Joe Biden in der Corona-Krise: ″Es gibt ihn noch!″ | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 25.04.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Wahlkampf in Coronazeiten

Joe Biden in der Corona-Krise: "Es gibt ihn noch!"

Das Coronavirus bestimmt die Nachrichten in den USA, Präsident Trump ist im TV dauerpräsent. Für Joe Biden ist es da manchmal schwer durchzudringen - aber das kann er zu seinem Vorteil nutzen.

In der Corona-Krise bekommen die US-Amerikaner ihren Präsidenten jeden Tag live im Fernsehen zu sehen. Das Corona-Briefing von Donald Trump wird allabendlich auf CNN oder anderen Nachrichtensendern übertragen. Trump spricht hauptsächlich davon, was für ein großartiger Krisenmanager er ist - die Pressekonferenzen sind für ihn quasi eine tägliche Wahlkampfmöglichkeit.

"Die Corona-Krise ist wie eine Naturkatastrophe: Der Amtsinhaber profitiert", sagt J. Miles Coleman vom Center for Politics an der University of Virginia. Regierungschefs könnten sich in Aktion zeigen, während so gut wie alle anderen politischen Themen in den Hintergrund treten. "Trump ist sehr viel präsenter in den Nachrichten."

Weniger präsent in den Nachrichten ist Joe Biden, der demokratische Präsidentschaftskandidat. Das Vorwahlrennen hat er gewonnen; seit dem Rückzug von Bernie Sanders am 8. April ist klar, dass Biden im November gegen Trump antreten wird. Diese Nachricht sorgte zwar für Aufsehen, aber die Pauken und Trompeten waren doch erheblich leiser, als sie es ohne Coronavirus-Notstand gewesen wären.

USA Biden und Sanders ARCHIV (picture-alliance/dpa/E. Vucci)

Erst Konkurrenten - jetzt Verbündete: Joe Biden (li) und Bernie Sanders

Wähler: Biden wäre der besserer Krisenmanager

Der demokratische Präsidentschaftsanwärter ist also gegenüber dem Amtsinhaber - was die TV-Sichtbarkeit angeht - gerade klar im Nachteil. Dafür hat Biden seit kurzem einen eigenen Podcast. Bei "Here's the deal" spricht Joe Biden einmal die Woche mit einer Person aus dem öffentlichen Leben. Das Thema ist häufig, aber nicht immer, COVID-19. Zuletzt sprach er mit seiner früheren Konkurrentin im Rennen ums Weiße Haus, Senatorin Amy Klobuchar, über die Pandemie. Davor waren unter anderem ein Geistlicher und die Gouverneurin von Michigan zu Gast.

Will Leitch schreibt für die Website des New York Magazine, Bidens Podcast sei mehr so etwas wie ein wöchentliches Lebenszeichen von Biden. "Es gibt ihn noch, versprochen!" so Leitch mit einem Augenzwinkern.

Die Wähler können diese Erinnerung gut gebrauchen. In einer Umfrage im Auftrag von NBC News und dem Wall Street Journal sagten 42 Prozent der Befragten, sie hätten noch keine Äußerungen von Biden zur Corona-Krise gehört, oder sie hätten keine Meinung über seine Reaktion auf die Krise. Enthusiastische Unterstützung sieht anders aus.

USA Corona-Pandemie | USNS Comfort (Reuters/U.S. Navy/S. Eshleman)

Bemerkt Biden die Krise - fragen sich manche Amerikaner

Aber es gibt auch einen Lichtblick für den demokratischen Kandidaten. Auf die Frage, wer besser auf die Corona-Krise reagieren könnte, nannten 45 Prozent der Befragten Biden. Nur 36 Prozent sprachen sich für Präsident Trump aus. Für die Umfrage wurden vom 13. bis 15. April 900 demokratische, republikanische und unabhängige Wähler befragt.  

Rund eine Woche später fiel Joe Biden dann zum ersten Mal in der Debatte um COVID-19 auf. Trump sorgte für Aufsehen, da er anregte, eine Behandlung von Coronavirus-Patienten mit Lichtbestrahlung oder sogar der Injektion von Desinfektionsmitteln zu prüfen. Er bezog sich dabei auf Erkenntnisse, dass Sonnenlicht und Desinfektionsmittel Viren töten können - wohlgemerkt auf Oberflächen oder in der Luft, nicht im menschlichen Körper. Mediziner warnten umgehend eindringlich davor, sich Desinfektionsmittel zu spritzen oder zu schlucken.

Und auch Joe Biden reagierte schlagfertig: "Ich kann nicht glauben, dass ich das sagen muss, aber bitte trinkt kein Bleichmittel", schrieb der frühere Vizepräsident auf Twitter.

Vorwahlen für Biden immer noch spannend

Allgemein sieht es für Biden laut Umfragen gut aus. 49 Prozent der Wähler sagten, sie würden für Biden stimmen, 42 Prozent würden Trump wählen. Mit Blick auf diese Führung sei es nicht allzu schlimm, dass Biden aktuell nicht im Zentrum des Medieninteresses steht, sagte Coleman der DW. "Biden ist nicht der perfekte Kandidat", der bei allen Begeisterung auslöse, so der Politikwissenschaftler. "Da ist es besser, dass es gerade ruhig um ihn ist - er liegt ja in Führung. Das ist wie mit einer Mannschaft, die dabei ist, zu gewinnen und deswegen auf Zeit spielt."

Die Wahl im November ist zwar noch ein bisschen hin, aber vorher finden noch einige Vorwahlen statt. Am Dienstag stimmen die Menschen in Ohio ab, und der 2. Juni ist praktisch ein weiterer Super Tuesday, mit Primaries in Delaware, Indiana, Maryland, Montana, New Mexico, Pennsylvania, Rhode Island, South Dakota und Washington, DC.

Biden steht als Kandidat zwar schon fest. Trotzdem kann es nochmal spannend für ihn werden. "Bernie Sanders steht weiterhin auf den Wahlzetteln", erklärt Coleman. "Für Biden geht es darum, wie viele Proteststimmen es gegen ihn geben wird." Sollte eine nicht unerhebliche Anzahl der Wähler für Sanders stimmen, wird Joe Biden sicherlich dankbar dafür sein, dass das Coronavirus so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Die Redaktion empfiehlt

Anzeige