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Fall Domenico: Junge stirbt nach Herztransplantation

21. Februar 2026

Er war erst zwei Jahre alt und sollte durch ein neues Herz ein neues Leben bekommen. Doch es gab Pannen bei der Transplantation. Jetzt ist der kleine Domenico gestorben. Italien trauert.

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Italien Neapel 2026 | Blumen und ein Teddy liegen zum Gedenken an den verstorbenen Domenico an einem Betonpfeiler vor dem Monaldi-Krankenhaus; eine Frau legt einen weiteren Strauß hinzu (21.02.2026)
Trauerbekundungen vor der Monaldi-Klinik Bild: Salvatore La Porta/REUTERS

Am Schicksal des kleinen Domenico nahmen Menschen weit über Italien hinaus Anteil. Der Zweijährige hatte einen schweren angeborenen Herzfehler. Eine Transplantation sollte ihn retten: Doch das Ersatzorgan wurde falsch transportiert. Nun hat das Drama das befürchtete Ende genommen: Domenico ist tot.

Er starb nach Angaben seiner Familie am Samstagmorgen in der Monaldi-Klinik in Neapel. Dort lag er auf der Intensivstation. Das Krankenhaus teilte mit, Domenico sei "infolge einer plötzlichen und irreversiblen Verschlechterung seines klinischen Zustands" gestorben.

Der Fall sorgt in Italien seit Wochen für Schlagzeilen - auch, weil offensichtlich eklatante Fehler bei dem Eingriff gemacht wurden. Für den Jungen war kurz vor Weihnachten nach langem Warten endlich ein Spenderherz gefunden worden. Beim Transport wurde es jedoch falsch gekühlt und dadurch schwer beschädigt.

Ärzteteam: Erneute Operation zwecklos

Der Junge lag zuletzt fast zwei Monate im Krankenhaus, die meiste Zeit im Koma. Dort war er an ein sogenanntes ECMO-Gerät angeschlossen, eine Art künstliche Lunge und künstliches Herz. Seither hoffte man, baldmöglichst ein weiteres Spenderherz zu finden - was aber nicht gelang.

Italien Neapel 2026 | Ein Polizeifahrzeug hält vor der Einfahrt der Monaldi-Klinik (21.02.2026)
Monaldi-Klinik in NeapelBild: Napolipress/ipa-agency/picture alliance

Schließlich kam das Ärzteteam am vergangenen Mittwoch zu der Einschätzung, dass eine nochmalige Operation keinen Sinn mehr habe - auch, weil andere Organe wie die Nieren inzwischen nicht mehr richtig funktionierten. Daraufhin wurde Domenicos Name von der Warteliste für Spenderherzen genommen.

Zu stark gekühlt

Wegen Domenicos Herzfehler war klar, dass der Junge ein Ersatzorgan braucht. Das stand im Dezember zur Verfügung: In Südtirol war ein anderer Junge ertrunken. Der war vier Jahre alt und hatte die gleiche Blutgruppe wie Domenico.

Doch das Herz des toten Jungen wurde beim Transport von Bozen nach Neapel nicht richtig überwacht und nahm dabei erheblichen Schaden. Denn das Spenderorgan wurde nicht wie üblich in herkömmlichem Eis gekühlt, sondern kam mit deutlich kälterem Trockeneis in Kontakt. Das bedeutet: etwa 80 Grad minus statt der üblichen Kälte von 4 Grad plus. Dadurch sei das Herz "buchstäblich erfroren", heißt es.

Weil die Ärzte in Neapel dem Jungen jedoch das eigene Herz schon entnommen hatten, wurde das irreparabel beschädigte Organ trotzdem eingepflanzt. Am Leben hielt Domenico das ECMO-Gerät, was aber nur für eine begrenzte Zeit gelingen kann. Die Abkürzung steht für "Extrakorporale Membranoxygenierung".

Aus Sicht anderer Ärzte wurde damit ein weiterer Fehler gemacht. Mit einem sogenannten "Berliner Herz" kann man deutlich länger überleben. Das ist eine Art Pumpe, die das Blut aus dem kaputten Herzen durch den Körper pumpt, bis ein Ersatzorgan gefunden ist.

Inzwischen ermitteln verschiedene Staatsanwaltschaften gegen sechs Ärzte und Sanitäter. Um die genaue Todesursache zu klären, wurde der Leichnam des Kindes in Gewahrsam genommen.

Die Kühlbox, die beim Transport verwendet wurde, ist beschlagnahmt. Nach Medienberichten handelt es sich dabei um ein älteres Modell. Aus Justizkreisen verlautete, dass die Ermittlungen vermutlich noch auf weitere Verdächtige ausgeweitet würden.

Die Monaldi-Klinik in Neapel hat zudem interne Prüfungen eingeleitet. Die beteiligten Ärzte übernehmen bis auf Weiteres keine Herztransplantationen mehr.

Mutter: "Ich bin bis zum Schluss geblieben"

In der Mitteilung des Krankenhauses zu Domenicos Tod heißt es, das gesamte medizinische Team stehe der Familie in diesem Moment "unermesslichen Schmerzes" bei - mit "Respekt" und "aufrichtiger Anteilnahme". Zuvor, in den frühen Morgenstunden dieses Samstags, hatte die Klinik mitgeeilt, der Zustand des Kleinen habe sich rapide verschlechtert. Kardinal Domenico Battaglia, der Erzbischof von Neapel, spendete Domenico vor dem Tod noch die Krankensalbung.

Beim Verlassen des Krankenhauses schilderte die Mutter des Jungen, Patrizia Mercolino, die letzten Momente: "Ich bin bis zum Schluss geblieben, bis die Maschine abgeschaltet werden musste - und dann war alles vorbei." Sie kündigte an, eine Stiftung im Namen ihres Sohnes gründen zu wollen, "damit Domenico nicht vergessen wird und um anderen Kindern zu helfen".

Tausende warten auf neue Organe

Für Empörung sorgt auch, dass die Eltern nach eigenen Angaben von der Klinik wochenlang im Unklaren gelassen worden waren, warum die Transplantation misslang. Die Mutter berichtete später, sie habe alles erst aus der Zeitung erfahren.

Nach der Entscheidung des Ärzteteams, nicht noch einmal zu operieren, sagte sie: "Ich bin wirklich am Boden zerstört. Was meinem Kind passiert ist, darf sich nie wiederholen."

Italien Rom 2026 | Orazio Schillaci auf der Regierungsbank in der Abgeordnetenkammer (14.01.2026)
Gesundheitsminister SchillaciBild: Mauro Scrobogna/LAPRESSE/picture alliance

Der italienische Gesundheitsminister Orazio Schillaci sagte, der Fall des kleinen Domenico habe "ganz Italien bewegt". Der Minister hatte sich bereits zuvor besorgt darüber geäußert, dass die Zahl der Organspenden wegen des Falls zurückgehen könnte.

Aktuell sind in Europa mehr als 13.000 Menschen dringend auf ein neues Organ angewiesen. Allein in Deutschland warteten nach Angaben der Stiftung Organtransplantation zum Jahresende mehr als 1100 Menschen auf ein Spenderherz. Genaue Zahlen, wie viele Kinder darunter sind, liegen nicht vor.

AR/wa (dpa, kna, afp)

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