WADA weltweit am Pranger | Sport | DW | 19.09.2018
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RUSADA vor Wiederaufnahme

WADA weltweit am Pranger

Die Exekutive der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA entscheidet im Rahmen ihrer Sitzung am Donnerstag auf den Seychellen, ob die Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA aufgehoben wird.

Blutprobe aus einem Anti-Dopinglabor (Reuters/S. Karpukhin)

Blutprobe aus einem Anti-Dopinglabor

Athleten und Sportpolitiker sind entsetzt, die Anti-Doping-Agenturen vieler Länder schlagen Alarm: Die wahrscheinliche Wiederaufnahme der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA und die damit verbundene Rehabilitation der Doping-Großmacht Russland durch die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA am Donnerstag bei der Exekutiv-Sitzung auf den Seychellen sorgt weltweit für Unverständnis.

"Das ist ein echter Witz und ein Schlag ins Gesicht eines jeden sauberen Athleten", sagte Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur USADA. Whistleblower Grigorij Rodtschenkow, der mit seinen Aussagen die Aufdeckung des Doping-Skandals in Russland ins Rollen gebracht hatte, sprach von einer "Katastrophe für den sauberen Sport".

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nannte es "fatal", sollte die WADA von ihren Kriterien abweichen. Russland müsse endlich zeigen, dass der faire Wettkampf "als verbindendes Element des Weltsports akzeptiert und aktiv umgesetzt wird", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Das IOC soll Druck auf die WADA ausgeübt haben

Die russische Fahne vor den Olympischen Ringen (picture-alliance/dpa/AP/David J. Phil)

Die russische Fahne vor den Olympischen Ringen

Wegen der Suspendierung der RUSADA sind auch die russischen Leichtathleten und Behindertensportler aus ihren Weltverbänden IAAF beziehungsweise IPC ausgeschlossen. Das könnte sich mit der Wiederaufnahme der RUSADA ändern.

Die Hoffnungen, dass es sich die WADA nach dem globalen Proteststurm doch noch anders überlegt, sind gering. "Die Äußerungen vieler Gegner dieser Entscheidung sorgen zwar derzeit für großes öffentliches Aufsehen", sagte Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, "doch für Herrn Reedie sind die Wünsche des IOC entscheidend."

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) soll Druck auf die WADA und deren Präsidenten Craig Reedie ausgeübt haben. Der unabhängige Compliance-Prüfungsausschuss CRC hatte am vergangenen Freitag überraschend der WADA empfohlen, die RUSADA nach drei Jahren wieder aufzunehmen. Als Grund nannte der CRC, dass die RUSADA die zwei noch offenen, elementaren Bedingungen erfüllen würde. Seltsam nur, dass das CRC drei Tage zuvor noch die Aufrechterhaltung der Suspendierung gefordert hatte.

Die WADA war auf Russland zugegangen

"Mit Erstaunen nehmen wir zur Kenntnis, dass sich nun aber über Nacht die Dinge geändert haben", schrieb die deutsche Nationale Anti-Doping Agentur (NADA). Zuvor hatte der CRC einen Brief vom russischen Sportministerium erhalten, in dem in Aussicht gestellt wurde, die Ergebnisse des Schmid-Reports über Doping in Russland anzuerkennen. Für den weiteren strittigen Punkt, den Zugang zum Moskauer Anti-Doping-Labor, soll es einen konkreten Zeitplan geben.

Jedoch war die WADA auf Russland zugegangen. Aus einem Schreiben von Reedie an den russischen Sportminister Pawel Kolobkow vom 22. Juni geht hervor, dass die Agentur mit Sitz in Montreal zugunsten der Russen von ihrer ursprünglichen harten Marschroute abgewichen war und vor allem beim Kriterium Zugang zum Moskauer Dopinglabor große Zugeständnisse gemacht hat.

Ein unabhängiges Gremium, nicht die WADA, soll die Kontrollen durchführen, und zwar erst nach einer Wiederaufnahme der RUSADA. Zudem mussten die Russen plötzlich auch nicht mehr den McLaren-Report, sondern nur noch den weniger strikt formulierten IOC-Report des Schweizers Samuel Schmid anerkennen.

Kollektives Unverständnis

Travis Tygart, Chef der US-Dopingagentur USADA (DW/André Leslie)

Travis Tygart, Chef der US-Dopingagentur USADA

Tygart reagierte mit Wut und Unverständnis. "Bis zum heutigen Tag haben WADA-Offizielle keinen Zugang zu den Proben von Athleten im Moskauer Labor. Zudem ist der McLaren-Report bislang nicht öffentlich anerkannt worden", sagte der einst im Fall Lance Armstrong federführende Ankläger zuletzt und schob nach: "Die Interessen einer Handvoll Sportfunktionäre werden über die Rechte von Millionen sauberer Athleten gestellt."

Auch innerhalb der WADA brodelt es. Athletensprecherin Beckie Scott trat aus Protest aus dem CRC zurück. Silke Kassner, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Athleten Deutschland, forderte die WADA "dringend auf", die Entscheidung in der Causa Russland zu vertagen. "Wir brauchen das System, es ist alternativlos. Aber gesetzte Regeln müssen eingehalten werden, sonst brauchen wir die Institution WADA nicht."

jst/sw (sid)

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