Londoner Leichenfund: Stammten alle Opfer aus Vietnam? | Aktuell Europa | DW | 02.11.2019
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Kriminalität

Londoner Leichenfund: Stammten alle Opfer aus Vietnam?

Der Fall gibt weiterhin Rätsel auf. Nachdem die Polizei in England einen Kühllaster mit 39 toten Menschen entdeckt hat, geht man allgemein von Schleuserkriminalität aus. Doch die Fakten kommen erst langsam ans Licht.

Großbritannien Grays 39 Tote in Container entdeckt (picture-alliance/dpa/empics/S. Rousseau)

Grausame Entdeckung in Essex bei London: der sichergestellte Kühllaster

Nach dem Fund der 39 Leichen in einem Lastwagen nahe London glaubt die Polizei nun die Nationalität der Opfer zu kennen. Das teilte der stellvertretende Polizeichef von Essex, Tim Smith, mit. "In diesem Moment nehmen wir an, dass alle Opfer vietnamesische Bürger sind, wir stehen deswegen in Kontakt mit der vietnamesischen Regierung." Die Polizei hatte nach der Entdeckung der Leichen - 31 Männer, acht Frauen - in einem Kühllaster zunächst spekuliert, dass die Toten aus China stammten. Bei den Toten handelt es sich vermutlich um ins Land geschleuste Migranten.

In Kontakt mit Familien

Smith erläuterte weiter: "Wir stehen in direktem Kontakt mit mehreren Familien in Vietnam und Großbritannien, und wir glauben, einige Familien den Opfern zugeordnet zu haben, deren Reise in einer Tragödie an unseren Ufern endete." Nach örtlichen vietnamesischen Medienberichten haben bis zu 28 Familien in den zentralen Provinzen Ha Tinh und Nghe An Angehörige als vermisst gemeldet.

In Vietnam waren am Freitag im Zusammenhang mit dem Fall zwei Menschen festgenommen worden. Nähere Angaben machten die Behörden zunächst nicht. Zuvor waren bereits mehrere Personen unter dem Verdacht des Menschenschmuggels gefasst worden. Allerdings ging es dabei um Menschenschmuggel in die USA und nach Taiwan - von England war zunächst nicht die Rede.

Großbritannien Grays 39 Tote in LKW-Container entdeckt (picture-alliance/AP/PA/J. Roberts)

Ermittlungen und Festnahmen: Polizisten beim Einsatz in Wiltshire - dort wurde ein Ehepaar festgenommen, das im Verdacht der Beihilfe zum Menschenhandel steht

Inzwischen wurde in Irland ein weiterer Verdächtiger festgenommen. Sicherheitskräfte vollstreckten einen europäischen Haftbefehl gegen einen 23-Jährigen, wie die britische Polizei mitteilte. Die Behörde kündigte an, die Auslieferung des Verdächtigen zu beantragen, der aus dem britischen Nordirland stammt. Ihm werden Totschlag in 39 Fällen sowie Menschenhandel und Einwanderungsvergehen vorgeworfen.

Aufruf der Behörden

Zudem forderte die Polizei zwei verdächtige und ebenfalls aus Nordirland stammende Brüder auf, sich den Behörden zu stellen. "Wir brauchen Sie, um diese Untersuchung zu unterstützen", sagte Chefinspektor Daniel Stoten von der Polizei der Grafschaft Essex in der nordirischen Hauptstadt Belfast - an die beiden gesuchten Männer gerichtet. Die Polizei habe mit dem älteren Bruder telefoniert. Nähere Angaben zu dem Gespräch machte Stoten nicht. Es sei aber unerlässlich, die 40 und 34 Jahre alten Nordiren persönlich zu verhören.

Großbritannien Grays 39 Tote in LKW-Container entdeckt (Reuters/F. Lenoir)

Der Transport lief über den Hafen in Zeebrügge

Die Brüder betreiben ein Transportunternehmen in der nordirischen Stadt Armagh. Sie werden wegen Totschlags und Menschenhandels gesucht. Der Fahrer des Kühllasters, ein 25-jähriger Nordire, wurde bereits wegen Totschlags in 39 Fällen, Beteiligung an Menschenhandel, Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie Geldwäsche angeklagt. Die Zugmaschine des Lastwagens, in dem die Leichen gefunden wurden, war aus Irland gekommen. Der Auflieger wurde per Schiff über den belgischen Hafen Zeebrugge in den englischen Hafen Purfleet gebracht. Soweit konnten die Behörden die Spur bislang zurückverfolgen.

ml/as (dpa, ape)

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