Kommentar: WADA - Zeit für eine Kehrtwende | Kommentare | DW | 03.01.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Doping

Kommentar: WADA - Zeit für eine Kehrtwende

Eine Blamage: Die Welt-Anti-Doping-Agentur wird vom voreilig begnadigten russischen Sport vorgeführt. Russland zeigt im größten Doping-Skandal der Geschichte keine Reue. Das muss Konsequenzen haben, meint Joscha Weber.

Schottland Craig Reedie (Getty Images/AFP/A. Buchanan)

"Bitter enttäuscht" ist WADA-Chef Craig Reedie von Russland - und auch von sich selbst?

Eigentlich ist es doch ganz einfach: Eine Gesellschaft gibt sich Regeln, damit Gerechtigkeit herrscht und alle die gleichen Rechte haben. Wer gegen die gesellschaftlich anerkannten Regeln verstößt, wird bestraft und diese Strafe kann nur durch Kooperation und Reue verkürzt werden. So funktioniert weltweit der Rechtsstaat, zumindest dort, wo er auch seinen Namen verdient. Auch die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) folgt diesen Prinzipien: Sie sieht sich als "Wächter der Werte und des Geistes" eines sauberen Sports, als einen Wächter, der "unparteiisch, objektiv, ausgewogen und transparent" urteilt. Die WADA ist somit die Hüterin des wohl edelsten sportlichen Gedanken: der Fairness. Aber wird sie diesem Anspruch gerade gerecht?

Mangelnder Aufklärungswille wird belohnt

Die WADA hatte die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA wegen einer systematischen Vertuschung von Doping zunächst suspendiert, diese Sperre aber im September überraschend aufgehoben - unter Auflagen: Weil Russland bis dahin weder den entlarvenden Bericht der WADA-Ermittler anerkannt hatte, noch der WADA die Datenbank des Moskauer Anti-Doping-Labors zugänglich gemacht hatte, sollte die RUSADA dies bis zum Jahresende bitte nachholen. Hat sie aber nicht - wie übrigens zu erwarten war. Doch WADA-Chef Craig Reedie zeigt sich nun "bitter enttäuscht" von den Russen. Er könnte es auch von sich selbst sein.

Weber Joscha Kommentarbild

DW-Sportredakteur Joscha Weber

Denn die WADA verspielt gerade ihren guten Ruf. Ohne Not hob sie die Suspendierung Russlands auf, ohne dass der Delinquent auch nur einen Funken echter Reue gezeigt oder, wie gefordert, in vollem Umfang mit den Ermittlern kooperiert hätte. Die Daten des Moskauer Labors hätten Aufschluss über das Ausmaß des institutionellen Dopings in Russland geben können. Genau diese tiefen Einsichten in das Betrugssystem versucht Russland aber seit Jahren zu verhindern,  was auch für die eigenen Sportler negative Folgen haben könnte , und schüchtert stattdessen diejenigen ein, die das Komplott öffentlich machten. Diese Haltung auch noch mit einem Entgegenkommen zu belohnen, war ein schwerer strategischer Fehler der WADA.

Die eigenen Regeln ernst nehmen

Das Echo ist gewaltig: "Peinlich", urteilt US-Antidoping-Chef Travis Tygart, der einst Lance Armstrong überführte, und sieht die WADA als "Spielball der Russen". Alfons Hörmann, der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes, warnt vor einem "weiteren Vertrauensverlust" und der britische "Guardian" findet, dass Russland WADA-Chef Reedie "wieder mal wie einen Trottel aussehen lässt".

Die Kritiker haben Recht: Der internationale Anti-Doping-Kampf steht mit heruntergelassenen Hosen da. Da sorgt eine sportliche Großmacht für den größten Doping-Skandal der Sport-Geschichte und die Welt-Anti-Doping-Polizei übt sich in Milde, Nachsicht und einer Politik der Umarmung. Geht's noch? Das Verhalten der WADA ist geradezu naiv. 

Es gibt nur einen Ausweg aus dem Schlamassel: Die WADA muss eine Kehrtwende vollziehen und Russlands Anti-Doping-Agentur erneut suspendieren - und zwar bis alle Bedingungen des eigenen Regelwerks erfüllt sind. Denn dafür ist dieses ja schließlich da.

Die Redaktion empfiehlt