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HandelEuropa

Wie Europa die Straße von Hormus sichern will

Anchal Vohra
25. April 2026

Frankreich und Großbritannien treiben eine multinationale Marinemission zum Schutz der Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus voran. Offen ist, wie groß der Einsatz werden soll.

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Satellitenaufnahme der Meerenge zwischen Iran & Arabischer Halbinsel
Die Straße von Hormus ist ein Nadelöhr für die Schifffahrt - und eine immens wichtige Route für den globalen HandelBild: Modis Team/Nasa Gsfc/ZUMA/IMAGO

Seit Wochen kann wegen des Iran-Kriegs kaum ein Frachtschiff die für den globalen Handel so wichtige Straße von Hormus passieren. Nun arbeiten europäische Staaten daran, eine multinationale Marinemission einzurichten, um Handelsschiffe in der Meerenge zu schützen. In London erörterten militärische Planer aus 30 Ländern, wie eine solche Operation in der Praxis funktionieren könnte.

Was würde eine "defensive Mission" umfassen?

Das Vereinigte Königreichs und Frankreichs schlagen eine "streng defensive" Marineoperation vor. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem Schutz von Handelsschiffen vor Angriffen, nicht auf der Bekämpfung von Zielen an Land. Die Mission, so der Vorschlag, würde erst entsandt, wenn es eine dauerhafte Waffenruhe gebe oder der Krieg beendet sei.

Demnmach sei die Aufgabe einer solchen Mission, auf Angriffe zu reagieren, aber nicht offensiv vorzugehen, erläutert Jürgen Ehle, pensionierte deutscher Konteradmiral und ehemaliger ranghoher militärischer Berater der Europäischen Union. Praktisch bedeute dies, Schiffe zu verteidigen, die von Raketen, Drohnen oder Schnellbooten angegriffen werden, anstatt iranische militärische Infrastruktur oder Truppen an Land anzugreifen.

Aus Sicht von Experten werden für die Operation voraussichtlich Fregatten oder Zerstörer mit Luftabwehrsystemen benötigt sowie Drohen, die Seeminen orten und räumen können.

Die Rolle von Deutschland, Frankreich und Großbritannien

Die sogenannten E3-Staaten - bestehend aus den europäischen Ländern Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich - dürften einen Großteil der militärischen Last tragen. Deutschland hat signalisiert, Minenjagdboote und Aufklärungsflugzeuge beizusteuern, sofern das Parlament zustimmt. Bundeskanzler Friedrich Merz macht zur Bedingung, dass es vor jeder Entsendung in die Krisenregion eine sichere Rechtsgrundlage geben müsse, etwa in Form einer Resolution des UN-Sicherheitsrates.

Friedrich Merz, Emmanuel Macron, Keir Starmer und Giorgia Meloni gehen an Flaggen entlang
Macron (2. v. l.) und Starmer (3. v. l.) führen die Bemühungen Europas an, den diplomatischen und wirtschaftlichen Druck auf den Iran zu verstärkenBild: Simon Dawson/Avalon.red/IMAGO

Ein Minensuchboot soll sich schon bald auf den Weg Richtung Mittelmeer machen, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius signalisierte. So sei man gegebenenfalls schnell einsatzbereit. 

Frankreich verfügt bereits über erhebliche Marinekapazitäten in der Region, darunter acht Kriegsschiffe, einen Flugzeugträger und zwei amphibische Angriffsschiffe. Derzeit im östlichen Mittelmeer und im Roten Meer stationierte Kräfte könnten teilweise zur Unterstützung der Mission umgeleitet werden, sagte Präsident Emmanuel Macron. Darunter fällt auch der Flugzeugträger Charles de Gaulle.

Das Vereinigte Königreich hat seinen Beitrag bislang nicht konkretisiert. Premierminister Keir Starmer erklärte, mehr als ein Dutzend Länder hätten Interesse bekundet, Mittel beizusteuern. Er sagte jedoch nicht ausdrücklich, was London liefern würde. Zwar verfügt Großbritannien über hochentwickelte Zerstörer, doch ihre "Einsatzbereitschaft und Verfügbarkeit bleiben unklar", sagte Bence Nemeth, Dozent für Verteidigungsstudien am King's College London zur DW.

Welche Risiken bestehen für Europa?

In einer Zeit verschärfter Spannungen im eigenen Umfeld könnte der Einsatz von Marineeinheiten im Golf die europäischen Kapazitäten allerdings überstrapazieren. Europa müsse Bedrohungen durch Russland ausbalancieren, warnte Nemeth, insbesondere in der Ostsee und im Nordatlantik: "Die Europäer brauchen ihre Marineeinheiten zunächst, um sich selbst zu schützen", und sie könnten sich "nicht mehr so stark auf die USA verlassen wie früher".

Auch direkt bei der Mission im Golf sind die Risiken erheblich. Der pensionierte Konteradmiral Ehle merkte an, dass "Luftverteidigungsfähigkeiten keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten", insbesondere bei großangelegten Drohnenangriffen.

Kann Diplomatie Stabilität sichern?

Analysten sind sich weitgehend einig, dass allein mit einer Marinemission die Straße von Hormus nicht gesichert werden könne. "Nur eine diplomatische Lösung - bei der der Iran die souveräne politische Entscheidung trifft, sich zurückzuziehen - bietet die Aussicht, die Angriffe vollständig zu beenden", schreibt der Sicherheits- und Nahostexperte Dr. David B. Roberts in einem Beitrag für das britische Forschungsinstitut RUSI für Verteidigungs- und Sicherheitsstudien.

Der britische Verteidigungsminister John Healey spricht unterhält sich mit weiteren Teilnehmern der Planungskonferenz
Militärische Planer aus 30 Ländern kamen in London zusammen, um eine multinational Marinemission zum Schutz der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu erörternBild: Alastair Grant/AP Photo/picture alliance

Frankreich und das Vereinigte Königreich versuchen, die Koalition über Europa hinaus auszuweiten. Sie binden Länder wie Indien - das rund zehn Prozent der weltweiten Seeleute stellt - und Südkorea ein. Ziel ist es, den diplomatischen Einfluss zu erhöhen und letztlich die kommerzielle Schifffahrt wieder zu ermöglichen.

Dozent Nemeth sagte, "Länder haben unterschiedliche Gründe, an diesen Verhandlungen teilzunehmen". Die häufigsten seien "die Freiheit der Schifffahrt, internationales Recht und Energiesicherheit". "Diese Staaten wollen nicht, dass sich eine Situation normalisiert, in der eine Macht Gewalt und geografische Gegebenheiten nutzen kann, um eine entscheidende maritime Engstelle zu kontrollieren", sagte er. "Das würde einen gefährlichen Präzedenzfall für den Welthandel schaffen."

Während Europa am Aufbau einer Koalition arbeitet, verfolgen Länder wie Indien, Pakistan und China auch bilaterale Vereinbarungen mit Teheran, um die Schifffahrtsströme aufrechtzuerhalten. Auch wenn , wie Roberts schreibt, das Volumen "marginal bleibt".

Aus dem Englischen adaptiert von Uta Steinwehr.

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