Jeder dritte Gen‑Z‑Mann fordert Gehorsam von Frauen
5. März 2026
Ob Tradwives auf TikTok oder Influencer wie den rechtsgerichteten Andrew Tate, gegen den wegen Vergewaltigung und Missbrauchs von Frauen ermittelt wird - in den sozialen Netzwerken erleben traditionelle Rollenbilder derzeit ein Revival.
Eine neue globale Studie bestätigt diesen Trend - und zeigt zugleich Ergebnisse, die viele auch überraschen dürften: Fast ein Drittel der Männer aus der Generation Z, geboren zwischen 1997 und 2012, findet, dass eine Ehefrau ihrem Ehemann "immer gehorchen" sollte.
Für die Umfrage von Ipsos und dem Global Institute for Women’s Leadership am King’s College London fragten die Forschenden die Ansichten von mehr als 23.000 Menschen in 29 Ländern ab - darunter Großbritannien, die USA, Brasilien, Australien und Indien.
Zum Internationalen Frauentag 2026 veröffentlicht, zeigt die Umfrage: Gen‑Z‑Männer vertreten unter allen Altersgruppen die traditionellsten Vorstellungen. Während 31 Prozent von ihnen Gehorsamspflichten befürworten, tun dies nur 13 Prozent der Babyboomer-Männer (geboren zwischen 1946 und 1964). Auch bei der Entscheidungsgewalt in Beziehungen zeigt sich das Muster: Ein Drittel der jungen Männer findet, der Mann sollte das letzte Wort haben - deutlich mehr als in älteren Generationen.
"Digitale Ökosysteme verstärken die Polarisierung, weil Social-Media-Algorithmen zugespitzte Botschaften belohnen", sagt Robert Grimm, Leiter der Politikforschung bei Ipsos in Deutschland. Von Männlichkeits‑Influencern bis feministischen Gegenbewegungen würden extreme Positionen besonders sichtbar. Junge Männer hätten häufiger ein Problem damit, wenn Frauen sehr unabhängig auftreten oder mehr verdienen.
Ein Generationenkonflikt innerhalb der Generation
Frauen sehen viele Fragen anders: Nur 18 Prozent der Gen-Z‑Frauen unterstützen die Aussage, eine Ehefrau solle gehorchen. Bei Babyboomer-Frauen sind es sechs Prozent. Die Studie zeigt damit: Der Generationenkonflikt verläuft nicht einfach zwischen Alt und Jung, sondern innerhalb der Gen Z, insbesondere zwischen Männern und Frauen.
Kelly Beaver, CEO von Ipsos UK und Irland, beschreibt diese Spannungen so: "Die Gen Z ist die Gruppe, die am ehesten der Aussage zustimmt, dass Frauen mit einer erfolgreichen Karriere attraktiver sind - gleichzeitig sind sie aber auch am ehesten der Meinung, dass eine Frau ihrem Mann gehorchen und nicht zu unabhängig wirken sollte." Das Zusammenspiel aus Moderne und Tradition ziehe sich durch viele Ergebnisse.
Auch beim Thema Sexualität zeigt sich ein Bruch: 21 Prozent der Gen‑Z‑Männer sind der Ansicht, eine "echte Frau" solle niemals den ersten Schritt machen. Unter Babyboomern sind es sieben Prozent, unter Gen‑Z‑Frauen zwölf Prozent.
Hinzu kommt ein deutlich spürbarer Männlichkeitsdruck. Drei von zehn jungen Männern finden, man solle seinen Freunden nicht "Ich liebe dich" sagen. 43 Prozent glauben, man müsse körperlich hart wirken. Und 21 Prozent halten Männer, die sich an Kinderbetreuung beteiligen, für "weniger männlich" - ein Wert, der bei Babyboomern bei acht Prozent liegt.
Persönliche Meinung und gesellschaftliche Wahrnehmung
Für Heejung Chung, Direktorin des Global Institute for Women’s Leadership am Kings College London, sind die Ergebnisse besorgniserregend: "Noch beunruhigender ist, dass viele Menschen sich offenbar von gesellschaftlichen Erwartungen unter Druck gesetzt fühlen, die gar nicht widerspiegeln, was die meisten von uns wirklich glauben." Besonders junge Männer überschätzten, wie traditionell ihre Gesellschaft denke.
Die Daten zeigen eine strukturelle Wahrnehmungslücke: Nur 17 Prozent finden persönlich, dass Frauen für Care‑Arbeit zuständig sein sollten - aber 35 Prozent glauben, die Gesellschaft erwarte das. Ähnlich beim Geldverdienen: Viele schreiben anderen traditionelle Einstellungen zu, die sie selbst nicht haben.
Julia Gillard, Vorsitzende des Global Institute for Women’s Leadership, warnt davor, diese Trends zu unterschätzen. "Viele Gen-Z‑Männer setzen Frauen einschränkende Erwartungen entgegen, und gleichzeitig verstricken sie sich selbst in restriktiven Männlichkeitsnormen."
Eine Generation im Spannungsfeld
Zugleich glauben 61 Prozent der jungen Männer, es sei bereits genug für Gleichstellung getan; 57 Prozent meinen sogar, Männer würden heute diskriminiert.
Gillard betont, wie wichtig es sei, das Nullsummen-Narrativ aufzubrechen: Gleichstellung nütze allen. "Wir müssen sicherstellen, dass alle auf den Weg zur Gleichstellung der Geschlechter mitgenommen werden und klar verstehen, warum dies für die gesamte Gesellschaft von Vorteil ist", sagt sie.
Die Studie macht deutlich: Die Gen Z befindet sich mitten in einer Neuverhandlung von Geschlechterrollen. Junge Menschen drücken einerseits das Bedürfnis nach Freiheit, Vielfalt und moderner Gleichberechtigung aus - und halten andererseits an überraschend traditionellen Vorstellungen fest.
Doch "als Gesellschaft müssen wir dem Druck widerstehen, Rückschritte zu machen, und das Tempo des Wandels beschleunigen", sagt Julia Gillard. Gute Forschung sei entscheidend für eine fundierte Debatte und Fortschritte.