Khashoggis Söhne wollen Vater beerdigen | Aktuell Nahost | DW | 05.11.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Saudi-Arabien

Khashoggis Söhne wollen Vater beerdigen

Was geschah mit der Leiche von Jamal Khashoggi? Seine Söhne haben die Hoffnung nicht aufgegeben, ihren Vater in Saudi-Arabien zu beerdigen. Nach türkischen Angaben wurde der Leichnam allerdings "zerstört".

Saudi Arabien - Sohn von vermisstem Journalisten Khashoggi bei König Salman (picture-alliance/dpa)

Salah Khashoggi hat sich Ende Oktober mit dem Kronprinzen Mohammed bin Salman getroffen

Salah und Abdullah Khashoggi sagten dem US-Sender CNN, sie wollen ihren Vater in Medina beerdigen, das für Muslime heilig ist. Der Leichnam müsse herausgegeben werden. Andernfalls sei es der Familie nicht möglich, zu trauern und mit der emotionalen Belastung umzugehen. Salah Khashoggi sagte, er habe bereits mit den Behörden in Saudi-Arabien gesprochen. König Salman habe zugesichert, die Verantwortlichen für die Tötung ihres Vaters zur Rechenschaft zu ziehen.

Er sagte in dem Interview weiter, er warte darauf, dass die Fakten ans Tageslicht kämen. Abdullah Khashoggi erklärte: "Was auch immer ihm zugestoßen ist, ich hoffe wirklich, dass es nicht schmerzhaft für ihn war oder zumindest schnell ging."

Leichnam bisher nicht gefunden

Bislang wurden die sterblichen Überreste von Jamal Khashoggi nicht gefunden. Nach Angaben der türkischen Ermittler wurde der Journalist erwürgt, nachdem er das saudische Konsulat in Istanbul betreten hatte. Danach sei seine Leiche zerstückelt und "zerstört" worden - wahrscheinlich durch Säure.

Türkei Journalist Jamal Khashoggi Protest (picture-alliance/AA/M. E. Yildirim)

Länder weltweit fordern von der saudischen Führung Aufklärung

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuletzt gesagt, der Mord sei von höchster Stelle der saudi-arabischen Führung angeordnet worden. Er glaube allerdings nicht, dass König Salman die Tötung angeordnet habe.

Nach Angaben aus türkischen Regierungskreisen schickte Saudi-Arabien neun Tage nach der Tötung Khashoggis ein "Vertuschungsteam" mit einem Chemiker und einem Toxikologen nach Istanbul. "Wir glauben, dass die beiden Personen für den alleinigen Zweck in die Türkei gekommen sind, die Beweise für den Mord an Jamal Khashoggi zu beseitigen, bevor der türkischen Polizei erlaubt wurde, den Ort zu durchsuchen", sagte ein Regierungsvertreter und bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Sabah". Das Vorgehen deute darauf hin, dass die Tötung "den obersten Vertretern Saudi-Arabiens" bekannt gewesen sei, hieß es weiter.

Die Führung in Riad hatte nach dem Verschwinden Khashoggis verschiedene Varianten präsentiert. Erst vor kurzem räumte das Königreich ein, dass der Regimekritiker in dem Konsulat getötet wurde. Klar ist bislang, dass Khashoggi am 2. Oktober das Konsulat betrat, um Papiere für seine bevorstehende Hochzeit abzuholen, und danach nicht wieder gesehen wurde. Am 15. Oktober durften türkische Ermittler erstmals das Gebäude durchsuchen.

Kritik im UN-Menschenrechtsrat

Der Fall war auch Thema einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf. Bei dem Treffen an diesem Montag ging es um eine Prüfung der Menschenrechtslage, wie sie für alle Länder regelmäßig vorgeschrieben ist. Der Termin stand schon vor der Ermordung Khashoggis fest. Der britische UN-Botschafter Julian Braithwaite zeigte sich "zutiefst besorgt über die sich verschlechternde Menschenrechtslage in Saudi-Arabien". Er hob dabei die Entrechtung der Frauen, die massenhafte Festnahme von Menschenrechtlern und den verbreiteten Einsatz der Todesstrafe hervor. "Am meisten beunruhigt aber der Mord an Jamal Khashoggi", so Braithwaite.

Während der US-Vertreter Mark Cassayre eine "umfassende, abschließende und transparente Untersuchung" zum Fall Khashoggi forderte, gingen Island und Costa Rica noch einen Schritt weiter: Sie verlangten eine internationale Prüfung.

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, hatte zuvor bereits angezweifelt, dass die saudische Untersuchung unabhängig ist. Auch sie forderte die Beteiligung internationaler Experten. Nichtregierungsorganisationen werfen dem Königreich unter anderem ein rigides Vorgehen gegen Kritiker vor. Zahlreiche Aktivisten wie der Blogger Raif Badawi sitzen in Haft.

Ba/jj/ml (apf, dpa, rtr)

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links