Darum ist der Johnson & Johnson-Impfstoff so begehrt | Wissen & Umwelt | DW | 05.02.2021
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In der EU zugelassen

Darum ist der Johnson & Johnson-Impfstoff so begehrt

Der jetzt auch in der EU zugelassene Impfstoff von Johnson & Johnson ist sehr effektiv und leicht zu lagern. Aber es gibt Zweifel an einer schnellen Lieferung des US-Herstellers an die EU.

Nachdem die US-Arzneimittelbehörde FDA bereits Ende Februar den SARS-CoV-2-Impfstoff der Firma Johnson & Johnson zugelassen hat, erfolgte jetzt auch die Zulassung durch die EU-Arzneimittelbehörde EMA.

Der J&J-Impfstoff ist sehr begehrt, denn er ist offenbar auch bei Mutationen wirksam, er wirkt nachweislich auch bei älteren Menschen, er muss nur einmal verimpft werden und er lässt sich einfach lagern und transportieren. 

Coronavirus | Impfstoff von Johnson

Der Impfstoff von Johnson & Johnson hat einige Vorteile gegenüber anderen Impfstoffen

Lassen Sie sich dabei nicht von den Zahlen verwirren: Die ausgewerteten Daten der Phase-III-Studie deuten darauf hin, dass der J&J-Impfstoff das Risiko einer mittelschweren bis schweren COVID-19-Erkrankung vier Wochen nach der Impfung um 66 Prozent reduziert.

Dass dieser Wert niedriger als bei den zuvor zugelassenen Impfstoffen liegt, hat vermutlich auch mit den neuen Virusmutationen zu tun, die bei deren Studien im vergangenen Spätsommer noch nicht aufgetreten waren. 

Das neue Vakzin hat in weiteren klinischen Studien auch vor der brasilianischen und der südafrikanischen Variante geschützt. In Großbritannien wurde der Impfstoff von Johnson & Johnson nicht eingesetzt. Die Schutzwirkung gegen die britische Variante B.1.1.7. ist deshalb unklar. 

Klare Vorteile

Da der J&J-Impfstoff nur einmal gespritzt werden muss, könnten mehr Menschen deutlich schneller einen Impfschutz erhalten. Gleichwohl sollen weitere Tests klären, ob sich die Wirksamkeit durch zwei zeitlich versetze Impfdosen wie bei den Mitbewerbern noch steigern ließe. 

Außerdem kann der J&J-Impfstoff bei Kühlschranktemperatur transportiert und gelagert werden, weil es sich im Gegensatz zu den Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und von Moderna  um einen Vektorimpfstoff handelt, der auf einem normalen Erkältungsvirus basiert. Vom Design her ähnelt die J&J-Vakzine dem AstraZeneca-Impfstoff.  Beide konzentrieren sich auf das Spike-Protein auf der Oberfläche des Virus, das die schützende Immunantwort auslöst.  

Erfreulicherweise zeigte sich in der Phase-III-Studie, an der 44.000 Menschen in den USA, Brasilien und Südafrika teilnahmen, dass der Impfstoff auch bei älteren Menschen genauso gut wirkt wie bei Jüngeren - das war ja bei der AstraZeneca-Vakzine angezweifelt worden. Ein Drittel der J&J-Impfstudienteilnehmer war älter als 60 Jahre.

Vor allem aber ist keiner der J&J-Geimpften gestorben oder musste ins Krankenhaus eingeliefert werden - das sind ermutigende Signale. 

Kritik der katholischen Kirche

Moralische Bedenken gegen den Einsatz der Vakzine kommt von der katholischen Kirche: Die US-Bischofskonferenz hat die Katholiken aufgefordert, bei der Wahl eines Corona-Impfstoffs nach Möglichkeit auf das Produkt des Pharmaherstellers Johnson&Johnson zu verzichten. Bei der Entwicklung und Produktion des Impfstoffs seien Zelllinien aus abgetriebenem fötalem Gewebe verwendet worden. Schon im Dezember hatten sich die US-Bischöfe ähnlich zum AstraZeneca-Impfstoff geäußert.

Johnson & Johnson Impfstoff

Wie viel Impfstoff von Johnson & Johnson wird wann bei der EU ankommen?

Bis zu 200 Millionen Impfdosen für EU

Ursprünglich wollte Johnson & Johnson in diesem Jahr eine Milliarde Impf-Dosen bereitstellen. Produziert wird in den USA, Europa, Südafrika und Indien.

Die USA haben sich für eine Milliarde Dollar 100 Millionen Dosen gesichert, die J&J in der ersten Jahreshälfte ausliefern will. Zudem haben die USA eine Option auf weitere 200 Millionen Dosen.

Die EU-Kommission hatte 200 Millionen Dosen des Mittels vorbestellt, 55 davon sollen noch im zweiten Quartal dieses Jah­res geliefert werden.

Mittlerweile gibt nach Angaben des Gesundheitsexperten der konservativen EVP, Peter Liese, allerdings Zweifel, ob der US-Hersteller die vereinbarten Mengen schnell an EU liefern wird.

Angesprochen auf mögliche Lieferengpässe räumte auch EU-Industriekommissar Thierry Breton allgemein Schwierigkeiten beim Hochfahren der Produktion der verschiedenen Hersteller ein. Zu Johnson & Johnson wollte er sich allerdings nicht weiter äußern. “Offiziell werde ich nach dem grünen Licht der EMA in Kontakt mit Johnson & Johnson treten“, so Breton.

Der Artikel wurde zuletzt am 11. März aktualisiert

 

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