Kommentar: Manaforts Deal - ein schwarzer Freitag für Trump | Kommentare | DW | 14.09.2018
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USA

Kommentar: Manaforts Deal - ein schwarzer Freitag für Trump

Das Schuldbekenntnis von Donald Trumps ehemaligem Wahlkampfchef Paul Manafort ist ein großer Triumph für Sonderermittler Robert Mueller. Wenn Manafort auspackt, wird der Druck auf Trump wachsen, meint Michael Knigge.

Paul Manafort war bislang die härteste Nuss für Robert Mueller. Der Russland-Sonderermittler konnte zwar bereits auf Erfolge verweisen - etwa auf die Schuldbekenntnisse von wichtigen Mitarbeitern aus US-Präsident Donald Trumps Umfeld wie Michael Flynn, George Papadopoulos, Rick Gates und Michael Cohen. Doch der größte Fisch aus Trumps Wahlkampfpool verweigerte sich nicht nur hartnäckig einer Zusammenarbeit - im Gegenteil: Manafort attackierte Mueller und seine Ermittler wiederholt öffentlich und focht die Legitimität des Sonderermittlers auch gerichtlich an.

Doch Manaforts Strategie ging nach hinten los. Das Gericht bestätigte nicht nur die Legitimität des Sonderermittlers. Manafort wurde auch in einem Prozess, der seinen aufwendigen Lebensstil und seine dubiosen Geschäftsmethoden schonungslos bloßlegte, in acht Anklagepunkten für schuldig befunden. Damit droht ihm eine langjährige Haftstrafe.

Manaforts wertvolle Informationen

Angesichts dieses für ihn fatalen ersten Urteils hat sich Manafort nun kurz vor Beginn eines für Montag angesetzten zweiten Verfahrens zu einer Kehrtwende entschieden und will mit Mueller kooperieren. Das ist ein großer Erfolg für den Sonderermittler. Es ist auch ein eindeutiges Zeichen, dass Mueller überzeugt ist, dass Manafort über wichtige Informationen verfügt, die mindestens erhellen oder über das hinausgehen, was andere Beschuldigte bereits ausgesagt haben. Denn über Muellers sorgfältige Arbeit wissen wir inzwischen, dass er sich nicht auf einen derartigen Deal einlassen würde, wenn er nicht sicher wäre, dass Manaforts Informationen dies wert sind.

Michael Knigge Kommentarbild App

Michael Knigge, USA-Korrespondent der DW

Der zweite Manafort-Prozess ist nun abgesagt - er wäre möglicherweise noch aufschlussreicher gewesen als der erste. Denn im Mittelpunkt hätte seine Tätigkeit als Lobbyist für ausländische Kunden gestanden, besonders seine Arbeit für und mit ukrainischen Offiziellen. Unangemeldete und dubiose Lobbyverbindungen in die Ukraine sind naturgemäß sehr spannend für einen Sonderermittler, der mögliche Beziehungen von Trumps Wahlkampfteam zu Russland untersucht, auch wenn sie bislang den Präsidenten nicht persönlich betreffen.

Erst Cohen, dann Manafort

Trump hatte Manafort mehrmals dafür gelobt, dass er sich geweigert hatte, mit Mueller zusammenzuarbeiten. Nun jedoch wird der Druck auf Trump weiter wachsen, weil sein hochrangigster Wahlkampfmitarbeiter mit dem Sonderermittler kooperiert. Das muss nicht zwingend heißen, dass Manafort seinen ehemaligen Chef schwer belasten wird - aber möglich ist es, wie der Fall Cohen zeigt. Auch er war ein treues Mitglied des Trump-Teams, der sich lange weigerte, mit Mueller zu kooperieren, um es dann schließlich unter wachsendem juristischen Druck doch zu tun und Trump schwer zu belasten.

Es spricht vieles dafür, dass es bei Manafort ähnlich sein könnte. Trump kann auf Twitter über eine angebliche "Hexenjagd" wettern, soviel er will - Mueller macht stoisch weiter und kommt dem Präsidenten mit seinen Ermittlungen immer näher.

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