Maas will neue Allianz mit Japan | Politik | DW | 25.07.2018
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Diplomatie

Maas will neue Allianz mit Japan

Auf seiner ersten Asienreise verfolgt Bundesaußenminister Maas zwei große Ziele: Deutschland und Japan sollen der Kern einer neuen Wertegemeinschaft werden - und ein Bollwerk gegen Trump. Von Fabian von der Mark, Tokio.

Als Heiko Maas den entscheidenden Satz sagt, steht er an einem Pult auf dem zwei Fahnen stehen: die japanische und die deutsche. Der Satz klingt selbst für die Zuhörer hier am Graduierten-Institut "GRIPS" in Tokio nach Pathos und Vision: "Deutschland und Japan können zum Kern einer Allianz der Multilateralisten werden." Die Allianz beschreibt Maas weiter als Hüter internationaler Regeln, als Hort der Solidarität und als Kämpfer für den Klimaschutz.

Verunsicherung wegen Trump

Für seine japanischen Zuhörer und Kollegen ist das Balsam, denn wie Deutschland ist auch Japan gelinde gesagt, stark verunsichert. Der Grund hier wie dort: Donald Trump. Seine Politik des "America first" bedroht Japan ebenso wie Deutschland. Unter Autozöllen würde Japan sogar noch stärker leiden als Deutschland und die unabgestimmte Nordkorea-Politik Trumps macht Tokio mindestens so nervös wie das NATO-Gebaren Berlin.

Japan Asienreise Außenminister Heiko Maas (picture-alliance/dpa/B. Pedersen)

Außenminister Maas und ein Priester waschen sich die Hände im Zojo-ji Tempel

Japans Außenminister Taro Kono wirkt deshalb auch mehr als froh, dass sein deutscher Kollege mit solcher Entschlossenheit auf ihn zu geht. Nach ausgiebigem Händeschütteln und vielen Freundlichkeiten sagt Kono, er werde "die Kooperation mit Heiko Maas tatkräftig vorantreiben" . Eine umfangreiche Erklärung haben die beiden ausgearbeitet, in der sie sich zu Menschenrechten, Klimaschutz, zu regelmäßigen Treffen bekennen - und zum Freihandel.

Freihandel gegen Protektionismus

Während sich die neue Allianz bei Menschenrechten noch beweisen muss, beim Freihandel ist Japan jetzt schon mittendrin. Vergangene Woche erst haben Japan und die EU ein großes Abkommen unterzeichnet. Heiko Maas freut es, dass gerade jetzt in "schwierigen außenpolitischen Zeiten" Europa und Japan die größte Freihandelszone der Welt beschlossen haben. Von einem "Meilenstein" spricht Maas und einem deutlichen Signal gegen Zölle.

Das Freihandelsabkommen ist für Maas und Kono genau die richtige Antwort auf Trumps Protektionismus. Der US-Präsident ist quasi immer mit anwesend bei der Asien-Reise des deutschen Außenministers.

Donald Trump (picture-alliance/O. Douliery)

US-Präsident Trump: Die America-First-Politik befördert ungewollt neue Allianzen wie zwischen Deutschland und Japan

Mal erwähnt Maas in seiner Rede den US-Präsidenten "der über Jahrzehnte gewachsene Allianzen per Tweet in 280 Zeichen in Frage stellt". Mal twittert er mitten in Japan selbst: "Wir müssen der Methode Trump Grenzen setzen."

Ein Signal für kleinere Länder

Die Methode der neuen Allianz beschreibt er am Beispiel Japans als "Schulterschluss mit einem Wertepartner". Interessant sei diese Allianz aber gerade auch für kleine Länder, die auf der Weltbühne sonst keine Rolle spielen würden - etwa Inselstaaten im Pazifik. Gemeinsam mit diesen gleichgesinnten Ländern könnte man die bestehenden Regeln der Welt verteidigen und eine Lücke schließen, die Trumps USA hinterlassen.

Ob eine derartige Allianz auch bei den großen Themen einen Konsens finden könnte? Japan und Deutschland waren sich zuletzt jedenfalls in den großen außenpolitischen Fragen einig und mit Blick auf Trump und die schwierige Weltlage scheint das auch weiter so zu sein. Vielleicht passt ein zweiter wichtiger Satz aus der Rede von Heiko Maas am Besten: "Den wahren Freund erkennst Du in der Not."

 

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