Kölner Polizei: Möglicher Anschlag verhindert | Aktuell Deutschland | DW | 18.07.2019
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Terrorismusverdacht

Kölner Polizei: Möglicher Anschlag verhindert

Spezialeinheiten der Polizei durchsuchen in Düren und Köln Wohnungen von mutmaßlichen Islamisten und nehmen sechs Männer in Gewahrsam. Ein Verdächtiger soll zu einem Terroranschlag bereit gewesen sein.

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Durchsuchungen in Köln und Düren

Die Kölner Polizei hat nach eigener Einschätzung einen möglichen Terroranschlag vereitelt. "Wir hatten aktuell verdeckte Erkenntnisse, dass ein Anschlag unmittelbar bevorstehen könnte", sagte der Leitende Kriminaldirektor Klaus-Stephan Becker in Köln. Bei Razzien gegen mutmaßliche islamistische Gefährder hatten Beamte zuvor unter anderem mehrere Wohnungen in Köln und Düren durchsucht. Zur Gefahrenabwehr wurden zunächst insgesamt sechs Männer in Gewahrsam genommen. Ein Richter ordnete später für vier Verdächtige einen Langzeitgewahrsam an, der nach dem neuen Polizeigesetz in Nordrhein-Westfalen bis zu zwei Wochen dauern kann.

Bei den insgesamt sieben Durchsuchungen wurden zahlreiche Mobiltelefone und Festplatten beschlagnahmt. Konkrete Hinweise auf Anschlagsplanungen, einen Ort oder eine Zeit haben die Ermittler nach eigenen Angaben zunächst nicht.

Im Zentrum der Terrorermittlungen steht nach Angaben der Behörden ein 30-jähriger deutsch-libanesischer Konvertit. Der Mann sei seit vielen Jahren als Gefährder eingestuft und habe mehrere misslungene Versuche unternommen, in das Gebiet der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) auszureisen, teilten die Ermittler in Köln mit.

Deutschland Razzia gegen islamistische Gefährder in Düren (picture-alliance/dpa/H. Kaiser)

Polizeibeamte laden nach einer Hausdurchsuchung in Düren Kartons in ein Auto

Konspirative Gruppe 

Laut Polizei lebte der Mann vorwiegend in Berlin, wo er auch als sogenannter Vertretungsimam in der Fussilet-Moschee tätig gewesen sei, in der der Berlin-Attentäter Anis Amri verkehrte. Er gelte als Mitglied einer "sehr konspirativ agierenden multinationalen Gruppe", die "sehr eng" mit der Berliner Dschihadistenszene verbunden sei. Seine Frau und seine Kinder leben demnach weiterhin in der Hauptstadt.

Nach Angaben der Ermittler zog der Mann in die Wohnung eines zweiten Verdächtigen, der nun in Düren in Gewahrsam genommen wurde. Vor den Durchsuchungsmaßnahmen dort und in Köln habe es "verdeckte Erkenntnisse" auf einen möglicherweise geplanten Anschlag gegeben. Der Mann habe "davon gesprochen, den Aufstieg in die höchste Stufe des muslimischen Glaubens zu planen", was ein Synonym für einen Selbstmordanschlag sein könne.

Bei dem in Düren festgenommenen Man handelt es sich laut Ermittlern ebenfalls um einen deutschen Konvertiten. Der Mann, der seit einem Jahr als Gefährder gilt, denke sehr radikal und würde im Zweifelsfall wohl auch handeln . Verbal habe er eine "sehr hohe Gewaltbereitschaft bekundet". Zudem habe er einen Treueeid auf den IS geleistet, Ausreiseversuche unternommen und eine "beachtliche Affinität zu Waffen".

Deutschland - Razzia gegen islamistische Gefährder in Köln (picture.alliance/dpa/O. Berg)

Ein Polizist führ einen Sprengstoffhund zu einem verdächtigen Haus in Köln

Sprengstoffhund schlägt an

Bei der Durchsuchung eines ehemaligen Geschäftshauses in der Kölner Innenstadt, das zurzeit saniert wird, schlug ein Sprengstoffspürhund an. Daraufhin seien Spezialisten des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts zu weiteren Untersuchungen in das Haus geschickt worden, sagte eine Polizeisprecherin vor Ort. Ob sich dort Sprengstoff befindet, ist unklar.

kle/sti (afp, dpa, ard)

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