Karneval von Aalst verliert Welterbe-Status | Aktuell Kultur | DW | 14.12.2019
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Streit um Satire

Karneval von Aalst verliert Welterbe-Status

Die UNESCO hat dem Karneval im belgischen Aalst wegen Antisemitismus-Vorwürfen den Status "Immaterielles Weltkulturerbe" entzogen. Die Aufforderung zu dem bislang noch nie dagewesenen Schritt kam von unerwarteter Seite.

Im Jahr 2010 hatte die UN-Kulturorganisation UNESCO den Straßenkarneval in der belgischen Stadt Aalst in die Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Jetzt verlor die Tradition diesen Status wieder, weil "in den vergangenen Jahren wiederholt Festwagen mit rassistischen und antisemitischen Darstellungen" an dem Straßenkarneval teilgenommen hätten, teilte die Deutsche UNESCO-Kommission in Bonn mit.

Die sei "weder mit den Grundprinzipien des Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes noch mit den in ihrer Charta niedergelegten Werten vereinbar", hieß es weiter. Die UN-Kulturorganisation stehe zu ihren Grundprinzipien der Würde, Gleichheit und des gegenseitigen Respekts und verurteile alle Formen von Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit.

Bitte kam von der Stadt selbst

Aktueller Anlass für die Kontroverse war ein Paradewagen beim Straßenumzug im März dieses Jahres: Dort wurden riesige, auf Geldsäcken sitzende Figuren mit Schläfenlocken und Hakennasen gezeigt, die judenfeindlichen Klischees entsprachen.

Der Motivwagen hatte Kritik der EU und jüdischer Organisationen ausgelöst. Damals hatte die Stadtverwaltung von Bürgermeister Christoph D'Haese erklärt, es gehöre zum "Ritual der Grenzüberschreitung" beim Aalster Karneval, dass über alles gelacht werden dürfe.

Zuletzt hatte die Stadt selbst darum gebeten, ihren Karneval von der Weltkulturerbeliste zu streichen. "Die Aalster Bürger haben die grotesken Anschuldigungen satt", zitierten belgische Medien Bürgermeister D'Haese. "Wir sind keine Antisemiten oder Rassisten." Gleichwohl werde Aalst aber "immer die Hauptstadt des Spotts und der Satire" sein.

Jüdische Zustimmung

Der Jüdische Welt-Kongress begrüßte die Entscheidung der UN-Kulturorganisation. "Im 21. Jahrhundert gibt es keinen Platz für diese Art hasserfüllter Symbolik", sagte Präsident Ronald S. Lauder.

Seit 2003 fördert die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt des immateriellen Kulturerbes. Der Zwischenstaatliche Ausschuss entscheidet jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen in die Listen.

Bisher sind 463 Formen des Immateriellen Kulturerbes auf der internationalen Repräsentativen Liste und 64 Elemente auf der Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Immateriellen Kulturerbes eingetragen. Zudem führt die UNESCO ein Register von aktuell 22 Beispielen guter Praxis zum Erhalt Immateriellen Kulturerbes.

In diesem Jahr beriet der Ausschuss in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá über die Aufnahme lebendiger Traditionen, Bräuche und Handwerkstechniken in die Listen.

mak/sti (epd, kna, dpa, afp)