der Todesfälle werden auf dem afrikanischen Kontinent verzeichnet. Und nachdem die Malariafallzahlen lange rückläufig waren, haben sie laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den letzten zwei Jahren wieder leicht zugenommen. "Es scheint als hätten wir die bisherigen Methoden zur Malaria Eindämmung ausgereizt. Die Werkzeuge, die wir heute einsetzten können, scheinen keine weitere Senkung der Fallzahlen liefern zu können", vermutet der Tropenmediziner Prof. Benjamin Mordmüller von der Universität Tübingen. Damit steigt auch der Druck, eine wirksame Impfung zu entwickeln. 

Woran ist eine wirksame Malaria-Impfung bisher gescheitert?

Der Malaria-Erreger ist ein Parasit und kein Bakterium oder Virus wie bei vielen anderen Infektionskrankheiten. Dieser Parasit durchlebt einen komplexen Zyklus mit unterschiedlichen Lebensstadien, sowohl in Mücken als auch im Menschen. Deshalb war es bisher besonders schwierig dem menschlichen Immunsystem mit einer Impfung beizubringen, wie es den Malaria-Parasiten erkennt und bekämpft.

"Die Wissenschaft hat 50 Jahre lang versucht einzelne Oberflächenstrukturen des Malaria-Parasiten – sogenannte Antigene – für eine Impfung zu isolieren. Alle potentiellen Impfstoffkandidaten haben jedoch versagt", erklärt Prof. Kremsner. 

Mehr dazu: Hunde erkennen Malaria am Geruch von Socken

Mücke der Gattung «Anopheles gambiae»

Malaria Mücke der Gattung Anopheles gambiae

Am Institut für Tropenmedizin in Tübingen haben sich Wissenschaftler jetzt für einen anderen Ansatz entschieden – einen Lebendimpfstoff, bei dem der echte Erreger injiziert wird. "Bisher war das mit einem so komplizierten Erreger wie dem der Malaria nicht möglich", sagt Prof. Mordmüller, der an dem Forschungsvorhaben beteiligt ist. 

Mit Unterstützung der Biotech-Firma Sanaria in den USA, gelang es den Forschern, die in Mücken vorkommende Form des Malaria-Parasiten – genannt Sporozoiten – im Labor in großen Mengen zu züchten. Diese Sporozoiten werden eingefroren und sind die Basis für den neuen Lebendimpfstoff.

Wie wirkt diese neue Impfung?

Beim neuen von den Tübinger Forschern mitentwickelten Impfstoff, werden die Sporozoiten mit radioaktiver Strahlung abgeschwächt, bevor man sie als Impfung injiziert. Die Folge: der Malaria-Erreger lebt lange genug im menschlichen Körper, um eine Reaktion des Immunsystems zu erzeugen, stirbt aber ab, bevor er den injizierten Menschen krank machen kann. In Tübingen wurde diese neue Form der Malaria-Impfung bereits an gesunden Europäern erfolgreich getestet. "Mit sehr hohen Wirksamkeiten", verspricht Prof. Kremsner. Der Vorteil gegenüber der "RTS,S"-Impfung: das Immunsystem reagiert nun auf den ganzen Parasiten, nicht auf ein einzelnes Protein und damit steigt die Wirksamkeit.

Wen könnte die neue Impfung schützen?

Als Impfung für Reisende in Malaria-Gebiete werde es die neue Impfung schon in wenigen Jahren geben, da ist sich  Prof. Kremsner sicher. Ob die Wirksamkeit in Afrika ähnlich hoch sei, werde sich Ende dieses Jahres zeigen, wenn es die ersten Ergebnisse aus einer noch laufenden Phase-II-Studie mit Kindern in Gabun gebe. "Im Moment schaut es alles sehr gut aus. Das hätte ich bei 'RTS,S' nie so gesagt", erklärt der Tropenmediziner Kremsner, der auch an der Zulassung von 'RTS,S' beteiligt war. 

Mehr dazu: Lässt sich Malaria mit Gene Drive vollständig ausrotten?

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links