Kommentar: Schlechter Verlierer | Sport | DW | 27.04.2019
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Meinung

Kommentar: Schlechter Verlierer

Sicherlich ist es eine seiner schmerzhaftesten Niederlagen, BVB-Trainer Lucien Favre lenkt mit seiner Handelfmeter-Attacke aber nur von der mäßigen Leistung seines Teams im Revierderby ab, meint Sarah Wiertz.

Zwei Rote Karten, vier Gegentore, Revierderby verloren. "Das soll ein Handspiel gewesen sein?", fragte Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre nach der Partie. "Es ist so lächerlich. Für mich ist das ein Skandal. Das ist eine große Schande für den Fußball. Das hat nichts mit Fußball zu tun." Der sonst so besonnene Coach war bedient - verständlich ob der großen Erwartungen an ihn, dem FC Bayern den Titel streitig zu machen.

Unverständlich ist dagegen, dass er die Niederlage seines Teams gegen Schalke auf diesen Handelfmeter reduzierte. Natürlich war dieser umstritten. Natürlich muss man diesen nicht geben. Natürlich muss die Handregel geändert werden. Aber sie gilt derzeit für alle, und fast jeder Verein kann in dieser Saison ein Lied davon singen.

Vorbild Kohfeldt

DW Kommentarbild Sarah Wiertz

DW-Redakteurin Sarah Wiertz

Was Favre aber nach der Partie nicht erwähnenswert fand, war: Dortmund spielte - bis auf das wunderschön herausgespielte Tor von Götze - einfach nicht besonders gut, schon gar nicht meisterlich, während Revier-Rivale Schalke leidenschaftlich kämpfte. Natürlich kann ein umstrittenes Tor eine Mannschaft aus dem Konzept bringen. Aber einem Top-Team wie Dortmund darf das nicht passieren. Zumal noch 72 Minuten Zeit war, die Partie nach dem zwischenzeitlichen 1:1 wieder in die richtige Bahn zu lenken.

Favres Trainerkollege Florian Kohfeldt von Werder Bremen hat vor wenigen Tagen in einer vergleichbaren Situation gezeigt, was eine souveräne und reflektierte Reaktion ist. Nachdem im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayern München eine sehr harte Elfmeterentscheidung die Chancen auf den Finaleinzug der Bremer zunichte gemacht hatte, legte Kohfeldt Wert darauf, "nicht alles auf den Elfmeter zu reduzieren". Er verhinderte nach dem Abpfiff eine Rudelbildung auf dem Rasen, damit eben der Elfmeter "nicht wieder zum großen Thema wird". Und er gratulierte anschließend dem Gegner.

Wohlgemerkt: Kohfeldt ist 36 Jahre alt und seit 2017 als Trainer bei den Profis im Geschäft, Favre ist mittlerweile 61 und seit 1993 dabei. Das Revierderby hat heute gezeigt: Borussia Dortmund ist in dieser Saison nicht reif für den Titel. Und der Trainer ist es auch nicht.

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