Mücken-Darmpilz verhindert Übertragung von Malaria | Wissen & Umwelt | DW | 05.05.2020
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Wissen & Umwelt

Mücken-Darmpilz verhindert Übertragung von Malaria

Die von kenianischen Forschern entdeckte Mikrobe könnte eine biologische Bekämpfung der Malaria ermöglichen, an der jährlich rund 400.000 Menschen sterben.

Auch wenn das neue Coronavirus aktuell die Schlagzeilen beherrscht: Nach wie vor ist Malaria eine der Haupttodesursachen in Entwicklungsländern. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren 2018 rund 228 Millionen Menschen mit Malaria infiziert, die meisten in Subsahara-Afrika. Mehr als 400.000 starben, vor allem Kinder unter fünf Jahren. Und durch Lieferengpässe aufgrund der Corona-Einschränkungen könnte sich die Anzahl an Todesfällen laut WHO in diesem Jahr verdoppeln.

Der Malaria-Erreger wird durch den Stich weiblicher Anopheles-Mücken auf den Menschen übertragen. Die Entdeckung aus Kenia hat tatsächlich das Potential, die Malaria spürbar einzugrenzen, ohne gleich das ganze Ökosystem durcheinander zu bringen. Denn der entdeckte Mücken-Darmpilz stoppt die Übertragung des Malaria-Erregers. 

Keine der untersuchten Mücken, die mit dem Pilz Microsporidia MB infiziert gewesen seien, habe gleichzeitig den Malariaüberträger Plasmodium falciparum in sich getragen, heißt es in der Untersuchung, die dasJournal "Nature Communications" veröffentlichte.

Mit Malaria infiziertes Kind (picture-alliance/dpa/M. Mohammed)

Mehr als 400.000 Menschen sterben jährlich an Malaria, vor allem Kinder unter fünf Jahren.

Seit Jahren suchen Wissenschaftler nach natürlich vorkommenden Mikroben in Mückenpopulationen, die Malaria, Dengue und andere mückenübertragene Infektionen ausrotten könnten.

Die jetzt gefundene sporenbildende einzellige Mikrobe lebt im Darm und in den Genitalien der Insekten. Der Darmpilz Microsporidia MB kommt bei fünf Prozent der untersuchten Anopheles-Moskitos aus dem Hochrisikogebiet rund um den Viktoriasee im Westen Kenias vor.

Die Biologen des Internationalen Zentrums für Insektenphysiologie und Umwelt (Icipe) in Kenias Hauptstadt Nairobi schlagen vor, mit dem Pilz infizierte Mücken oder auch nur die Sporen des Pilzes als biologisches Malaria-Bekämpfungsmittel einzusetzen.

Im Labor könnten männliche Stechmücken, die nicht stechen, mit dem Darmpilz infiziert und in die freie Wildbahn entlassen werden, wo sie dann die Weibchen bei der Paarung mit dem Pilz infizieren. 

Nach ihren Angaben müssen mindestens 40 Prozent der Mückenpopulation einer Region den Pilz in sich tragen, um eine signifikante Verringerung der Malaria-Infektionen zu bewirken.

Während der Einsatz von Pestiziden oder Pilzen darauf setzt, möglichst viele Moskitos zu töten, hätte solch eine biologische Malariabekämpfung keine gravierenden Auswirkungen auf die Ökosysteme, weil die Moskitos als wichtiges Glied in der Nahrungskette erhalten blieben.