Frankreich: Schwere Krawalle in Nantes | Aktuell Europa | DW | 04.07.2018
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Ausschreitungen

Frankreich: Schwere Krawalle in Nantes

Nachdem ein 22-Jähriger bei einer Polizeikontrolle getötet worden war, machten zahlreiche Bewohner eines Stadtteils im westfranzösischen Nantes ihrem Ärger Luft. Bei den Ausschreitungen eskalierte die Lage.

Die Unruhen betrafen mehrere als Brennpunkte geltende Stadtteile. Autos wurden angezündet und ein Einkaufszentrum teilweise in Brand gesteckt. Ausgelöst wurden die Krawalle durch einen Vorfall, der sich wenige Stunden zuvor am Dienstagabend ereignet hatte.

Wegen einer Ordnungswidrigkeit hatten Polizisten einen Autofahrer angehalten. Die Identität des Fahrer sei unklar gewesen, die Beamten hätten die Anweisung bekommen, den Fahrer auf eine Polizeistation zu bringen, sagte der örtliche Polizeidirektor Jean-Christophe Bertrand. Bei der Kontrolle habe der Fahrer zunächst "so getan, als wolle er aus dem Fahrzeug aussteigen", und habe dann einen Polizeibeamten angefahren, sagte Bertrand.

Der Beamte sei leicht am Knie verletzt worden, ein weiterer Beamter habe daraufhin geschossen und den jungen Mann getroffen, der "leider gestorben" sei. Aus Polizeikreisen verlautete, der junge Mann sei an der Halsschlagader getroffen worden und im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.

Karte Nantes Frankreich DE

Großaufgebot gegen Krawalle

Die Kunde von dem Polizeieinsatz breitete sich übereinstimmenden Medienberichten zufolge wie ein Lauffeuer in dem Viertel aus und erregte den Zorn zahlreicher Bewohner. Die Sicherheitskräfte rückten mit einem Großaufgebot an, um aufkeimende Krawalle zu ersticken. Binnen kurzer Zeit sei die Lage dann eskaliert: Randalierer hätten Brandsätze auf Polizisten geschleudert, Autos angezündet und sogar ein Feuer in einem Einkaufszentrum gelegt. Die Sicherheitskräfte setzten demnach Tränengas ein, um die aufgebrachte Menge auseinander zu treiben. Laut Polizeikreisen gab es keine Festnahmen. Knapp 200 Polizisten waren im Einsatz.

Laut Staatsanwaltschaft werden derzeit die "Umstände untersucht, unter denen der Polizist Gebrauch von seiner Schusswaffe machte". Die Bürgermeisterin von Nantes, Johanna Rolland, rief die Bewohner der Stadt in der Bretagne zur Ruhe auf. Zugleich versprach sie eine "vollkommen transparente" Aufklärung der Geschehnisse der Nacht. Bis zum frühen Mittwochmorgen hatte sich die Lage in Nantes nach Medienberichten wieder einigermaßen beruhigt.    

bri/pg (afp, dpa)