König Charles wirbt in den USA für Zusammenhalt des Westens
29. April 2026
In einer Phase angespannter Beziehungen zwischen Großbritannien und den USA stellt der britische König Charles III. in seiner Rede vor dem US-Kongress die transatlantische Partnerschaft in den Mittelpunkt und verbindet historische Würdigungen mit politischen Appellen.
"Kein Land" könne die großen Herausforderungen der Gegenwart "alleine bewältigen", sagte Charles in seiner rund halbstündigen Ansprache vor beiden Kammern des Parlaments in Washington. Großbritannien und die Vereinigten Staaten dürften sich daher nicht "auf vergangenen Errungenschaften ausruhen".
Charles ruft zur Bewahrung der Demokratie auf
Im Zentrum der Rede stand ein klares Bekenntnis zu Demokratie und Zusammenhalt. Der König griff dabei indirekt bestehende Spannungen zwischen beiden Ländern auf, ohne sie offen zu benennen: "Welche Differenzen und Meinungsverschiedenheiten es auch zwischen uns geben mag, wir stehen zusammen in unserem Engagement für die Bewahrung der Demokratie."
Seine Worte zielten darauf ab, Brücken zu bauen, nachdem politische Differenzen zuletzt offen zutage getreten waren. Zugleich formulierte Charles eine persönliche Hoffnung: "Ich bete mit meinem ganzen Herzen dafür, dass unser Bündnis weiterhin unsere gemeinsamen Werte verteidigen wird."
Charles spricht sich für "gerechten Frieden" in der Ukraine aus
Ein Leitmotiv der Ansprache war die enge Verbindung zwischen Großbritannien und den USA. Charles bezeichnete sie als "besondere Beziehung", die sich zu einem der wichtigsten Bündnisse "in der Geschichte der Menschheit" entwickelt habe. Er betonte, dass beide Länder trotz Konflikten immer wieder Wege gefunden hätten, zusammenzukommen. Die Zusammenarbeit in Verteidigung, Nachrichtendiensten und Sicherheit werde "nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten gemessen".
Neben grundsätzlichen Aussagen nahm der König auch Bezug auf aktuelle Konflikte. Mit Blick auf den Ukraine-Krieg forderte er eine geschlossene Haltung des Westens. Für einen "wirklich gerechten und dauerhaften Frieden" sei eine "unbeugsame Entschlossenheit" notwendig. Zugleich warnte er vor neuen Bedrohungen, die verstärkte Verteidigungsanstrengungen erforderten, und verband moralische Argumente mit sicherheitspolitischen Forderungen.
Staatsbesuch ein diplomatischer Drahtseilakt
Die Ansprache fiel in eine Phase angespannter Beziehungen zwischen London und Washington. Insbesondere im Iran-Krieg gibt es Differenzen: Die britische Regierung unterstützt die USA und Israel nicht militärisch - ein Punkt, den US-Präsident Donald Trump wiederholt scharf kritisierte. Vor diesem Hintergrund wurde der Staatsbesuch als diplomatischer Drahtseilakt gewertet, bei dem der Rede besondere Bedeutung als Signal der Annäherung zukam.
Charles' Auftritt im Kongress war zudem historisch: Erstmals seit 1991 - damals sprach seine Mutter Elizabeth II. - richtete wieder ein britischer Monarch das Wort an das US-Parlament. Charles ist erst der zweite König, dem diese Ehre zuteilwurde.
Die Erwartungen an den Besuch waren entsprechend hoch, auch weil der König als überparteiliche Person gilt. In London, insbesondere im Umfeld von Premierminister Keir Starmer, wird gehofft, dass die Reise zur Entspannung der Beziehungen beiträgt.
"Zwei Könige"-Post löst Kritik aus
Schon zum Auftakt des Besuchs setzten Charles und Königin Camilla auf symbolische Zeichen der Verbundenheit. Camilla trug eine Brosche, die die Flaggen beider Länder eng miteinander verschlungen zeigte.
Für Aufsehen sorgte jedoch ein Beitrag des Weißen Hauses in sozialen Medien, der ein Foto von Präsident Trump und Charles mit der Bildunterschrift "Zwei Könige" versah. Kritiker verwiesen darauf, dass die USA nach einem Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Krone gegründet wurden und das Volk der Souverän sei.
US-Präsident Trump und Charles trinken gemeinsam Tee
Auch beim Empfang im Weißen Haus präsentierten sich beide Seiten demonstrativ harmonisch: Bei Sonnenschein tauschten sich Charles und Trump gut gelaunt aus, posierten gemeinsam mit First Lady Melania Trump und Königin Camilla für Fotos und nahmen an traditionellen Programmpunkten wie einer Teestunde und einer Gartenparty teil.
Trump hob dabei ebenfalls die enge Freundschaft hervor: Seit der Unabhängigkeit der USA "hatten die Amerikaner keine engeren Freunde als die Briten". Auch er sprach von der "besonderen Beziehung" und sagte: "Wir hoffen, dass das immer so bleiben wird."
Nach der Rede setzte das Königspaar seine Reise fort. In New York sind Treffen mit Rettungskräften und Angehörigen der Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 geplant, bevor es weiter in den südöstlichen US-Bundesstaat Virginia geht. Dort stehen Begegnungen mit Vertretern indigener Gemeinschaften auf dem Programm.
pgr/se (dpa, afp, rtr)