Kirchliche Höchststrafe für Priester Karadima | Aktuell Amerika | DW | 28.09.2018
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Chile

Kirchliche Höchststrafe für Priester Karadima

Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Chile setzt der Vatikan ein Zeichen. Der Mann, der schon 2011 wegen sexueller Vergehen verurteilt worden war, ist kein Geistlicher mehr.

Chile | Fernando Karadima (picture-alliance/dpa/AP Photo/L. Hidalgo)

Fernando Karadima im November 2015 nach einer Aussage vor Gericht

Papst Franziskus hat den chilenischen Priester Fernando Karadima (88) in den Laienstand versetzt. Der Vatikan teilte mit, der Papst habe diese "außergewöhnliche Entscheidung im Bewusstsein für das Wohl der Kirche" getroffen. Das entsprechende Dekret sei bereits am Donnerstag in Kraft getreten. Am Freitag sei Karadima darüber informiert worden.

Die sogenannte Laisierung nach Kanon 331 des Kirchenrechts ist die höchste Strafe, die die katholische Kirche gegen einen Priester oder Bischof verhängen kann. Es sei notwendig gewesen, "das Übel an der Wurzel zu packen", sagte Vatikansprecher Greg Burke. Der Schritt sei ein weiterer in der harten Linie des Papstes gegen Missbrauch. "Karadimas schwerwiegende Straftaten haben in Chile außergewöhnlichen Schaden verursacht", so Burke.

"Hätte nie gedacht, dass ich diesen Tag erleben würde"

Eines der prominentesten chilenischen Missbrauchsopfer, Juan Carlos Cruz, dankte dem Papst in einer ersten Reaktion für dessen Entscheidung. "Der Pädophile Karadima aus dem Priesterstand entlassen. Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Tag jemals erleben würde. Er hat das Leben so vieler Menschen zerstört", schrieb der in Philadelphia lebende Cruz auf Twitter.

Italien Chilenische Missbrauchsopfer treffen Papst im Vatikan (picture-alliance/dpa/AP/D. Stinellis)

Juan Carlos Cruz (li.) mit anderen Missbrauchsopfern nach einem Gespräch mit dem Papst im Mai

Der als charismatisch geltende Karadima steht im Mittelpunkt einer großen Missbrauchskrise in der chilenischen Kirche. 2011 wurde er wegen sexueller Vergehen verurteilt. Aus seinem Kreis gingen mehrere Bischöfe hervor, darunter auch Juan Barros (62) von Osorno, den mehrere Opfer Karadimas der Mitwisserschaft beschuldigen. Nach Angaben der chilenischen Staatsanwaltschaft gibt es derzeit über 100 offene Missbrauchsfälle in den Reihen der katholischen Kirche. Dutzende Priester und auch Bischöfe sollen darin verwickelt sein.

Papst Franziskus hatte deshalb einen Sondergesandten nach Chile geschickt und die gesamte Chilenische Bischofskonferenz in den Vatikan beordert. Inzwischen nahm Franziskus neben dem Amtsverzicht von Barros sechs weitere Rücktrittsgesuche von Bischöfen an. Zuletzt wurden auch Anschuldigungen gegen die beiden Kardinäle Ricardo Ezzati (76) und Francisco Errazuriz (85) laut. Ihnen wird vorgeworfen, Missbrauchsfälle im Erzbistum Santiago vertuscht zu haben. Beide weisen dies zurück.

jj/hk (dpa, epd, kna)

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