IWF warnt vor Inflation und Impfstoffmangel | Wirtschaft | DW | 27.07.2021
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Weltkonjunktur

IWF warnt vor Inflation und Impfstoffmangel

Der Internationale Währungsfonds warnt wegen des Mangels an Impfstoffen in vielen Ländern vor einer Spaltung der Weltwirtschaft. Angesichts steigender Inflationsgefahr seien auch die Zentralbanken gefordert.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat wegen der COVID-Pandemie seine Konjunkturprognose aktualisiert. "Die Pandemie hat sich seit dem letzten Weltkonjunkturausblick 2021 in einigen Weltgegenden verschlimmert", teilten die Ökonomen am Dienstag in Washington mit, die die Gefahr einer Spaltung der Weltwirtschaft befürchten.

"In anderen Teilen der Welt haben schnelle Impfkampagnen die Zahl der Infektionen verringert"; ergänzte IWF in seinem Konjunkturausblick. "Die verschiedenen Volkswirtschaften driften immer weiter auseinander, beeinflusst durch Unterschiede beim Impftempo und der jeweiligen Seuchenpolitik. Allerdings ist auch in den Ländern, in denen die Seuchenlage unter Kontrolle zu sein scheint, eine dauerhafte Erholung nicht gesichert."

Geldpolitik mit Augenmaß

Wegen der Corona-Rezession hatten Notenbanken wie die EZB im vergangenen Jahr weltweit ihre Geldpolitik weiter gelockert, etwa durch den milliardenschweren Kauf von Wertpapieren. Damit wird Geld in die Wirtschaft gepumpt, was Investitionen und Konsum anregen und der Konjunktur aus dem Corona-Tal helfen soll.

Billiges Geld kann aber auch die Inflation anheizen. In den USA etwa liegt die Inflationsrate schon bei mehr als fünf Prozent. Allerdings ist dies auch dem Umstand geschuldet, dass ein Jahr zuvor die Preise in vielen Bereichen wegen der weltweiten Corona-Rezession gefallen waren. Die EZB will auf absehbare Zeit der pandemiegeschwächten Wirtschaft mit einer sehr expansiven Geldpolitik unter die Arme greifen, wie ihre Präsidentin und frühere IWF-Chefin Christine Lagarde jüngst bekräftigte.

Das globale Inflationsgespenst

Der IWF erwartet weltweit kräftiger steigende Verbraucherpreise, warnt die Notenbanken aber vor einer raschen Abkehr von der Politik des billigen Geldes. "Die Zentralbanken sollten generell über vorübergehenden Inflationsdruck hinwegsehen und eine Straffung vermeiden, bis mehr Klarheit über die zugrundeliegende Preisdynamik besteht", riet der Fonds. Das müsse von den Währungshütern gut erklärt werden, damit sich Inflationserwartungen nicht verfestigten.

Die Preise dürften in diesem Jahr in den Industriestaaten um durchschnittlich 2,4 Prozent zulegen, heißt es in der  Konjunkturprognose .Im April war er nur von 1,6 Prozent ausgegangen. Für 2022 wurde die Prognose von 1,7 auf 2,1 Prozent erhöht. Auch für die Entwicklungs- und Schwellenländer wird eine höhere Inflation erwartet.

Positive Signale für die Weltkonjunktur

Die Erholung der Weltwirtschaft von der Corona-Krise werde sich aber dank eines starken Wachstums in den Industrieländern fortsetzen und wird 2022 weiter an Fahrt gewinnen. Die globale Wirtschaft soll in diesem Jahr weiterhin um sechs Prozent wachsen. Für kommendes Jahr erwartet der IWF ein globales Wachstum von 4,9 Prozent, eine Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte gegenüber der vorigen Prognose vom April. Im Pandemiejahr 2020 war die Weltwirtschaft noch um 3,2 Prozent eingebrochen.

Reiche Länder mit guten Impfkampagnen werden die Corona-Krise in diesem Jahr wirtschaftlich besonders gut überwinden, während das Wachstum der Schwellen- und Entwicklungsländer geringer ausfallen wird, so der IWF. Die Konjunkturaussichten vieler Staaten hingen inzwischen von deren Zugang zu Corona-Impfstoffen ab. Zudem könnten ärmere Länder Arbeitsmarkt und Konjunktur kaum stützen.

Gute Prognose auch für Deutschland

Die große Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft bleiben die USA. Die weltgrößte Volkswirtschaft soll in diesem Jahr um starke sieben Prozent wachsen. Die Prognose für nächstes Jahr hob der IWF ebenfalls an, um ganze 1,4 Prozentpunkte auf nunmehr 4,9 Prozent. Für die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft China senkte der Fonds seine Prognose für dieses Jahr von 8,4 auf 8,1 Prozent, hob sie aber für 2022 von 5,6 auf 5,7 Prozent an.

Für die Eurozone sieht der IWF ebenfalls ein stärkeres Wachstum: In diesem Jahr soll die Wirtschaft des Währungsraums um 4,6 Prozent wachsen, 0,2 Prozentpunkte mehr als im April angenommen. Für 2022 soll das Wachstum 4,3 Prozent betragen (plus 0,5 Prozentpunkte). In Deutschland soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2021 weiter um 3,6 Prozent zulegen. Für nächstes Jahr geht der IWF nun von einem starken Wachstum von 4,1 Prozent aus (plus 0,7 Prozentpunkte).

dk/hb (dpa, rtr, IWF)

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