Mönchengladbach kann auch kämpfen | Sport | DW | 02.11.2019
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Bundesliga

Mönchengladbach kann auch kämpfen

In den vergangenen Jahren zeigte Borussia Mönchengladbach vor allem schönen Fußball und scheiterte damit oft. In Leverkusen besinnt sich das Fohlen-Team auf Grundtugenden - und gewinnt diesmal mit "dreckigem" Fußball.

Ein bisschen schmunzeln musste Matthias Ginter dann schon. Schließlich entblößt man nicht jeden Tag seinen Oberkörper vor fremden Menschen, um seine Wehwehchen zu präsentieren. Der Verteidiger von Borussia Mönchengladbach aber scheute sich dann doch nicht und zeigte seine rechte Schulter, wo zwei über Kreuz geführte Tape-Streifen zu sehen waren. Dann kramte der 25-Jährige noch in seiner Tasche und holte einen Schulterschutz aus Schaumstoff hervor, so als ob er beweisen wollte, dass er zuvor tatsächlich aus Krankheitsgründen drei Spiele ausgefallen war.

Es war ein besonderer Nachmittag für Ginter und seine Teamkollegen, weil es ihnen gelungen war, mit einer fußballerisch überschaubaren, aber kämpferisch anspruchsvollen Leistung ein 2:1 (2:1) bei Bayer 04 Leverkusen zu erzielen. "Dass wir nicht so schönen Fußball zeigen, sondern auch mal dreckig spielen können, das hat uns die letzten Jahre vielleicht ein wenig gefehlt", sagte Mittelfeld-Spieler Jonas Hofmann. "Es fühlt sich an wie ein richtiger Arbeitssieg."

Teamarbeit der Borussia

Die Borussia zeigte in der zweiten Hälfte tatsächlich eine einzige Abwehrschlacht. Die Spieler warfen sich in jeden Ball, kämpften um jeden Zentimeter und wirkten absolut entschlossen, die Führung über die Zeit zu retten. Großer Teamgeist und eine nicht gerade kleine Portion Glück verschafften den Fohlen diese drei Punkte. "Wir kriegen es jetzt gemeinschaftlich auf den Platz und sind kalt vor dem Tor", sagte Hofmann in den Katakomben der Leverkusener Arena - und seine Augen strahlten dabei. 

Bundesliga | Bayer 04 Leverkusen vs. Borussia Moenchengladbach (Imago Images/Nordphoto/Meuter)

Der Jubel der Borussia nach dem Führungstreffer

Das Team aus Mönchengladbach vermittelt gerade den Eindruck, dass es an sich und seine Sache glaubt. "Wenn man so ein Team hat, wie wir es haben, dann ist das natürlich richtig gut", sagte Ginter. Trainer Marco Rose hat es in kurzer Zeit geschafft, seine Vorstellungen von Fußball an die Spieler weiterzugeben. Und damit ist nicht nur ein schnelles Umschaltspiel sowie das frühe und hohe Pressing gemeint. Es geht auch um Gemeinschaftsarbeit, die die Mannschaft in Leverkusen bot. 

Verärgerte Leverkusener

Und so kompensierte die Borussia auch die verletzungsbedingten Ausfälle ihrer vordersten Sturmreihe, Breel Embolo und Allasane Plea. Neuzugang Marcus Thuram musste und konnte die entstandene Lücke nahezu im Alleingang schließen. Den ersten Gladbacher Treffer von Oscar Wendt bereitete er vor. Den zweiten erzielte er gleich selbst. Auch eines der Gladbacher Erfolgsgeheimnisse, dass die Neuzugänge nur eine kurze Eingewöhnungszeit benötigen und sich nahezu sofort in das Team integrieren.

Borussia Mönchengladbach hat sich mit diesem erneuten Erfolg erst einmal an der Tabellenspitze festgesetzt. Für die Gegner wirkte deren Sieg dagegen eher glücklich. Entsprechend verärgert nahmen die Leverkusener ihre Pleite zur Kenntnis. "Sie machen ein mittelmäßiges Spiel und jetzt sind sie Tabellenführer", sagte Bayer-04-Sportchef Rudi Völler zähneknirschend.

Bundesliga | Bayer 04 Leverkusen vs. Borussia Moenchengladbach l Jubel Thuram 1:2 (Imago Images/Kolvenbach)

Marcus Thuram (zweiter von rechts) sorgt für den Endstand

Doch mit dem gegnerischen Ärger konnten die Gäste an diesem frühen Samstagabend gut leben. "Wir sind in Gladbach alle sehr froh über die Situation. Wir haben ein Selbstverständnis entwickelt, wie wir Fußballspiele gewinnen wollen", sagte Trainer Rose. Für ihn schien dieser Sieg vor allem die Folge der richtigen Herangehensweise seiner Mannschaft zu sein. "Meine Jungs haben das unglaublich leidenschaftlich zu Ende verteidigt", sagte der Coach.

"Dann können wir ja nochmal darüber reden"

Die Euphorie im Umfeld steigt, das Thema Meisterschaft kommt vielen Anhängern nun schon etwas lockerer über die Zunge. Die Spieler und auch der Coach wollen von derlei Vorstellungen allerdings nichts wissen. "Wenn wir im Frühjahr immer noch oben stehen, dann können wir ja nochmal darüber reden", sagte Ginter noch, bevor er in die Umkleidekabine zur Abschlussbesprechung seines Teams gerufen wurde.

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