Iran: "Hormus wird erst nach Kriegsentschädigung geöffnet"
Veröffentlicht 6. April 2026Zuletzt aktualisiert 6. April 2026
Nach dem jüngsten Ultimatum von US-Präsident Donald Trump an die Führung im Iran beharrt das Regime auf eigenen Forderungen. Die für den globalen Öl- und Gasmarkt wichtige Straße von Hormus werde erst dann wieder geöffnet, "wenn im Rahmen einer neuen Rechtsordnung die Schäden des aufgezwungenen Krieges vollständig aus einem Teil der Transitgebühren kompensiert werden", schreibt Mehdi Tabatabaei, der für Kommunikation zuständige Beamte im Büro des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian.
Das Marinekommando der Revolutionsgarden, der mächtigen iranischen Elitestreitmacht, wird von Medien im Land mit den Worten zitiert, die Straße von Hormus werde "niemals wieder in ihren früheren Zustand zurückkehren, insbesondere nicht für die USA und Israel". Der Iran beansprucht die Kontrolle über die gesamte Passage und plant dem Vernehmen nach ein Mautsystem für die Durchfahrt.
Wenig später meldeten die Revolutionsgarden, der Leiter ihrer Geheimdienstabteilung, Madschid Chademi, sei bei einem Angriff getötet worden. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz teilte mit, die Armee habe Chademi "ausgeschaltet". Dieser sei unmittelbar verantwortlich gewesen für tödliche Raketenangriffe auf israelische Zivilisten.
Türkisches Schiff passiert Straße von Hormus
Die vom Iran faktisch blockierte wichtige Wasserstraße können derzeit nur wenige Schiffe befahren. Nun erlaubten die iranischen Behörden einem weiteren türkischen Frachter die Passage. Damit konnten seit Beginn des Krieges insgesamt drei Schiffe mit türkischem Besitzer die wichtige Meerenge durchfahren, wie der türkische Verkehrsminister Abdülkadir Uraloglu im Onlinedienst X schreibt. Das sei das Ergebnis intensiver Verhandlungen.
Iranische Drohungen nun auch in Richtung Rotes Meer
Darüber hinaus gibt es aus Teheran eine weitere scharfe Warnung. Sollten die USA und Israel ihre Angriffe eskalieren, könnten für den globalen Energiemarkt wichtige Schifffahrtswege auch jenseits der Straße von Hormus gefährdet sein, warnte Ali-Akbar Welajati. Er ist außenpolitischer Berater von Modschtaba Chamenei, dem neuen obersten Führer im Iran. Davon betroffen sein könnte die Meerenge Bab al-Mandab und damit die Einfahrt zum Roten Meer und zum weiter nördlich gelegenen Suezkanal, zitiert der regierungstreue Sender Press TV Welajati weiter.
Der iranische Parlamentspräsident Mohammed‑Bagher Ghalibaf schreibt im Onlinedienst X, mit "Kriegsverbrechen" lasse sich "nichts erreichen". Die einzige Lösung bestehe darin, "die Rechte des iranischen Volkes zu respektieren und dieses gefährliche Spiel zu beenden". Ghalibaf warnte, die "leichtsinnigen Schachzüge" könnten die gesamte Region in Flammen aufgehen lassen.
Trump: "Ihr verrückten Mistkerle"
Trump hatte sich am Sonntag auf seiner Plattform Truth Social auf äußerst vulgäre Weise in Richtung Iran geäußert. "Öffnet die verdammte Straße (von Hormus), ihr verrückten Mistkerle, oder ihr werdet in der Hölle landen", schrieb er.
Wenige Stunden später gab der US-Präsident der Führung in Teheran nun bis Dienstagabend Zeit, auf seine Forderung einzugehen. Er verschob damit sein Ultimatum bereits zum dritten Mal. Die neue Frist endet am Dienstag 20.00 Uhr (Ortszeit Washington, 2.00 Uhr MESZ am Mittwoch). "Wenn sie bis Dienstagabend nichts unternehmen, bleibt kein Kraftwerk und keine Brücke stehen", sagte Trump der Zeitung "Wall Street Journal".
Israel greift größten Petrochemie-Komplex im Iran an
Die israelische Armee attackierte an diesem Montag nach eigenen Angaben Irans Gasindustrie am Persischen Golf. "Das israelische Militär hat Irans größten petrochemischen Komplex in Asalujeh, der etwa die Hälfte der petrochemischen Produktion des Landes ausmacht, mit voller Wucht angegriffen", erklärte Verteidigungsminister Katz. Kurz zuvor hatten iranische Medien von Explosionen in dem Komplex gesprochen. Bereits Mitte März war die Anlage Ziel israelisch-amerikanischer Luftangriffe.
Der Gaskomplex Asalujeh im Süden des Irans liegt am Rande des riesigen Gasfelds South Pars im Persischen Golf. Es ist das größte bekannte Gasvorkommen der Welt. Der Iran teilt sich die Ausbeutung des Gasfelds mit dem auf der gegenüberliegenden Küste gelegenen Katar.
Pakistan legt den USA und dem Iran Plan für Kriegsende vor
Indessen berichtet das US-Nachrichtenportal Axios, die USA, der Iran und regionale Vermittler unternähmen einen "letzten Versuch", die Bedingungen für eine mögliche 45-tägige Waffenruhe auszuhandeln. Axios bezieht sich auf auf Aussagen von vier US-amerikanischen, israelischen und regionalen Quellen. Es sei die einzige Chance, eine dramatische Eskalation noch zu verhindern.
Dem Vernehmen nach präsentierte Pakistan den Führungen in Washington und Teheran ein Konzept. Der Plan sehe einen zweistufigen Ansatz vor, der eine sofortige Waffenruhe und anschließend ein umfassendes Abkommen vorsehe. Der Iran bestätigte laut einem Vertreter den Erhalt eines Plans. Zu einer vorübergehenden Waffenruhe sei die Islamische Republik aber nicht bereit und werde dafür auch die Straße von Hormus nicht öffnen, sagte der Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Der Iran lasse sich nicht unter Druck setzen und werde sich auf keine Ultimaten einlassen.
Neue Angriffe verursachen schwere Schäden in Kuwait
Zugleich ließ das Mullah-Regime wieder Drohnen und Raketen Richtung Golfstaaten abfeuern. Getroffen wurde nach örtlichen Behördenangaben erneut zivile Infrastruktur. Iranische Drohnen verursachten "schwere" Schäden an mehreren kuwaitischen Ölanlagen und petrochemischen Anlagen, wie die staatliche Erdölgesellschaft Kuwaits mitteilte. In mehreren Anlagen habe es Brände gegeben.
Das kuwaitische Strom- und Wasserministerium teilte zudem mit, zwei Strom- und Meerwasserentsalzungsanlagen seien durch einen Drohnenangriff aus dem Iran beschädigt worden. Die Attacke habe "erhebliche Sachschäden und die Abschaltung von zwei Stromerzeugungseinheiten" zur Folge gehabt. Das Finanzministerium erklärte, ein iranischer Drohnenangriff in Kuwait-Stadt habe "umfangreiche" Schäden an einem Regierungsgebäude verursacht. Bei einem Luftangriff auf ein Wohngebiet wurden Behörden zufolge sechs Menschen verletzt.
Auch Bahrain und VAE werden wieder getroffen
In Bahrain gab der staatliche Energiekonzern bekannt, ein iranischer Drohnenangriff habe ein Feuer in einem Lagertank ausgelöst, das später gelöscht worden sei. Örtliche Behörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten meldeten, der Hafen von Chor Fakkan an der Ostküste des Golfstaates unweit der Einfahrt zur Straße von Hormus, sei Ziel eines Angriffs gewesen. Dabei seien vier Menschen durch herabfallende Trümmerteile verletzt worden, die beim Abfangen des von den Behörden nicht identifizierten Geschosses entstanden seien. Die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) berichtete ebenfalls von dem Vorfall und sprach von "unbekannten Geschossen", die in "unmittelbarer Nähe" eines Containerschiffs eingeschlagen seien, das gerade am Kai beladen worden sei.
Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen auf den Iran begonnen. Die Islamische Republik reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region.
se/haz/pg (dpa, afp, ap, rtr)
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