Kommentar: Lewis Hamilton - Ikone auf und neben der Strecke | Kommentare | DW | 03.11.2019
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Formel 1

Kommentar: Lewis Hamilton - Ikone auf und neben der Strecke

Sechsmal Formel-1-Weltmeister - ein Titel fehlt Lewis Hamilton noch zum Schumacher-Rekord. Seine Strahlkraft reicht aber bereits in höhere und ganz andere Sphären als die von "Schumi", meint Andreas Sten-Ziemons.

Sechs Weltmeisterschaften in der Formel 1, das hat vor Lewis Hamilton nur einer geschafft: Michael Schumacher hält mit sieben Fahrertiteln den Rekord. Noch! Denn auch in der kommenden Saison wird die Vergabe der Weltmeisterschaft nur über Hamilton gehen. Und solange bei der Scuderia Ferrari ähnlich oft merkwürdige taktische Entscheidungen getroffen werden wie in diesem Jahr und die "Roten" wegen der ungeklärten Hierarchie-Frage dem eigenen Erfolg weiterhin selbst im Wege stehen, ist Hamilton der heißeste Anwärter auf den Titel.

Bester Fahrer, bestesTeam

Der Brite hat seinen sechsten WM-Sieg aber nicht von der strauchelnden Konkurrenz geschenkt bekommen, sondern hat ihn sich mit seinem herausragenden fahrerischen Können und der Fähigkeit, so gut wie keine Fehler auf der Strecke zu machen, auch selbst erarbeitet. Hinzu kommt ein Team - allen voran Mercedes-Sportchef Toto Wolff und Stratege James Vowles, das mit seinen cleveren Entscheidungen in einigen Rennen den Unterschied ausmachte. Außer Frage steht auch, dass die klare Konstellation bei den Silberpfeilen - Hamilton als Nummer eins, Valtteri Bottas als Nummer zwei - von Vorteil ist.

Andreas Sten-Ziemons

Andreas Sten-Ziemons

Während Sebastian Vettel seine letzte Chance auf einen Titel mit Ferrari in diesem Jahr verpasst zu haben scheint - Teamkollege Charles Leclerc wird nächste Saison noch stärker am Sockel des vierfachen Weltmeisters rütteln, ist Hamilton auf dem besten Weg, auch die letzten Bestmarken zu knacken, die noch von Michael Schumacher gehalten werden. Der siebte WM-Titel ist greifbar, mit 83 Grand-Prix-Siegen fehlen Hamilton nicht mehr viele zu Schumachers Rekord (91).

An Strahlkraft hat der 34-jährige Hamilton den deutschen Rekord-Weltmeister ohnehin längst überflügelt. Schumacher wollte am liebsten nur als Rennfahrer wahrgenommen werden. Glanz und Glamour abseits der Strecke brauchte er nicht. Das Rampenlicht hat der siebenfache Weltmeister nie gesucht. Wichtiger war ihm seine Privatsphäre, die sein Umfeld auch jetzt, in den Jahren nach seiner schweren Kopfverletzung, auf beeindruckende und respektable Art und Weise schützt.

"Mein Leben soll eine Bedeutung haben"

Hamilton ist ein ganz anderer Typ als Schumacher. Gerne nutzt er die sozialen Medien, hat dort Millionen Follower, die er nicht nur mit Schnappschüssen von Modenschauen, Filmpremieren und Kurzurlauben an exotischen Reisezielen unterhält. Er äußert sich gerne auch zu aktuellen Themen der Politik, twittert zu #BlackLivesMatter oder kritisiert US-Präsident Trump in Interviews wegen dessen Frauenfeindlichkeit. 

Kürzlich äußerte sich Hamilton zu einem Thema, dass für ihn auch zunehmend wichtiger zu werden scheint. "Es macht mich traurig, wenn ich darüber nachdenke, wo diese Welt hinsteuert. Die Welt ist ein kaputter Ort", schrieb er auf seinem Instagram-Account, dem 13,2 Millionen Menschen folgen. Hamilton prangerte Fleisch- und Milchindustrie an, Grausamkeiten gegen Tiere, Meere und Klima, das Waldsterben und das Versagen beim Artenschutz. Offenbar stört es ihn dabei gar nicht, dass er an der Spitze einer Sportart steht, die alles andere als umweltfreundlich ist. "Ich will, dass mein Leben eine Bedeutung hat", verkündete Hamilton weiter und meinte damit sicherlich nicht nur seine Bedeutung als Rennfahrer.

Andere Weltstars, zum Beispiel die Schauspieler Leonardo Di Caprio, George Clooney und Angelina Jolie, haben längst vorgemacht, wie man neben der eigentlichen Profession auch als "Anwalt" für Klima, Umwelt oder Menschenrechte Spuren hinterlässt und für Veränderungen sorgt. Lewis Hamilton kann in dieser Liga locker mitspielen.

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