Leinen los, Ludwig: Beethoven auf Binnenschifffahrt | Musik | DW | 12.03.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Musik

Leinen los, Ludwig: Beethoven auf Binnenschifffahrt

Bonn ohne Beethoven? Die Frühlingsausgabe des Beethovenfests wird wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Nun aber startet eine musikalische Flussfahrt zu Ehren des Komponisten – ein Lichtblick nicht nur für Klassikfans.

Ludwig van Beethoven erblickte das Licht der Welt vor 250 Jahren . Mit ihren 50 Jahren ist auch die MS Jenny relativ betagt, doch bricht das Güterschiff nun als BTHVN2020 Musikfrachter zu einer besonderen Flussfahrt auf. In Beethovens Geburtsstadt Bonn wurde das Schiff am Donnerstag (12.03.2020) feierlich getauft.

Beethovenfest-Intendantin Nike Wagner hatte gemischte Gefühle. Einerseits hatte sie die Ehre, die traditionelle Sektflasche am Frachter zu zerschmettern. Andererseits geschah das weniger als 24 Stunden nach der Absage ihres eigenen Festivals.

Ashok Sridharan und Nike Wagner mit Sektflasche (DW/R. Fulker)

Nach 50 Jahren auf den Gewässern wird Jenny neu getauft, dabei steht Nike Wagner der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan zur Seite

"Ich war natürlich furchtbar traurig und schockiert", sagte Wagner der DW. "Aber wir sitzen alle im gleichen planetaren Boot, und die Entscheidung ist im Prinzip richtig. Wir können nichts anders tun als eindämmen; verzögern, bis halt ein Impfstoff gefunden ist. Leid tut es mir allem für die Musiker. Ja, man kann nur zum Himmel gucken und sagen: Was ist denn hier los?"

Noch ist die Herbstausgabe des Bonner Beethovenfests in September nicht gefährdet, aber die Absage des zehntägigen Festivals im März, eine Sonderausgabe im Beethoven-Jubliäumsjahr, schloss sich dem Reigen der vielen anderen Großveranstaltungen an, die derzeit in Europa ins Wasser fallen. Anders der BTHVN2020 Musikfrachter mit seinen etwa 200 Plätzen.

Von Kohle bis Kultur

Audio anhören 00:21

Selbst das Signalhorn spielt die weltberühmte Tonfolge der Fünften Sinfonie

Ursprünglich transportierte "Jenny" Kohle über europäische Wasserstraßen, im Beethovenjahr 2020 wird ausschließlich Kulturgut verladen. Es ist ein Projekt der Beethoven Jubiläums GmbH: Der Musikfrachter fährt, als schwimmende Bühne umgebaut, auf Beethovens Reiseroute von Bonn nach Wien. Sechs Wochen lang soll die Fahrt dauern. vom 12. März bis zum 20. April. Auf der Reiseroute stehen Bonn, Koblenz, Mannheim, Heidelberg, Mainz, Frankfurt am Main, Mittenberg, Bad Mergentheim, Weikersheim, Regensburg, Passau, Linz, Krems und schließlich Wien – Beethovens letzte und wichtigste Wirkungsstätte.

Menschen betreten ein Schiff (DW/R. Fuller)

Alle Mann an Bord!

Bei jedem Stopp soll es Aufführungen am Bord und an Land geben, meist mit Beteiligung lokaler Musiker. Aber nicht nur Musik: Bei den knapp 100 Veranstaltungen handelt es sich auch um Workshops und interaktive Projekte bis hin zu Musiktheater und Performances zum Mitmachen und Zuhören.

Wenn alles nach Plan geht

Zu Beginn der musikalischen Reise wird am Bonner Rheinufer das Musiktheaterstück "Es musste sein! - Fast eine Liebesgeschichte" aufgeführt. Danach wird etwa die "Eroica"-Sinfonie in Reggaemusik umgesetzt. Sechs Wochen später, nach der Ankunft in Wien, findet das Schulkonzert "Fridays for Beethoven" mit einer tänzerischen Performance von Schülern in Zusammenarbeit mit den Wiener Symphonikern statt; inhaltlich geht es dabei um Beethovens "Pastorale"-Sinfonie. Weiterhin geplant sind ein Film-Workshop und Konzerte, die die letzte Veranstaltungsnacht auf dem Frachter zum Tag werden lassen. 

Innenraum des Frachters (DW/Janis Schäfer)

Innen ist Platz für etwa 200 Menschen

Das heißt, wenn in Zeiten von Corona alles nach Plan geht. "Wir sind im engsten Kontakt mit Behörden entlang der Route bis nach Wien", sagte Malte Boecker, Leiter der Beethoven Jubiläums-Gesellschaft. "Noch entspricht das, was wir machen, dem, was die behördlichen Auflagen zulassen."

Dirk Kaftan (DW/R. Fuller)

Dirk Kaftan denkt nicht in engen Klassikrahmen

Genres und Grenzen sprengen

Die Idee zum Beethoven-Frachter stammte von Dirk Kaftan, Generalmusikdirektor der Stadt Bonn und des Beethoven Orchesters. Schnell fand er einen geeigneten Partner: Die Berliner Truppe "junge ohren" versteht sich als Netzwerk zur Musikvermittlung - und ist nicht nur auf ein Klassik-Publikum fixiert.

Kaftan ist von der Ideenvielfalt des Programms begeistert: "Es geht durch alle Genres. Es geht durch die Altersgruppen. Es wendet sich an alle Bevölkerungsschichten. Es gibt einen interkulturellen Dialog auf diesem Schiff. Es gibt einfach nur Musik, jenseits von irgendwelchen Kisten oder Schubladen."

 

Update: Der Beethoven-Frachter wurde am 12. März 2020 feierlich eingeweiht. Einen Tag später wurde die Reise wegen der Coronakrise abgesagt. Die Veranstalter ließen sich etwas Neues einfallen: Musikalische Aktivitäten werden auf dem Schiff - mit höchstens vier Künstlerinnen und Künstlern an Bord - aufgenommen und online gestellt

Die Redaktion empfiehlt