Keine Verbesserung der Wirtschaftskrise in Simbabwe | Afrika | DW | 31.10.2018
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Ökonomie

Keine Verbesserung der Wirtschaftskrise in Simbabwe

Die Situation der Wirtschaft in Simbabwe ist äußerst ernst. Präsident Emmerson Mnangagwa hat versprochen, die Ökonomie "bald" zu stabilisieren. Aber nicht jeder ist so optimistisch.

Wirtschaftskrise in Simbabwe (picture alliance/AP Photo/T. Mukwazhi)

Leere Regale in der Hauptstadt Harare - das Land erlebte die größte Wirtschaftskrise seit zehn Jahren

Sowohl die Inflation als auch Preise steigen, es gibt Engpässe bei der Versorgung mit Benzin, Essen und Medikamenten und einen Mangel bei Auslandswährungen. Die Opposition verlangt nach einer Übergangsregierung, um der sich verschlechternden wirtschaftlichen und politischen Krise in Simbabwe Herr zu werden. Der Druck auf Präsident Emmerson Mnangagwa, schnell zu handeln, wächst.

Anfang der Woche traf sich Mnangagwa mit Vertretern der simbabwischen Wirtschaft. Der Präsident versicherte ihnen, dass er "Tag und Nacht" arbeite, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Die Zeichen deuten aber auf eine mögliche Wiederholung der massiven Krise hin, die das Land vor ungefähr zehn Jahren vereinnahmt hatte. Darunter fällt beispielsweise der plötzliche Anstieg des Industrieindexes an der Börse in Simbabwe im Oktober. Innerhalb weniger Tage verdoppelte er sich.

Pokern an der Börse

Nach Aussage von Tapiwa Bepe, Sprecherin der simbabwischen Börse, ist der Anstieg ein Resultat der tiefgreifenden Krise des Landes. "Die politische und wirtschaftliche Umgebung ist instabil. Die gestiegene Aktivität am Aktienmarkt geht darauf zurück, dass sich Investoren bei Realwerten in Position bringen und Bargeld und Bankguthaben veräußern", sagte Bepe der DW. Aus- und inländische Investoren würden glauben, dass Aktien mehr Sicherheit böten.

Wirtschaftskrise in Simbabwe (picture alliance/AP Photo/T. Mukwazhi)

Hamsterkäufe auch an der Tankstelle - das Benzin wird knapp

Aber Börsenmakler wie Itai Chirume sagen, es sei extrem schwierig geworden, Geld aus der Börse zu nehmen, das in elektronischen Bankguthaben gebunden ist.

Mnangagwa verspricht zu handeln

"Die Angst, Vermögen und Ersparnisse zu verlieren, wie es während des wirtschaftlichen Zusammenbruchs 2008 geschah, ist gegenwärtig vorhanden, aber unnötig", versucht Mnangagwa zu beschwichtigen. "Ich weiß ihre Bedenken und Ängste zu schätzen und verstehe sie", so der Präsident zu den Wirtschaftsvertreten.

Der 76-Jährige sagte auch, Simbabwe würde weiterhin am System mit mehreren Währungen festhalten, das das Land 2009 einführte. Damals setzte die Regierung den wertlos gewordenen Simbabwe-Dollar außer Kraft, später gab sie die Währung ganz auf.

Seitdem kann in Simbabwe auch mit harten ausländische Währungen bezahlt werden, hauptsächlich mit US-Dollar und südafrikanischen Rand. Weil das Land aber wenig exportiert und so kaum Devisen verdient, sind Dollar und Rand im normalen Geschäftsleben sehr knapp. 

Um den Mangel an Bargeld auszugleichen, führte die Regierung vor rund zwei Jahren die sogenannten Bond Notes ein. Das sind staatliche Schuldscheine, die ursprünglich zum Kurs 1:1 gegen US-Dollar getauscht werden konnten. Allerdings haben die Schuldscheine stark an Wert verloren, inzwischen liegt der Kurs bei 4:1. Die Bond Notes sind also eine Art Parallelwährung, die selbst unter Inflation leidet.

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Keine Dollar für Simbabwe (12.10.2018)

Viele in Simbabwe glauben, dass es Zeit ist, die Bond Notes abzuschaffen. "Wegen der Existenz der Bond Notes ist der US-Dollar kaum mehr im Umlauf", sagt der Ökonom John Robertson. Würden die Bond Notes abgeschafft, brächte das den US-Dollar zurück, was für die Wirtschaft gut sei, so Robertson der Deutschen Welle.

Einige Aspekte des Treffens mit Mnangagwa schmeckten den Wirtschaftsvertretern nicht. Sifelani Jabangwe, Präsident des Industrieverbandes "Confederation of Zimbabwe Industries", ärgerte sich über Mnangagwas Behauptung, Produzenten würden Vorräte horten, um den Preis in die Höhe zu treiben. "Wenn jemand seinen Bestand zurückhält, dann vermutlich deshalb, weil er versucht zu verstehen, in welche Richtung sich [die Wirtschaft] entwickelt", so Jabangwe zur DW. Außerdem seien vielen Unternehmen die Grundstoffe ausgegangen. "Die Panikkäufe betreffen nicht nur die Kunden, es hat auch die Industrie getroffen. Kürzlich gab es sogar Panikkäufe bei Autos."

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