Italien legt ″Sea-Watch 3″ an die Kette | Aktuell Europa | DW | 09.07.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Seenotrettung

Italien legt "Sea-Watch 3" an die Kette

Technische Mängel hatten Kontrolleure an dem Seenotrettungs-Schiff ausgemacht. Doch die Betreiber vermuten etwas anderes dahinter. Ihre Arbeit ist den Mittelmeeranrainern schon lange ein Dorn im Auge.

Die Sea-Watch 3 bei einem Einsatz vor der libyschen Küste (Reuters/Sea-Watch)

Die "Sea-Watch 3" bei einem Einsatz vor der libyschen Küste Mitte Juni

In Italien hat ein neues Tauziehen mit der deutschen Organisation Sea-Watch um die Rettung von Bootsmigranten begonnen. Die italienische Küstenwache setzte das Schiff "Sea-Watch 3" in Sizilien nach einer Sicherheitskontrolle fest.

Bei der Inspektion hätten sich technische Mängel offenbart, teilten die Behörden mit. Bis die Probleme behoben seien, müsse das Seenotrettungs-Schiff im Hafen von Porto Empedocle bei Agrigent bleiben.

"Offensichtliche Schikane"

Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer bezeichnete das Vorgehen als "offensichtliche Schikane". "Die 'Sea-Watch 3' ist in einem guten Zustand", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Es geht hier nicht darum, die Seenotrettung sicherer zu machen, sondern darum, sie zu verzögern."

Flüchtlinge an Bord der Sea-Watch 3 (Reuters/Sea-Watch)

Gerettete Flüchtlinge an Bord der "Sea-Watch 3"

Erschwerend komme hinzu, dass es unterschiedliche Zulassungsregeln in Italien und Deutschland gebe, ergänzte Neugebauer. Das habe in anderen Fällen, etwa bei der zeitweiligen Festsetzung der "Alan Kurdi" der Hilfsorganisation Sea-Eye, eine Rolle gespielt.

Die "Sea-Watch 3" war Ende Juni mit mehr als 200 Menschen in den Hafen von Sizilien eingelaufen. Wegen der Corona-Pandemie mussten die Migranten für zwei Wochen auf ein Quarantäneschiff überwechseln. Einige von ihnen waren nach Behördenangaben positiv auf den Erreger getestet worden.

Schlagzeilen nach Überraschungsmanöver

Italien und Malta hatten sich auf dem bisherigen Höhepunkt der Corona-Krise zu nicht sicheren Häfen erklärt. Nach einer Pause hatten mehrere Hilfsorganisationen die Seenotrettung im Mittelmeer wiederaufgenommen, wo zahlreiche Migranten versuchen, mit kleinen, oft untauglichen Booten von Afrika aus nach Europa zu gelangen.

Im vergangenen Jahr war die "Sea-Watch 3" bereits für mehrere Monate von Italiens Justiz beschlagnahmt worden, nachdem die damalige Kapitänin Carola Rackete in einem Überraschungsmanöver mit geretteten Migranten in einen Hafen der Insel Lampedusa eingelaufen war. Der Fall hatte international für Schlagzeilen gesorgt.

jj/gri (dpa, epd, kna)

Die Redaktion empfiehlt