Münchner Spannungsabfall | Sport | DW | 18.08.2018
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1. Hauptrunde

Münchner Spannungsabfall

Der FC Bayern München erreicht mit Ach und Krach die zweite Runde im DFB-Pokal. Besonders der geringe Grad an Leidenschaft, den das Team an den Tag legte, sollte den Verantwortlichen aber zu denken geben.

Die Spieler des FC Bayern sahen ziemlich bedient aus, als sie den Platz verließen. Ein 1:0-Auswärtssieg bei Drochtersen/Assel dürfte niemenden beim Rekordmeister zufrieden stellen. Dass die Münchner die zweite Runde des DFB-Pokals gegen den Regionalligisten aus dem Norden erreicht haben - geschenkt.

"Es war ein schwieriges Spiel, so wie es letzten Endes immer in der ersten Pokalrunde passiert. Wir wollten das eigentlich nicht", sagte Bayern-Coach Niko Kovac. "Man muss aber trotzdem sagen: Unterm Strich zählt das Weiterkommen."

Was soll ein Trainer nach so einer dürftigen Leistung seiner Spieler auch sagen? Die Bayern, die in jede Saison mit dem Anspruch gehen, Deutscher Meister zu werden, den DFB-Pokal zu holen und die Champions League zu gewinnen, kickten so emotions- und belanglos auf einem holprigen Rasen herum, als handele es sich um eine dieser ungeliebten Partien, die vom Verein noch kurz nach Saisonende aus PR-Gründen angeordnet werden - obwohl der Urlaub bereits dringlich erwartet wird.

Kimmich kritisiert eigenes Team

"Als Bayern ist es fast schon eine Blamage, wenn man nur 1:0 gewinnt", sagte Verteidiger Joshua Kimmich. Aber auch er, Thomas Müller oder auch Robert Lewandowski konnten nicht überzeugen. Die Nationalspieler kamen gar nicht erst an den Ball oder scheiterten mit ihren Dribblings so häufig an dieser Dorfauswahl, dass es dem Trainer Kovac schwindelig geworden sein müsste am Spielfeldrand.

Dabei waren sie bei den Münchnern der Meinung, dass sie den Trainerwechsel von Jupp Heynckes zu Kovac mühelos gemeistert hätten. Das 5:0 im Supercup gegen Eintracht Frankfurt eine Woche zuvor hat sich an diesem Samstagnachmittag nach dem Ausscheiden der Hessen gegen Viertligist SSV Ulm zudem relativiert.  

Natürlich verfügen die Bayern noch immer über den besten Kader in ganz Deutschland. Doch Kimmich war es, der aufzeigte, dass es noch nicht vollends stimmt innerhalb des Teams. "Wir haben uns das komplette Spiel über schwer getan, haben eine richtig gute Chance zugelassen. Wir waren selbst nicht so zwingend, weil wir viel zu langsam gespielt haben", sagte der 23-Jährige.

Verliert das Team den Spirit?

Bayern-Trainer Niko Kovac (imago/DeFodi/M. Maiwald)

Bayern-Trainer Niko Kovac

Es fehlte gegen die Amateure die Leidenschaft und der unbedingte Wille, den massiven Abwehrriegel zu knacken. Denn auf diese defensive Taktik treffen die Münchner an vielen der 34 Bundesliga-Wochenenden, wenn sie die gegnerischen Defensivreihen mit schnellem Spiel und viel Laufbereitschaft aufreißen müssen. Denn anders als die meisten anderen Bundesligisten sind sie es ja schließlich, die solche Aufgaben spielerisch lösen können.

Von dieser Hingabe war auf dem Dorf nichts zu sehen. Dass die Bayern dazu nicht mehr in der Lage sein sollten, ist nur schwer zu glauben. Vielmehr fehlte den Spielern die Hingabe, um diese Fähigkeiten wieder zu reaktivieren. Aber genau das sollte Kovac nervös machen.

Denn es scheint, als würde das Team - angefangen mit der Niederlage im Pokalfinale in Berlin - seinen besonderen Spirit, dass es über einige Jahre aus- und so stark machte, so langsam verlieren. Und das ist allein mit intensivem Training und beschönigenden Worten nicht wett zu machen.    

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