Kurz erklärt: US-Soldaten in Deutschland | Deutschland | DW | 30.07.2020
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Transatlantische Beziehungen

Kurz erklärt: US-Soldaten in Deutschland

US-Präsident Trump will rund 12.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Doch wieso sind sie hier stationiert? Und wie prägen sie das Alltagsleben?

Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieben große Kontingente der US-Streitkräfte in Deutschland. Bis heute ist das Land ein wichtiger Teil der US-amerikanischen Verteidigungsstrategie in Europa. Obwohl die Zahl der Soldaten seit damals zurückgegangen ist, blieb das amerikanische Militär im Laufe der Jahrzehnte immer sehr präsent. Amerikanische Communities haben das Leben einiger deutscher Städte und Dörfer maßgeblich mitgeprägt.  

"European Command" in Stuttgart

Die hohe strategische Bedeutung Deutschlands findet etwa Ausdruck im "European Command" in Stuttgart im Südwesten des Landes, von wo aus die USA ihre Truppen in rund 51 Ländern koordinieren, hauptsächlich in Europa. Die Aufgabe: Die USA schützen und verteidigen, indem Partner innerhalb der NATO unterstützt werden und indem man transnationalen Bedrohungen begegnet.

Die US-Army in Europa, die Luftstreitkräfte und die amerikanischen Marine Corps stehen unter diesem Kommando, sie alle unterhalten Einrichtungen in Deutschland. Tatsächlich befindet sich der größte Teil der US-Truppen in Europa in Deutschland, wobei die genaue Zahl variiert, weil stets Kontingente in andere Länder verlegt werden. Außer in Japan haben die USA nirgendwo so viele Soldaten stationiert.

Zahl der US-Soldaten seit 2006 halbiert

Nach Angaben der deutschen Bundesregierung hat sich die Zahl der amerikanischen Soldaten zwischen 2006 und 2018 mehr als halbiert, von früher 72.400 auf nun 33.250. Denn die USA haben längst auf die sich verändernde und zunehmend komplexer werdende globale Situation reagiert. In Deutschland sind allerdings immer noch fünf der sieben US-amerikanischen Garnisonen stationiert - die anderen beiden befinden sich in Belgien und in Italien. Und das Hauptquartier der US-Armee in Europa liegt ebenfalls in Deutschland, in Wiesbaden, einer Stadt in der Nähe von Frankfurt am Main.

Donald Trump in Ramstein (picture-alliance/dpa/S. Craighead)

Ende 2018: US-Präsident Donald Trump mit US-Soldaten während eines Zwischenstopps auf dem Stützpunkt der US-Luftwaffe in Ramstein

Zahlen, die der DW vom US-Militär zur Verfügung gestellt wurden, zeigen, dass diese fünf Garnisonen, die alle auf mehrere Standorte verteilt sind, eine Personalstärke von rund 29.000 haben. Darin sind auch die "Marine Corps Forces" für Europa und Afrika berücksichtigt, deren Hauptquartier in Böblingen in Baden-Württemberg liegt. Auch diese Einrichtung ist Teil der Garnison in Stuttgart. Dazu kommen noch rund 9500 Soldaten der Luftstreitkräfte, die in Kasernen über das ganze Land verteilt sind. Dazu gehören die bekannten Basen in Ramstein und in Spangdahlem in Rheinland-Pfalz.

Grafenwoehr: Größte Basis außerhalb der USA

Die amerikanischen Einrichtungen beschäftigen auch zahlreiche Zivilisten. Das Service-Personal bringt oft seine Familien aus Übersee mit, und so haben sich große amerikanische Communities rund um die Basen gebildet. Einige dieser Einrichtungen, etwa in Ramstein, bilden sogar kleine Städte. Dort befinden sich dann nicht nur Unterkünfte, Flughäfen oder Materialdepots, sondern auch eigene Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Poststellen und Polizeiwachen. Oft wird dort nur der US-Dollar als Währung akzeptiert. Die bayrische US-Garnison in Grafenwoehr, ganz nah an der Grenze zu Tschechien, ist die größte US-Basis außerhalb der USA, sowohl, was die Fläche, als auch, was die Mitarbeiterzahl betrifft.

Infografik Karte US-Militäreinrichtungen in Deutschland DE

Die Basen beschäftigen zudem viele Mitarbeiter aus Deutschland und sorgten über die Jahre für einen wirtschaftlichen Aufschwung in den umliegenden Gemeinden. Als Einrichtungen in der Vergangenheit geschlossen wurden, etwa in Bamberg 2014, hatte das heftige Auswirkungen auf die Wirtschaft. Viele Deutsche, die in der Nähe amerikanischer Einrichtungen leben, drücken deshalb auch jetzt ihren Protest gegen mögliche Truppen-Verringerungen aus.

US-Atomwaffen in deutschen Kasernen

Aber die Bedeutung der amerikanischen Präsenz in Deutschland beschränkt sich nicht allein auf die Mitarbeiter. Die USA verfügen auch über Flugzeuge auf nicht-militärischen Flughäfen. Des Weiteren werden immer auch noch rund 20 Atomwaffen der Amerikaner in Deutschland vermutet, und zwar auf dem deutschen Stützpunkt in Büchel, was immer wieder heftigen Protest in Deutschland selbst hervorruft.

Drohnen-Befehle aus Ramstein

Heftig umstritten ist auch, dass die Air Base in Ramstein als Kontrollstation für Drohnen-Angriffe genutzt wird, etwa im Jemen, aber auch anderswo.   

Die US-Präsenz in Deutschland ist ein Erbe der alliierten Besatzung des Landes von 1945 bis 1955 infolge des Zweiten Weltkriegs. Damals waren Millionen von amerikanischen, französischen, britischen und sowjetischen Soldaten hier stationiert. Der nordöstliche Landesteil, unter sowjetische Kontrolle, wurde 1949 zur "Deutschen Demokratischen Republik" (DDR). Im Westen blieb nach der Gründung der Bundesrepublik 1949 das Besatzungsstatut in Kraft, dass es den USA, Frankreich und Großbritannien erlaubte, Soldaten in Deutschland zu stationieren und Entwaffnung und Entmilitarisierung zu überwachen.

Deutschland Standort der US-Armee in Grafenwöhr (picture-alliance/Zuma Press/U.S. Army)

Soldaten der US-Garnison in Grafenwoehr beim Schießtraining

Nach dem offiziellen Ende der Besatzungszeit nahmen die Deutschen ihre Verteidigungspolitik wieder selbst in die Hand. Das Besatzungsstatut wurde durch eine Einigung innerhalb der NATO ersetzt, die 1954 durch die Bundesrepublik unterzeichnet wurde. Sie gestattete acht NATO-Mitgliedsländern, darunter auch den USA, eine ständige militärische Präsenz in Deutschland. Noch immer bestimmt dieser Vertrag, was genau die Nato-Truppen in Deutschland tun dürfen und was nicht.  

Reduzierung seit der Wiedervereinigung

Die Zahl des militärischen Personals ist vor allem nach der Wiedervereinigung 1990 stark zurück gegangen. Nach Angaben der Regierung waren damals rund 400 000 ausländische Soldaten in Deutschland, knapp die Hälfte aus den USA. Aber als Folge der Spannungen mit der sich auflösenden Sowjetunion und anderen Konflikten wie dem ersten Irak-Krieg Anfang der Neunziger Jahre wurden immer mehr Amerikaner aus Deutschland abgezogen.

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