BVB-Trainer Favre verliert nach Derby-Pleite die Fassung | Fußball | DW | 27.04.2019
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Schalkes Sieg im Revierderby

BVB-Trainer Favre verliert nach Derby-Pleite die Fassung

Borussia Dortmund verspielt mit der deutlichen Niederlage im Revierderby gegen den FC Schalke 04 wohl den Titel. Die Königsblauen haben dagegen den Klassenverbleib so gut wie sicher - und sich am BVB gerächt.

Fußball Bundesliga 31. Spieltag l BVB Dortmund vs FC Schalke 04 l 1:3 Rote Karte für Marco Reus (Imago/M. Müller)

Der Moment, in dem das BVB-Unheil seinen Lauf nimmt: Kapitän Marco Reus (2. v. l.) sieht nach einem Foul an Serdar die Rote Karte

Die Dortmunder Niederlage hatte ihre Spuren hinterlassen. Ein paar besonders enttäuschte BVB-Anhänger versuchten rund zehn Minuten nach dem Abpfiff, ihren Frust vor der Schalker Kurve im Dortmunder Stadion loszuwerden. Am Ende konnte die Polizei die beiden aufeinander zugehenden Lager gerade noch trennen, ohne dass es zu ernsteren körperlichen Schäden kam. Das änderte aber nichts daran, dass beim BVB nach dem 2:4 (1:2) gegen die Königsblauen die Nerven blank lagen.

"Ja klar, der Titel ist gespielt für mich", sagte Dortmunds Trainer Lucien Favre und räumte eine der schwersten Niederlagen in seiner Karriere ein: "Das habe ich so noch nicht erlebt. Das ist sehr schwer zu verdauen."  

Seine Enttäuschung war so groß, dass der sonst so besonnene Favre die Contenance verlor. Er beschwerte sich allerdings nicht über die beiden Roten Karten, die sich seine Spieler Marco Reus (60. Minute) und Marius Wolf (65.) nach groben Foulspielen in der zweiten Hälfte, geradezu darum bettelnd, abgeholt hatten.

Favre: "Das ist lächerlich" 

Vielmehr wetterte er gegen den Schiedsrichter, der "heute eine sehr schlechte Leistung gezeigt hat". Es ging mal wieder, wie so häufig in dieser Saison und in allen Stadien der Republik, um ein vermeintliches Handspiel. 

Bundesliga - Bundesliga Borussia Dortmund FC Schalke 04: Lucien Favre (Imago Images/J. Huebner)

Lucien Favre ließ seinem Unmut nach dem Spiel Lauf

"Das ist lächerlich. Das ist der größte Skandal im Fußball. Die wollen den Spielern die Ehre abschneiden. Das ist eine Schande und niemand weiß, wer das so entschieden hat. Niemand weiß es", redete sich Favre in Rage. "Das hat mit Fußball nichts zu tun", polterte der Schweizer.  

Der BVB-Coach bezog sich dabei auf die Elfmeter-Entscheidung von Schiedsrichter Felix Zwayer, der nach Ansicht der Video-Aufzeichnung der 18. Spielminute auf Strafstoß entschieden hatte. In der von ihm überprüften Szene hatte Julian Weigl einen Schuss von Breel Embolo aus kürzester Distanz an den Arm bekommen und so abgeblockt.

Stevens pflichtet Favre bei

Absicht konnte dem Dortmunder dabei sicher nicht unterstellt werden - vielmehr Unglück. Es war aber in jedem Fall ein weiteres von vielen Beispielen in dieser Saison dafür, dass die Hand-Regel in dieser Form und Auslegung keinen Fortbestand haben darf.

Fußball Bundesliga 31. Spieltag l BVB Dortmund vs FC Schalke 04 l Tor 1:2 Jubel (Getty Images/Bongarts/S. Franklin)

Spiel gedreht: Salif Sané (Mitte) bringt Schalke per Kopf mit 2:1 in Führung (18.)

Kurz vor der umstrittenen Szene war der bis dahin stark aufspielende BVB durch Mario Götze in Führung gegangen (14.). "Wir führen 1:0 nach einem schönen Tor. Und auf einmal konnten wir nicht mehr weiterspielen", sagte Favre. Daniel Caligiuri verwandelte besagten Elfmeter vier Minuten nach der Führung der Hausherren zum Ausgleich (18.) - der Untergang der Dortmunder nahm seinen Lauf. Salif Sané (28.), erneut Caligiuri (62.) und Embolo (86.) erzielten die weiteren Treffer der Schalker. Axel Witsel traf für die Dortmunder zum zwischenzeitlichen 2:3.

Huub Stevens pflichtete seinem Kollegen nach der Partie bei: "Ich sehe Verteidiger mit Händen auf dem Rücken. Das ist kein Verteidigen. Da muss eine klare Linie kommen", sagte der Interimstrainer der Schalker, der zuvor sein 19. Revierderby bestritten hatte und sein Team mit dem Sieg so gut wie sicher in der Bundesliga halten wird. "Natürlich ist es auch ein wenig glücklich, aber wenn man hier mit 4:2 gewinnt, kann man als Schalker glücklich sein", so das Fazit des Niederländers.  

Meisterschaft verbaut

Fußball Bundesliga 31. Spieltag l BVB Dortmund vs FC Schalke 04 l Tor 2:4 Jubel (Reuters/W. Rattay)

Ekstase: Schalke bejubelt das 4:1 durch Breel Embolo (Mitte, kniend)

Ein Spiel kann eine ganze Saison retten - im Ruhrgebiet ist das eine Fußballweisheit. Dort, wo es im Fußball so viele Nachbarschaftsduelle auf unterschiedlichstem Niveau gibt, auf dieses eine Derby aber die ganze Region gebannt blickt. Die, die es mit dem FC Schalke 04 halten, haben Tage voller Freude, aber auch Schadenfreude vor sich. Denn im Ruhrgebiet gilt umgekehrt auch: Ein einziges Spiel, dieses größte aller Spiele, kann unter Umständen auch eine ganze Saison zerstören. Für die Schwarz-Gelben aus Dortmund ist das dieses Mal die bittere Realität.

Denn der Schalker Derbysieg dürfte dem zuletzt so katastrophal aufgetretenen Team nicht nur die Relegation erspart haben, sondern bedeutet viel mehr: Mit dem Erfolg dürfte Schalke dem BVB aller Voraussicht die neunte Deutsche Meisterschaft verbaut haben. So, wie es einst die Dortmunder dem Titelkandidaten Schalke an gleicher Stelle mit einem 2:0-Sieg am vorletzten Spieltag der Saison 2006/07 angetan hatten. 

Stevens mit kritischen Worten

Den Fans der Königsblauen versüßt dieser Derby-Sieg also eine ansonsten bittere Saison. Trainer Stevens hatte trotz des Triumphs auch kritische Worte für sein Team parat: "Das macht die Saison nicht gut. Als Schalke darf man nicht unten reinrutschen. Das ist uns aber passiert", so der Niederländer. 

Die Erleichterung war dennoch enorm bei den Schalkern. Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies rannte von der Tribüne auf den Stadionrasen und küsste Stevens voller Glückseligkeit ("Ich konnte ihm nicht entkommen"). Sportvorstand Jochen Schneider schien den Trainer gar nicht mehr aus seiner Umarmung loslassen zu wollen. Auch bei den Schalkern schäumten die Emotionen über - auf eine Weise, wie sie es vor der Partie wohl nicht zu träumen gewagt hatten.    

 

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