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HandelGlobal

Iran-Krieg: Wie schnell könnte sich der Welthandel erholen?

Nik Martin
Veröffentlicht 2. April 2026Zuletzt aktualisiert 8. April 2026

Wenn die Waffen an der Straße von Hormus schweigen, und die Meerenge wieder geöffnet ist, wird sich zeigen, wie schnell sich die Lieferketten für Energie, Düngemittel und andere Güter erholen können.

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Handel im Iran-Krieg Öl: Luftaufnahme eines Containerschiffe und eines Bugsiers am Containerterminal im Hafen von Qingdao
Nicht nur Öl- und Gastanker sind betroffen, auch der Containertransport ist ins Stocken geratenBild: Cn-str/AFP/Getty Images

Wann der Krieg im Nahen Osten beendet wird, ist weiterhin völlig unklar. Doch am Dienstag ist auf Vermittlung von Pakistan eine Feuerpause vereinbart worden - der Iran warnte aber gleichzeitig, die Kampfhandlungen wieder aufzunehmen, wenn Israel weiterthin den Libanon angreife. Die Vereinbarung gilt gleichwohl als Zeichen der Hoffnung nach fünf Wochen Krieg.

Sie kam nur kurz vor Verstreichen eines weiteren Ultimatums von US-Präsident Trump zustande. Der hatte gedroht, für den Fall einer andauernden Blockade der Straße von Hormus den Iran und "seine ganze Zivilisation" zu zerstören.

Die meisten Experten sind sich in einem zentralen Punkt einig: Je länger dieser Konflikt andauert, desto verheerender werden seine Auswirkungen auf die weltweite Energieversorgung, die Inflation und die wirtschaftliche Stabilität sein. Jede weitere Woche der Unterbrechung treibt die Kosten für Verbraucher und Unternehmen in die Höhe, während sich das Wachstum verlangsamt.

Sobald die Straße von Hormus - das Nadelöhr für 20 Prozent des weltweiten Ölhandels - wieder geöffnet ist, wird die Geschwindigkeit der Wiederaufnahme der Öl- und Gasförderung sowie des Tankerverkehrs maßgeblich darüber entscheiden, wie schnell sich die Weltwirtschaft erholen kann.

Sicherung der Straße von Hormus

Es ist unwahrscheinlich, dass die Durchfahrt durch die Wasserstraße wieder ungehindert läuft, bevor nicht die Versicherungsprämien deutlich sinken und eine glaubwürdige multinationale Marine-Eskorte eingerichtet ist. Diese könnte potenziell Kriegsschiffe der US-Marine, Luftpatrouillen und Minenräumschiffe umfassen.

Europäische NATO-Verbündete, darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien, haben ihre Bereitschaft signalisiert, sich den Patrouillen anzuschließen, sobald die Kämpfe beendet sind. Japan, Australien, Südkorea, Kanada, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain werden voraussichtlich ebenfalls teilnehmen.

Die immensen Kosten des Iran-Krieges

Allein die Minenräumung in der Straße von Hormus könnte etwa zwei Wochen dauern, erklärte Jennifer Parker, außerordentliche Professorin am Institut für Verteidigung und Sicherheit der Universität von Westaustralien, gegenüber Bloomberg. Sobald Hormus als sicher für die Schifffahrt gilt, könnte der Rückstau von rund 1900 gestrandeten Schiffen - die Hälfte davon transportiert Öl, LNG und diverse Chemikalien - innerhalb weniger Tage bis Wochen abgebaut werden.

Aditya Saraswat, Forschungsdirektor (Naher Osten und Nordafrika) beim norwegischen Analyseunternehmen Rystad Energy, sagte der DW, ein Abbau des Rückstaus in Hormus würde den Produzenten am Golf einen Monat Puffer verschaffen, um die Produktion hochzufahren. Logistische Probleme blieben jedoch bestehen. Vor dem Krieg passierten täglich etwa 130 bis 140 Schiffe die Meerenge von Hormuz. Dieser Schiffsverkehr dürfte sich jedoch deutlich verlangsamen, solange Marinepatrouillen erforderlich sind.

Schrittweise Wiederaufnahme

Neben der Wiedereröffnung von Hormus benötigen die Produzenten am Golf die Zusicherung, dass sich die Sicherheitslage an ihren Öl- und Gasanlagen stabilisiert hat. Selbst bei einem schnellen Friedensabkommen könnte die Wiederaufnahme der Öl- und Gasförderung in vielen Feldern laut Analysten mehrere Wochen dauern. "Ein teilweise stillgelegtes Ölfeld benötigt im Durchschnitt etwa zwei bis drei Wochen", sagte Saraswat und bezog sich dabei auf einige Bohrungen, die mit reduzierter Fördermenge betrieben werden. Die Wartungsinspektionen müssten umso gründlicher sein, je länger die Öl- und Gasanlagen stillgelegt waren, bevor sie wieder in Betrieb genommen werden können.

Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) wurden mindestens 40 Energieanlagen am Golf durch iranische Angriffe "schwer oder sehr schwer beschädigt". Energieanalysten warnen, dass einige Anlagen, insbesondere Flüssigerdgas-Anlagen (LNG), mit Reparaturzeiten von mehreren Jahren rechnen müssen.

Iran-Krieg: Kein Ende in Sicht

Katar gab bekannt, dass es bis zu fünf Jahre dauern könnte, den LNG-Komplex Ras Laffan, das weltweit größte Produktions- und Exportzentrum für LNG, wieder in Betrieb zu nehmen. Katar hat bislang rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Bedarfs geliefert. Langfristig werden nun etwa 17 Prozent der LNG-Exportkapazität des Golfstaates fehlen.

Globale Einschränkungen

Düngemittelwerke müssen ähnliche Sicherheitsprüfungen durchlaufen, bevor die Produktion wieder aufgenommen werden kann. Dünger helfen, die globale Ernährungssicherheit zu stärken, die bereits durch explodierende Preise bedroht ist. Zurzeit sind viele Landwirte gezwungen, die Düngung einzuschränken.

Die Golfregion ist ein wichtiger Lieferant von stickstoffbasierten Düngemitteln und deckt rund 40 Prozent des weltweiten Seetransports von Harnstoff sowie ein Viertel der Ammoniakexporte ab. Die arabischen Golfstaaten sind zudem bedeutende Produzenten zweier Rohstoffe für die Phosphatproduktion.

China, Yantai 2026: Luftaufnahme eines Berges von Harnstoff-Düngemittel am Hafen für den Export
Auch die Ausfuhr von Düngemitteln ist eingeschränkt, Landwirte spüren das bereitsBild: CFOTO/IMAGO

Der Containerverkehr für Waren aus der Golfregion und Güter zwischen Asien und Europa ist durch die Blockade des Hafens von Hormus ebenfalls stark beeinträchtigt, viele dutzend Schiffe sitzen fest. Der ankommende Verkehr im Hafen Jebel Ali in Dubai, dem größten Umschlagplatz im Nahen Osten, ist laut dem Betreiber DP World seit dem 28. Februar merklich zurückgegangen.

Für Containerschiffe mit Ziel Europa stellt die Meerenge von Bab al-Mandab am südlichen Eingang zum Roten Meer eine zusätzliche Hürde dar. Die Meerenge ist zwar weiterhin befahrbar, wird aber von den meisten großen Reedereien aufgrund erneuter Drohungen der vom Iran unterstützten Huthis gemieden. Die Rebellen mit Sitz im Jemen verübten 2023/24 Angriffe auf Schiffe im Zusammenhang mit Israels Krieg im Gazastreifen. Viele Reedereien haben ihre Routen über das Kap der Guten Hoffnung im südlichen Afrika umgeleitet, was die Reisezeiten und -kosten erheblich verlängert.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat berechnet, dass die Golfstaaten, darunter der Iran, den größten Anteil am weltweiten Export von 50 wichtigen Nichtmineralprodukten halten, darunter Stahl, Rohdiamanten, Goldpulver und Aluminiumlegierungen. Diese Exporte haben einen Wert von 661 Milliarden Euro pro Jahr. 

Gasknappheit in Indien - eine Folge des Iran-Kriegs

Anhaltende Auswirkungen

Selbst wenn die Meerenge wieder geöffnet wird und die Produktion in der Golfregion wieder anläuft, werden die globalen wirtschaftlichen Folgen nicht über Nacht verschwinden. Die Verbraucher haben die Auswirkungen der höheren Ölpreise an den Zapfsäulen schnell zu spüren bekommen, während Benzin- und Dieselknappheit in Australien, Asien und Afrika erst jetzt spürbar wird. Auch andere wichtige Lieferketten, von Düngemitteln bis hin zu Konsumgütern, werden voraussichtlich in den nächsten Wochen mit Engpässen zu kämpfen haben.

"Die Preisverwerfungen haben sofort zugeschlagen; Logistikstörungen werden [in den nächsten zwei bis drei Monaten] an Bedeutung gewinnen", sagte Peter Klimek, Direktor des Supply Chain Intelligence Institute Austria, gegenüber der DW. Sollte die globale Produktion aufgrund des Krieges gedrosselt werden müssen, warnte Klimek vor einer möglichen Stagflation mit hohen Preisen, steigender Arbeitslosigkeit und schwachem Wirtschaftswachstum, dessen Bewältigung seiner Ansicht nach "noch länger dauern könnte".

Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen adaptiert. Er wurde am 8. und 9. April aktualisiert, um die Vereinbarungen zu einer Waffenruhe zu reflektieren.