Krawalle in Nantes: Polizist hat gelogen | Aktuell Europa | DW | 06.07.2018
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Frankreich

Krawalle in Nantes: Polizist hat gelogen

Der Polizist, der im französischen Nantes  bei einer Verkehrskontrolle einen 22-Jährigen erschoss, hat zugegeben, falsche Aussagen zum Tathergang gemacht zu haben. In der Folge kam es zu heftigen Krawallen.

Der Anwalt des Beamten sagte der Nachrichtenagentur AFP, sein Mandant habe anders als bisher dargestellt nicht in Notwehr gehandelt. Gegenüber Generalinspekteuren der nationalen Polizei habe er nun angeführt, bei dem Schuss habe es sich um einen "Unfall" gehandelt. Ein Untersuchungsrichter ordnete die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gegen den Polizisten wegen "mutwilliger Gewalt mit Todesfolge" an. Der Polizist wurde zudem unter gerichtliche Aufsicht gestellt.

Bisher hieß es, er habe in Notwehr auf den jungen Mann geschossen, nachdem dieser mit seinem Auto einen Kollegen bei einer Verkehrskontrolle angefahren habe. Wegen Zweifeln an der Darstellung des Schützen ist dieser bereits seit Donnerstag in Polizeigewahrsam.

In Nantes kam es auch in der vierten Nacht nach den Todesschüssen zu Ausschreitungen. Mit Brandsätzen bewaffnete Jugendliche lieferten sich in der Nacht zum Samstag Auseinandersetzungen mit der Polizei, wie ein Sprecher mitteilte. Autos und Mülleimer gingen in Flammen auf. Auch an einem Haus mit Sozialwohnungen wurde Feuer gelegt. Die Unruhen betrafen mehrere Stadtteile von Nantes. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Randalierer vor. Die Sicherheitskräfte wurden von Einheiten der Spezialtruppe CRS unterstützt, die auch die Feuerwehr begleiteten. Bereits in den vergangenen drei Nächten hatte es in verschiedenen Vierteln von Nantes schwere Krawalle gegeben. 

Polizeibekanntes Opfer

Die Regierung hatte eine lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse zugesagt. Der junge Mann war der Polizei wegen "bandenmäßigen Diebstahls" bekannt. Der 22-Jährige war per Haftbefehl gesucht worden und hatte gegenüber den Polizisten laut Staatsanwaltschaft eine falsche Identität angegeben.

Frankreich Polizei in Nantes (Getty Images/AFP/S. Salom Gomis)

Polizisten in Kampfanzügen sichern die Straßen in Nantes

Frankreichs Polizei gilt wegen der Terrorserie mit mehr als 240 Toten seit Januar 2015 als notorisch überlastet. Zudem sehen sich viele Polizisten zunehmenden Attacken in Vorstädten ausgesetzt. Bewohner der Banlieues werfen den Beamten ihrerseits brutale Methoden und einen übertriebenen Schusswaffengebrauch vor.

cgn/se (afp, dpa)