Khashoggi-Mordprozess beginnt in Istanbul | Aktuell Welt | DW | 03.07.2020
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Bluttat im Konsulat

Khashoggi-Mordprozess beginnt in Istanbul

Die türkische Justiz rollt die brutale Tötung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul auf. Die Angeklagten sind jedoch nicht dabei. In Saudi-Arabien wurden wegen der Tat mehrere Todesurteile verhängt.

Sicherheitsbeamte vor dem Gerichtsgebäude in Istanbul (Getty Images/AFP/O. Kose)

Sicherheitsbeamte vor dem Gerichtsgebäude in Istanbul

Rund anderthalb Jahre nach der Tötung des saudischen Journalisten und Regierungskritikers Jamal Khashoggi hat in Istanbul der Prozess gegen 20 Tatverdächtige begonnen. Bei einer Verurteilung drohen den Beschuldigten zwar lebenslange Haftstrafen. Doch keiner von ihnen befindet sich derzeit in der Türkei.

Die Anklage wirft den Verdächtigen vor, Khashoggi "unter Qualen" umgebracht zu haben. Zwei Hauptbeschuldigte hätten die 18 übrigen Beteiligten zum "vorsätzlichen Mord unter Folter" angestiftet, so die Staatsanwaltschaft. Es handelt sich um den früheren saudischen Vize-Geheimdienstchef Ahmed al-Assiri und den ehemaligen Berater von Kronprinz Mohammed bin Salman, Saud bin Abdullah al-Kahtani.

Papiere für die Hochzeit

Ein Sonderkommando aus Riad hatte Khashoggi im Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul brutal getötet, als er Papiere für seine geplante Hochzeit abholen wollte. Sein Leichnam wurde zerstückelt. Die Führung der Golfmonarchie hatte die Gewalttat nach wochenlangen Dementis zugegeben, aber eine Verwicklung des Kronprinzen bestritten. Es habe sich um einen "missglückten Einsatz" zu Khashoggis "Festnahme" gehandelt.

An einer Wand hängt ein Bild von Jamal Khashoggi, davor steht eine Polizistin (picture-alliance/AP Photo/L. Pitarakis)

"Vorsätzliche Tötung unter Qualen": Jamal Khashoggi (Archivbild)

UN-Sonderberichterstatterin Agnès Callamard war hingegen zu dem Schluss gelangt, es gebe glaubwürdige Hinweise auf eine persönliche Verantwortung bin-Salmans. Die türkische Staatsanwaltschaft zeigt sich überzeugt, dass von Anfang an geplant war, den Journalisten zu ermorden, sollte er nicht einwilligen, nach Saudi-Arabien gebracht zu werden. Zudem sei die Vertuschung der Gewalttat vorbereitet worden.

Zu Prozessbeginn war auch Khashoggis türkische Verlobte Hatice Cengiz im Gerichtssaal. "Ich werde alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen, um Jamals Mörder zur Rechenschaft zu ziehen", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Cengiz hofft nach eigenen Worten, dass das Verfahren auch Erkenntnisse darüber bringe, wo sich die bis heute verschwundenden sterblichen Überreste Khashoggis befinden.

Hatice Cengiz, die Verlobte von Jamal Khashoggi (Getty Images/AFP/S. Loeb)

Fordert Gerechtigkeit: Khashoggis Verlobte Hatice Cengiz (Archivbild)

Ein Gericht in Saudi-Arabien hatte im Dezember fünf Männer im Zusammenhang mit der Bluttat zum Tode verurteilt. Drei weitere Angeklagte erhielten teils hohe Haftstrafen. Ihre Namen wurden nicht öffentlich bekannt.

Khashoggis Sohn Salah veröffentlichte im Mai eine Erklärung auf Twitter, wonach er und sein Bruder den Tätern "vergeben und verzeihen". Nach Einschätzung von Experten entgehen die zum Tode Verurteilten dadurch ihrer Hinrichtung. Die dem Kronprinzen am nächsten stehenden Verdächtigen, al-Assiri und al-Kahtani, wurden in diesem Prozess entlastet.

jj/rb (dpa, afp)