Krisensitzung gegen Ebola-Epidemie | Aktuell Afrika | DW | 02.07.2014
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Aktuell Afrika

Krisensitzung gegen Ebola-Epidemie

In Westafrika breitet sich die Ebola-Epidemie immer weiter aus. Fast 500 Menschen starben bereits durch das Virus. Auf einer Krisenkonferenz in Ghana suchen Experten nach Wegen, die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt die Krisensitzung in der ghanaischen Hauptstadt Accra ein "entscheidendes Treffen". Die Krisensitzung war von der WHO einberufen worden, nachdem die schwere Epidemie in den vergangenen Wochen immer mehr Menschenleben gefordert hatte. Betroffen sind insbesondere Guinea, Liberia und Sierra Leone.

Neben den zuständigen Minister aus elf Ländern Westafrikas nehmen auch Experten der Vereinten Nationen, des Roten Kreuzes, des Instituts Pasteur und von Ärzte ohne Grenzen an dem Treffen teil. Ziel ist es, den Ausbruch der Krankheit unter Kontrolle zu bringen und die Zusammenarbeit zwischen den Staaten in der betroffenen Region zu stärken.

Schwerster Ausbruch aller Zeiten

Der Ebola-Ausbruch sei der schwerste aller Zeiten, nicht nur was die Zahl der Fälle und der Toten betrifft, sondern auch bezüglich der geografischen Verbreitung, erklärte die WHO zum Auftakt der Konferenz. Sie setzt große Hoffnung in das Treffen. " Die bei diesem Treffen gefällten Beschlüsse werden entscheidend für den aktuellen und zukünftigen Kampf gegen Ebola sein", hieß es in einer WHO-Mitteilung. Erst am Dienstag hatte die WHO neue Opferzahlen vorgelegt: demnach sind bis Ende Juni in Guinea, Liberia und Sierra Leone 759 Fälle bestätigt worden. 467 Patienten starben an dem Virus.

Als erster Staat in Westafrika hatte Guinea zu Jahresbeginn den Ausbruch der Krankheit gemeldet, das Land ist am stärksten betroffen. Gastland Ghana ist bislang nicht von Ebola betroffen. " Aber wir können es nicht zulassen, dass das Virus nach Ghana kommt, und wir müssen dafür sorgen, dass es sich in Westafrika nicht weiter ausbreitet", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Nachlassende Bemühungen

In den vergangenen Wochen hatte es einen rasanten Anstieg der Infektionen gegeben. WHO-Experte Pierre Formenty sagte, dieser sei auf ein Nachlassen der Bemühungen der drei betroffenen Länder zurückzuführen, das Virus zu stoppen.

Liberias Vize-Gesundheitsministerin Bernice Dahn erklärte, es fehle oft am nötigen Bewusstsein. "Viele glauben nicht mal, dass es Ebola gibt." Die Dorfvorsteher müssten sensibilisiert werden, da die Menschen ihnen mehr vertrauten als den Gesundheitsdiensten, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Der Präsident von Sierra Leone, Ernest Koroma, warnte am Mittwoch in einer Fernsehansprache, wer ein Ebola-Opfer zu Hause pflege, ohne dies den Behörden zu melden, verstoße gegen das Gesetz.

Angriff auf die Helfer

In Guinea stellte das Rote Kreuz seinen Hilfseinsatz in zur Bekämpfung Epidemie nach einem Zwischenfall vorübergehend ein. Mit Messern bewaffnete Einheimische hätten Helfer in einem Rot-Kreuz-Fahrzeug bedroht, teilte die Hilfsorganisation mit. Vorausgegangen waren eine ganze Reihe ähnlicher Zwischenfälle. So griffen Jugendliche vor zwei Monaten ein Zentrum der Organisation Ärzte ohne Grenzen an. Den Mitarbeitern wurde vorgeworfen, das tödliche Virus nach Guinea gebracht zu haben.

UNICEF-Mitarbeiter mit Plakaten in einer Menschenmenge in Guniea

Aufklärung: UNICEF-Mitarbeiter in Guinea. Wenige kennen die Krankeit, viele misstrauen den Ärzten

In Westafrika mangelt es an Erfahrungen mit dem Ebola-Virus. Es ist das erste Mal, dass sich der 1976 im damaligen Zaire entdeckte Erreger in der Region ausbreitet. Bei der Krankheit leiden die Infizierten an plötzlichem hohen Fieber, sowie an Durchfall und starken Schmerzen. In schweren Fällen kommt es zu Blutungen und sogar Organversagen. Das Virus verursacht außerdem schwere innere und äußere Blutungen. In rund 90 Prozent aller Fälle verläuft Ebola tödlich. Die Krankheit überträgt sich unter anderem durch Körperkontakt. Eine gezielte Therapie oder Impfung gibt es nicht.

Keine Gefahr für Europa

Der grassierende Ebola-Ausbruch in Westafrika hat für Deutschland und Europa keine weiteren Vorbeugemaßnahmen zur Folge. Es sei äußerst unwahrscheinlich, dass Touristen sich infizierten, so Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Eine Ansteckung sei nur möglich, wenn man mit Erkrankten, deren Körperflüssigkeiten oder Menschen, die an Ebola gestorben sind, direkten Kontakt habe.

"Während der Inkubationszeit, in der die Betroffenen noch keine Symptome zeigen, sind weder sie selbst noch ihre Ausscheidungen ansteckend", sagte Schaade. Darüber hinaus könne man sich durch den Verzehr erkrankter Wildtiere, sogenanntes "Bushmeat", anstecken. Dennoch rät das Auswärtige Amt in Berlin von Reisen in die betroffenen Regionen von Guinea, Sierra Leone und Liberia vorsichtshalber ab.

cw/re (afp, dpa, rtr)