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Klopp besiegt seine alte Liebe

Thomas Klein14. April 2016

Der FC Liverpool steht im Halbfinale der Europa League. In einem denkwürdigen Spiel besiegt Trainer Jürgen Klopp seinen Ex-Verein Borussia Dortmund. Eine Partie, die an Spannung kaum zu überbieten sein dürfte.

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Bild: Reuters /C. Recine

"We trust in Klopp" - die Fans wussten, bei wem sie sich nach Spielende zu bedanken hatten. Jürgen Klopp, der Trainer des FC Liverpool, sorgte mit seinem Team für einen denkwürdigen Europapokalabend. Im Viertelfinal-Rückspiel gegen seinen Ex-Klub Borussia Dortmund feierten die Reds einen verrückten 4:3 (0:2)-Erfolg und zogen ins Halbfinale der Europa League ein. Dabei hatte es in den ersten Minuten ganz anders ausgesehen.

Die Elf von Trainer Thomas Tuchel begann stark und ging durch Henrikh Mkhitaryan (5. Minute) und Pierre-Emerick Aubameyang (9.) verdient in Führung. Den Anschlusstreffer für die Gastgeber erzielte Divock Origi (48.), doch Marco Reus stellte den alten Abstand wieder her (57.). Philippe Coutinho (66.) und Mamadou Sakho (78.) ließen mit ihren Treffern die Hoffnung auf ein Weiterkommen der Reds noch einmal aufkeimen, ehe Dejan Lovren dem Wahnsinn ein Ende setzte und in der Nachspielzeit noch das 4:3 erzielte (90.+1).

"Ich bin einfach nur stolz"

"Wir sind sehr leer. Es fühlt sich an, so wie es ist. Wir standen vor einem großen Ziel, vor einem Meilenstein. Wir haben es aber nicht geschafft. Wir müssen fair zugeben, dass wir nach dem 3:1 nicht mehr damit klargekommen sind, wie Liverpool mit großem Risiko gespielt hat", sagte Tuchel und Torschütze Reus haderte: "Das ist extrem bitter und schwer in Worte zu fassen. Wir haben gut angefangen und zwei Tore vorgelegt. Wir dürfen hier keine vier Tore in der zweiten Halbzeit kassieren. Wir müssen uns selbst hinterfragen, wie man so ein Spiel noch aus der Hand geben kann." Der deutsche Nationalspieler Emre Can war dagegen auf Liverpooler völlig aufgelöst. "So einen Abend erlebt man nicht oft. Ich bin einfach nur stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein. Fans, Trainer, Spieler - jeder von uns hat noch daran geglaubt."

Blitzstart des BVB

Die Partie war gerade fünf Minuten jung, da riss es die mitgereisten BVB-Anhänger von den Sitzschalen im Liverpooler Stadion. Mkhitaryan versenkte den Ball im Tor der Gastgeber. Torhüter Simon Mignolet hatte zuvor noch einen Versuch von Aubameyang abwehren können, war beim Nachschuss dann aber chancenlos. Der BVB machte weiter Druck und ließ die Elf von Trainer Jürgen Klopp gar nicht erst ins Spiel kommen. Nur wenig später klingelte es erneut im Tor des FC Liverpool. Dieses Mal beförderte Aubameyang das Spielgerät aus spitzem Winkel in Netz. Der Gabuner profitierte von der guten Vorbereitung durch Reus. Nach einer kurzen Schockphase fingen sich die Reds wieder und unternahmen erste zaghafte Angriffsversuche in Richtung BVB-Schlussmann Roman Weidenfeller. Zunächst versuchte Divock Origi sein Glück, danach scheiterte Alberto Moreno an seiner eigenen Technik.

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Der BVB legt einen Start nach Maß hin und geht verdient mit 2:0 in FührungBild: Getty Images/C.Brunskill

Borussia Dortmund überließ den Gastgebern nun immer mehr die Spielkontrolle, ehe Aubameyang nach einer halben Stunde nur wenige Zentimeter an einer Piszczek-Flanke vorbeirutschte. Beide Teams erlaubten sich so gut wie keine Verschnaufpause. Die Dortmunder zeigten sich aber weitaus sicherer in der Ballbehandlung und kamen immer wieder gefährlich vor das gegnerische Tor. In der 35. Minute war es erneut der starke Reus, der Aubameyang gut in Szene setzte. Aber auch Liverpool blieb gefährlich: Zunächst schoss Coutinho nur knapp am Tor vorbei, dann parierte Weidenfeller einen Kopfball von Origi. Kurz vor dem Pausenpfiff konnte Mignolet das 0:3 durch Shinji Kagawa mit einem guten Reflex gerade noch verhindern.

Origi macht den Anschlusstreffer

Es lief die 48. Minute, als die Geräuschkulisse im Stadion eine neue Dimension erreichte. Origi hatte das Spielgerät gerade im Tor von BVB-Keeper Roman Weidenfeller untergebracht. Nathaniel Clyne verpasste den 2:2-Ausgleich wenig später nur um Zentimeter. Der Unterhaltungswert der Partie blieb hoch, denn beide Teams gaben Vollgas. Nach einer knappen Stunde stapfte Klopp wutentbrannt wie in seinen besten Dortmunder Tagen durch seine Coachingzone - Reus hatte das 3:1 für Dortmund erzielt. Nach einem schönen Zuspiel von Mats Hummels ließ der Dortmunder Offensivkünstler Mignolet keine Abwehrmöglichkeit.

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Riesenjubel beim FC Liverpool. Die Elf von Jürgen klopp steht im Halbfinale der Europa LeagueBild: Getty Images/AFP/O. Scarff

Beide Mannschaften atmeten in der Folge kurz durch. Doch dann kam Coutinho und verkürzte auf 2:3. Was für ein Schlagabtausch, Wahnsinn! Origi hätte sogar fast den Ausgleich erzielt, drosch den Ball aber knapp neben das Tor. Besser machte es Sakho, der nach einer Ecke aus kurzer Distanz zum 3:3-Ausgleich traf - die berühmte Zuschauertribüne "The Kop" stand Kopf und peitschte ihre Spieler weiter nach vorne. Als sich das Spiel dem Ende näherte, sorgte Lovren für das wohl verrückteste Spielende der vergangenen Jahre. "Das war große Leidenschaft gegen einen bärenstarken Gegner", freute sich Jürgen Klopp. "Wir hatten das bessere Ende für uns. Das war europäischer Fußball at its best. Kaum zu glauben, dass das passiert."

Die weiteren Halbfinalisten

Nach dem FC Liverpool haben auch Leverkusen-Bezwinger FC Villarreal und der frühere UEFA-Cup-Sieger Schachtjor Donezk das Halbfinale der Europa League erreicht. Der FC Villarreal setzte sich nach dem 2:1 zu Hause auch bei Sparta Prag hochverdient mit 4:2 (3:0) durch. Donezk besiegte den SC Braga mit 4:0 (2:0). Die Ukrainer hatten auch das Hinspiel bereits mit 2:1 gewonnen. Auch Titelverteidiger FC Sevilla steht wieder im Halbfinale. Die Andalusier setzten sich gegen den spanischen Liga-Rivalen Athletic Bilbao aber erst mit 5:4 im Elfmeterschießen durch. Nach 90 Minuten und der Verlängerung hatte Bilbao mit dem 2:1 in Sevilla das Hinspiel-Ergebnis egalisiert.

Wenn Sie noch einmal in den Krimi in Liverpool eintauchen wollen, können Sie hier im Liveticker nachlesen: