Kommentar: Daimler und China - Von Mimosen und Heuchlern | Kommentare | DW | 07.02.2018
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Standpunkt

Kommentar: Daimler und China - Von Mimosen und Heuchlern

Eine unbedarfte Werbung von Mercedes-Benz, die unverhältnismäßige Reaktion Chinas und der anschließende Bückling des deutschen Autobauers entlarven alle Akteure als extrem schwach, meint Rodion Ebbighausen.

"Skandal!" schreibt die Global Times, das englischsprachige Propagandablatt der Kommunistischen Partei Chinas. Der deutsche Autobauer Mercedes-Benz "hat sich das chinesische Volk zum Feind gemacht."

Wie das? Das deutsche Unternehmen hatte bei Instagram das Bild eines Mercedes am Strand gepostet und mit einem Zitat des Dalai Lama versehen: "Betrachte die Lage aus allen Richtungen, dann wirst Du offener sein."

Die Reaktionen werfen ein bezeichnendes Licht auf die Volksrepublik und den deutschen Autobauer. China entpuppt sich ein weiteres Mal als Mimose, der es an Selbstbewusstsein mangelt. Mercedes als Heuchler, der zwar gerne Weisheiten eines spirituellen Führers für Marketingzwecke nutzt, aber eigentlich doch nur an Umsatz und Gewinn interessiert ist.

China, das Sensibelchen

Obwohl Instagram von den chinesischen Zensurbehörden geblockt ist und die Masse des chinesischen Volkes von der Werbung wahrscheinlich bis zur Stunde nichts mitbekommen hat, sparte die Global Times in ihrer wütenden Reaktion nicht mit Superlativen. Was wohl passiere, wenn ein Unternehmen mit einem Zitat von Adolf Hitler werbe, fragt sie rhetorisch. Der Vergleich des Dalai Lamas mit Hitler ist so absurd, dass sich jeder weitere Kommentar erübrigt.

Ebbighausen Rodion Kommentarbild App

DW-Redakteur Rodion Ebbighausen vom Asien-Desk

Aber wie klein und schwach muss sich die Kommunistische Partei Chinas fühlen, wenn sie auf das harmlose Zitat unter Ausschluss des chinesischen Publikums so heftig reagiert? Offensichtlich traut China seiner eigenen Macht nicht viel zu und sendet zur Sicherheit unablässig die Botschaft: "Nicht mit uns!" Denn der Fall Mercedes ist ja kein Einzelfall. Immer wieder schießt die Volksrepublik mit Kanonen auf Spatzen. Zuletzt attackierte China die US-amerikanischen Hotelkette Marriott. Die hatte bei einer Umfrage im Internet Taiwan als Staat ausgewiesen. Ein aus chinesischer Sicht unerhörter Vorgang, handelt es sich doch nur um eine "abtrünnige Provinz". Auch Marriott knickte ein, wie jetzt der deutsche Autobauer im Fall Tibet. 

Es geht allein ums Geld

Mercedes-Benz hat die Werbung, offensichtlich ein Fehler einer unbedarften PR-Abteilung, sofort bereut. Das Posting wurde unmittelbar gelöscht. Und der Kotau folgte auf dem Fuße: Mercedes entschuldigte sich öffentlich, das Unternehmen habe die Gefühle der Chinesen verletzt und setzte hinzu, dass man "sofort" Maßnahmen ergreifen werde, "um das Verständnis der chinesischen Kultur und Werte zu vertiefen."

Aus der Sicht eines Unternehmens, das in erster Linie Geld verdienen will, ist die Reaktion verständlich: Rund 600.000 Autos hat Mercedes 2017 in China verkauft, was rund einem Viertel der Gesamtproduktion der Marke entspricht.

Doch die Frage muss erlaubt sein, ob die Tibeter nicht vielleicht auch Werte und Gefühle haben. Die Antwort aus Sicht von Mercedes ist jetzt bekannt: Tibeter haben vielleicht Gefühle, aber eben kein Geld.

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