Kommentar: Ein Bild, das uns alle berührt | Kommentare | DW | 03.09.2015
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Kommentare

Kommentar: Ein Bild, das uns alle berührt

Der kleine Syrer Aylan Kurdi - ertrunken bei der Überfahrt nach Europa. Kann man das Bild des toten Kindes am Strand zeigen? Oder muss man es sogar? Zur Entscheidung der DW Chefredakteur Alexander Kudascheff.

Dieses Bild ist ein entsetzliches Bild. Es zeigt den Schrecken der vergeblichen, der tödlichen Flucht aus dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Syrien. Es ist eine Momentaufnahme - wie sie täglich sich rund um das Mittelmeer abspielt.

Aber in diesem Bild ist der Horror des fürchterlichen Bürgerkriegs festgehalten. Es ist ein Bild, das berührt. Es ist ein Bild, das stumm macht vor schmerzhaftem Mitgefühl. Es ist ein Bild, das uns unsere Ohnmacht fühlen lässt. Es ist ein Bild, das nachdenklich macht. Und uns verstummen lässt. Es ist ein Bild, bei dem wir alle fühlen - es ist ein Bild des Jahres, vielleicht sogar des Jahrzehnts. Es steht für alles, was uns in diesen Monaten bewegt, berührt, zornig macht, empört. Und es ist ein schreckliches Bild.

Gute Gründe für eine Nicht-Veröffentlichung

Soll, darf, muss man es zeigen? Müssen wir, muss die Deutsche Welle es zeigen? Es gibt überzeugende, es gibt bedenkenswerte Gründe, es nicht zu zeigen. Da geht es um Pietät, um die Würde des Kindes, um berechtigte Zurückhaltung von uns Medien.

Alexander Kudascheff DW Chefredakteur Kommentar Bild

DW-Chefredakteur Alexander Kudascheff

Wir haben uns entschieden, es zu zeigen. Nicht aus Sensationslust, nicht um Klick-Zahlen zu erzielen, nicht um im Fernsehen unsere Reichweite zu steigern. Wir zeigen es, weil es uns alle berührt. Wir zeigen es, weil es der Flüchtlingstragödie ein Symbol gibt: das des unschuldigen Kindes, für das die Eltern sich auf einen lebensgefährlichen Weg gemacht haben, um ihm eine menschlich bessere Zukunft zu geben, die tödlich im Meer endete.

Dieses Bild rüttelt auf

Wir zeigen es, weil es auch uns aufgerüttelt hat und wir in der Redaktionskonferenz nachdenklich und stumm waren. Berührt vom Leid und vom Tod. Wir zeigen es, weil wir das Leid empfinden und - mitten in der Hektik unseres journalistischen Alltags - inne gehalten haben. Vor diesem Bild.

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