Kunst-Biennale in Venedig: Interessante Zeiten für politische Kunst | Kultur | DW | 07.05.2019
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58. Kunst-Biennale in Venedig

Kunst-Biennale in Venedig: Interessante Zeiten für politische Kunst

In Venedig beginnt die 58. Kunst-Biennale, eine der wichtigsten Kunstschauen der Welt. Das Motto: "Mögest du in interessanten Zeiten leben". Welche Antworten gibt die Kunst auf die Umbrüche der Zeit?

Biennale di Venezia 2019 | Flüchtlingsboot für Installation, Ankunft in Venedig (Getty Images/AFP/T. Fabi)

Ehemals ein gestrandetes Flüchtlingsboot - heute eine Kunstinstallation auf der Biennale in Venedig

Ob Digitalisierung, Klimawandel, Migration, Renationalisierung oder Verschiebung der globalen Kräfteverhältnisse - unsere Welt steckt in einem dramatischen Wandel. Für viele Menschen heißt das: Unsicherheit, Krise und Aufruhr.

Biennale-Kurator Ralph Rugoff rollt der Kunst in seiner zweiteiligen Hauptausstellung den roten Teppich aus: "In einem Moment, in dem die digitale Verbreitung von Fake News und 'alternativen Fakten' den politischen Diskurs und das Vertrauen, auf dem er basiert, aushöhlen, ist es wichtig, eine Pause einzulegen, um unsere Referenzrahmen zu überdenken", so der US-Amerikaner Rugoff, der auch Direktor der Londoner Hayward Gallery ist, in einem Interview des Kunstmagazins "Monopol".

Ralph Rugoff (picture-alliance/dpa/Marc Atkins/La Biennale di Venezia)

Biennale-Kurator Ralph Rugoff

Die Künstler also, so Rugoff, sollen Antworten liefern, Denkanstöße oder auch neue Fragen stellen. Nur 79 Künstler hat der Kunsthistoriker für seine Schau ausgewählt, deutlich weniger als 2017. Sie teilt sich auf die Ausstellungspavillons in den Giardini della Biennale und dem alten Industrie- und Werftgelände Arsenale auf.

Deutsche Künstlerinnen am Lido

Auf der Künstlerliste rangieren wie üblich bekannte und unbekannte Namen. Aus Deutschland etwa kommen die multimedial arbeitende Rosemarie Trockel und die Videokünstlerin Hito Steyerl. Auch Arbeiten der Bildhauerin Alexandra Bircken werden am Lido zu sehen sein. Wichtig sei ihnen die "die Kommunikation zwischen Künstlern, Werken und Besuchern", versicherten Kurator Rugoff und Biennale-Präsident Paolo Baratta unlängst bei einem Werbeauftritt in Berlin. Die Ausstellung richte sich an ein breites Publikum - und sei "nicht nur für Experten da". Viele der internationalen Künstler, die in Venedig zu sehen sein werden, leben und arbeiten in der deutschen Hauptstadt, die noch immer als Hotspot der Szene gilt.

Natascha Süder Happelmann und Kuratorin Franciska Zólyom (rechts) (picture-alliance/dpa/W. Kumm)

Bespielt den deutschen Biennale-Pavillon: Die Kunstfigur Natascha Süder Happelmann (links)

Schaulaufen von 90 Ländern

Abseits der zentralen Biennale-Ausstellung wird es in Venedig ein Schaulaufen von rund 90 Ländern geben, die ihre Teilnahme angekündigt haben. Teils in den Pavillons der Giardini, teils an ausgewählten Orten der Lagunenstadt, zeigen sie Werke ausgesuchter Künstler. In diesem Jahr hissen erstmals auch Algerien, Ghana, Madagaskar und Pakistan die Flagge der Kunst.

Im Deutschen Pavillon gastiert Natascha Sadr Haghighian. Was die iranischstämmige Bildhauerin, Konzept- und Medienkünstlerin zeigen wird, bleibt freilich bis zuletzt ein Geheimnis. Bisher schlüpfte die 52-Jährige in die Rolle einer Maske tragenden Kunstfigur und nennt sich Natascha Süder Happelmann. Das Spiel mit Identitäten gehöre zum Kunstkonzept der Bremer Kunstprofessorin, erklärte die Kuratorin für den Deutschen Pavillon, die ungarische Kunsthistorikerin Franciska Zólyom, die auch die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig leitet.

Besucher bestaunen die Kunstinstallation von Anne Imhof (picture-alliance/dpa/A. Merola)

Anne Imhofs Installation gewann bei 2017 einen Goldenen Löwen bei der Kunst-Biennale von Venedig

Rennen um den Goldenen Löwen

Neben der documenta in Kassel gilt die Biennale in Venedig (11. Mai bis 24. November 2019) als eine der wichtigsten Kunstschauen der Welt. Leiterin der internationalen Biennale-Jury ist Stephanie Rosenthal, die Direktorin des Berliner Martin-Gropius-Baus. Die Jury vergibt Preise, darunter die Goldenen Löwen für den besten Beitrag in einem der nationalen Pavillons wie auch für den besten Beitrag eines Künstlers in der von Ralph Rugoff kuratierten Ausstellung "May You Live In Interesting Times".

2017 gewann der von Susanne Pfeffer kuratierte und von der Künstlerin Anne Imhof gestaltete Deutsche Pavillon den Goldenen Löwen. Betreut wird der Deutsche Pavillon im Auftrag des Auswärtigen Amtes vom Institut für Auslandsbeziehungen.

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