Indien kündigt sofortiges Ausfuhrverbot für Weizen an | Aktuell Welt | DW | 14.05.2022
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Nahrungsmittelkrise

Indien kündigt sofortiges Ausfuhrverbot für Weizen an

Aufgrund des Kriegs in der Ukraine steigt die Sorge vor Hungerkatastrophen in der Welt. Jetzt facht Indien die Sorgen weiter an. Der zweitgrößte Weizenproduzent der Welt kündigte ein Ausfuhrverbot für Getreide an.

Symbolbild I Indien Weizen

Am Weltmarkt dürfte der Exportstopp Indiens die Preise nun weiter in die Höhe treiben

 Mit dem Exportverbot sollten Preissteigerungen im eigenen Land eingedämmt werden, teilte die Regierung des weltweit zweitgrößten Weizenproduzenten mit. Eigentlich wollte Indien in diesem Jahr eine Rekordmenge von rund zehn Millionen Tonnen Weizen auf dem Weltmarkt verkaufen. Eine ungewöhnlich frühe Hitzewelle mit Temperaturen von weit über 40 Grad in Indien hatte zuletzt aber die Sorge vor einer Missernte geschürt.

Indien Hitzewelle | Weizen Punjab

Eine Hitzewelle schürt die Angst vor einer Missernte in Indien - hier Weizenernte im Punjab

Am Weltmarkt dürfte der Exportstopp die Preise nun noch weiter in die Höhe treiben, da dort wegen des Ukraine-Krieges und der dadurch ausbleibenden Lieferungen aus der Schwarzmeerregion bereits jetzt Millionen Tonnen an Weizen fehlen. Vor allem ärmere Länder in Asien und Afrika würde das hart treffen. Indien erklärte zwar, bereits bestehende Lieferverträge würden erfüllt und auch Länder, die ansonsten um "Nahrungsmittelsicherheit" fürchten müssten, würden beliefert. Die Ausfuhr weiterer Mengen werde aber gestoppt.

Krieg in der Ukraine treibt Weizenpreise

Durch den Krieg in der Ukraine können den Vereinten Nationen zufolge derzeit knapp 25 Millionen Tonnen bereits geerntetes Getreide nicht aus dem Land gebracht werden. Zudem wird sich die kommende Ernte nicht auf dem bisherigen Niveau halten lassen. Das treibt weltweit die Preise. In Deutschland etwa verteuerten sich die Weizen-Einfuhren im März binnen Jahresfrist um rund 65 Prozent.

Bundesagrarminister Cem Özdemir

Bundesagrarminister Cem Özdemir wirft Russland vor, Hunger als Kriegswaffe einzusetzen (Archivbild)

Bundesagrarminister Cem Özdemir warf Russland vor, Hunger gezielt als Kriegswaffe einzusetzen. Das gelte innerhalb der Ukraine, aber auch weltweit, da allein die Ukraine die Hälfte des Getreides für das Welternährungsprogramm liefere. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock warnte, bis zu 50 Millionen Menschen in Afrika und dem Nahen Osten seien durch die Krise zusätzlich von Hunger bedroht.

Hitzewelle sorgt für Ernte-Ausfälle

"Das Verbot ist schockierend", sagte ein in Mumbai ansässiger Mitarbeiter eines globalen Getreidehändlers zu der jüngsten Entscheidung Indiens. Die Regierung habe offensichtlich auch auf die hohe Inflationsrate reagiert. Wie in anderen Ländern haben auch in Indien die Preise nicht nur für Getreide aufgrund stark gestiegener Kraftstoff-, Arbeits-, und Transportkosten deutlich zugelegt. Dazu sorgt die Hitzewelle für erste Ernte-Ausfälle.

Symbolbild I Indien Weizen

Indien wird in diesem Jahr keine Rekordernte einfahren

Noch im Februar hatte die Regierung die Produktion von mehr als 111 Millionen Tonnen vorausgesagt, was die sechste Rekordernte in Folge gewesen wäre. Im Mai wurde die Prognose auf 105 Millionen gekappt, und Händler schließen nicht aus, dass die Bauern letztlich weniger als 100 Millionen Tonnen einfahren werden.

Indische Regierung kauft Weizen für die Armen

Das Exportverbot sei entsprechend auch ein Akt der Vorsicht, hieß es aus der Regierung. Einen größeren Teil der Ernte kauft in Indien jedes Jahr der Staat, um das Getreide den ärmeren Bevölkerungsschichten zukommen zu lassen.

nob/haz (rtr, dpa)

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