Kommentar: Nicht jammern, FC Bayern! | Kommentare | DW | 16.09.2018
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Meinung

Kommentar: Nicht jammern, FC Bayern!

Hat Bayern-Präsident Uli Hoeneß recht, wenn er Karim Bellarabi der vorsätzlichen Körperverletzung bezichtigt? DW-Redakteur Andreas Sten-Ziemons sieht das ganz anders und stellt einen neuen Trend bei den Bayern fest.

Wer viel redet - und das Ganze auch noch öffentlich und aus der Emotion heraus - der redet leider manchmal Blödsinn. Das hat sich an diesem Bundesliga-Wochenende bei FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß gezeigt, der sich zwar nachvollziehbarerweise über das Foul von Leverkusens Karim Bellarabi an Bayern-Verteidiger Rafinha aufregte, bei der Wortwahl aber völlig über das Ziel hinausschoss. Das Foul - Bellarabi hatte dem kleinen Brasilianer mit stollenbewehrter Sohle von hinten auf den Unterschenkel getreten - sei "geisteskrank" gewesen, ließ Hoeneß wissen und wütete weiter: "Das ist vorsätzliche Körperverletzung! So einer gehört drei Monate gesperrt."

Bayern-Offizielle zu Jammerlappen mutiert?

Natürlich ist es tragisch, dass Rafinha mit einer Innenbandverletzung bis auf Weiteres ausfällt, und auch die Rote Karte war völlig berechtigt. Allerdings ist Bellarabi nun wirklich nicht als Rüpel bekannt, der seinen Gegnern mit Absicht die Knochen bricht.

Andreas Sten-Ziemons

Andreas Sten-Ziemons

Auffällig ist dagegen, dass Hoeneß mit seiner Tirade einen Trend der noch jungen Saison fortsetzt: Die Bayern-Offiziellen scheinen sich aufs Jammern verlegt zu haben - möglicherweise, weil mittlerweile auch ihnen das reine Fußballspielen in der Bundesliga zu langweilig geworden ist. Mit Sicherheit aber, weil es ihnen stinkt, dass sich mit Kingsley Coman (gegen Hoffenheim), Corentin Tolisso und Rafinha (beide gegen Leverkusen) nun schon drei Spieler schwerer verletzt haben. Das ist zu bedauern, aber es ist mit Sicherheit nicht die Folge einer ligaweiten Verschwörung gegen die Bayern.

Schon nach dem ersten Saisonspiel der Bayern gegen die Hoffenheimer und der Verletzung Comans hatte sich Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vehement zu Wort gemeldet. Er warf den Hoffenheimern damals vor, "Fußball in Wild-West-Manier" gespielt zu haben. Die selbstbewussten Ankündigungen von TSG-Trainer Julian Nagelsmann und Manager Alexander Rosen vor dem Spiel hätten dazu geführt, "dass eine Mannschaft zum Halali gegen unsere Spieler bläst". Das habe mit Fair Play nichts mehr zu tun, so Rummenigge. Jetzt stieß Hoeneß in dasselbe Horn, unterstützt von Trainer Niko Kovac, der sagte: "Wir haben den dritten Spieltag, und ich habe das Gefühl, dass wir Freiwild sind."

Alle auf die Bayern?

Allerdings: Nur weil drei Bayern-Verantwortliche behaupten, die Gegner gingen neuerdings mit dem Vorsatz in die Zweikämpfe, Bayern-Spieler absichtlich ins Krankenhaus zu treten, wird daraus noch keine Tatsache.

Bundesliga 3. Spieltag | Bayern München vs. Bayer 04 Leverkusen | Corentin Tolisso (Reuters/M. Dalder)

Leichter Zusammenprall, schwere Folgen: Corentin Tolisso erleidet einen Kreuzbandriss und fällt lange aus

Coman verletzte sich unglücklich bei einem Einsteigen von Nico Schulz, wie es hundertfach in jeder Bundesliga-Saison vorkommt. Tolisso verdrehte sich ebenso unglücklich das Knie, als er dem heransprintenden Kevin Volland den Ball abnehmen wollte. Pech!

Lediglich das Foul von Bellarabi war eines der härteren und vor allem der unnötigen Sorte. Daher liegt Hoeneß mit einer Teilaussage nicht daneben: Der Bayern-Präsident hatte gefordert, Bellarabi müsste wegen Dummheit gesperrt werden.

Und in diesem Punkt muss man dem Bayern-Präsidenten - bei aller Kritik an seinen sonstigen Verbalattacken - dann doch durchaus recht geben.

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