Maas: Antisemitismus - keine ″Bagatellgrenzen″! | Aktuell Deutschland | DW | 19.04.2018
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Deutsch-israelisches Verhältnis

Maas: Antisemitismus - keine "Bagatellgrenzen"!

"Unsere Verantwortung, uns schützend vor jüdisches Leben zu stellen, die endet nie", sagt Außenminister Maas zum Gründungsjubiläum Israels. Bei dem antisemitischen Angriff in Berlin gibt es einen neuen Ermittlungsstand.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat die jüngsten antisemitischen Vorfälle in Deutschland als "beschämend" verurteilt. "Das zeigt, wir müssen auch heute noch gegen jede Form von Antisemitismus sehr klar Stellung beziehen", sagte der SPD-Politiker in Berlin bei einer Festveranstaltung zum 70. Gründungsjubiläum Israels. "Unsere Verantwortung, uns schützend vor jüdisches Leben zu stellen, die endet nie." Für Antisemitismus gebe es keine "Bagatellgrenzen", betonte Maas. "Solange jüdische Schulen und die Synagogen in Deutschland von der Polizei geschützt werden müssen, solange junge Männer auf offener Straße verprügelt werden, nur weil sie eine Kippa tragen, und solange Preise für judenfeindliche Provokationen verliehen werden, ist das beschämend."

Erst die Rapper, dann Prenzlauer Berg

Die Rapper Farid Bang und Kollegah waren vergangene Woche für ein als judenfeindlich kritisiertes Album mit dem "Echo"-Musikpreis ausgezeichnet worden. Etliche renommierte Künstler hatten daraufhin ihre "Echos" zurückgegeben. Für Empörung sorgt derzeit zudem ein judenfeindlicher Angriff in Berlin auf einen jungen Mann, der eine Kippa trug. In Berlin und anderen deutschen Städten werden Synagogen und jüdische Einrichtungen seit Jahren rund um die Uhr von der Polizei bewacht.

Nach dem antisemitischen Angriff auf den jungen Israeli und seinen Begleiter in Berlin ist gegen den mutmaßlichen Täter Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung erlassen worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der 19-Jährige befindet sich laut Polizei in Untersuchungshaft. "Er hat sich zur Sache nicht eingelassen." Der Beschuldigte hatte sich zuvor der Polizei gestellt. Der mutmaßliche Täter ist ein Flüchtling aus Syrien, der seit 2015 in Deutschland ist.

Screenshot Youtube Antisemitischer Angriff in Berlin (Jüdisches Forum JFDA)

Ein Screenshot des Angriffs

Der Israeli und sein Freund waren am Dienstagabend im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg unterwegs, dabei trugen sie Kippas - die traditionellen jüdischen Kopfbedeckungen. Auf der Straße wurden sie von drei arabisch sprechenden Männern antisemitisch beschimpft. Einer der Männer schlug mit einem Gürtel auf den 21-Jährigen ein und versuchte, ihn mit einer Flasche zu schlagen. Schließlich flohen der Angreifer und seine Begleiter.

Der Angriff hatte unmittelbar empörte Reaktionen von Politikern und Vertretern anderer Institutionen ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem "schrecklichen Vorfall" und betonte: "Der Kampf gegen antisemitische Ausschreitungen muss gewonnen werden." Die Kriminalpolizei hatte den mutmaßlichen Angreifer bereits identifiziert, bevor er sich stellte. Zeugen hatten sich bei der Polizei gemeldet und Hinweise zu dem Mann gegeben. Das Opfer ist nach eigener Aussage kein Jude.

ml/wa (dpa, afp)