Immer mehr Gerüchte um die Deutsche Bank | Wirtschaft | DW | 03.04.2018
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Deutsche Bank

Immer mehr Gerüchte um die Deutsche Bank

Auch über Ostern ging das Ratespiel munter weiter: Wer wird Nachfolger von Deutsche Bank-Chef John Cryan. Der will zwar gar nicht gehen. Aber die Gerüchteküche kennt schon eine ganze Reihe möglicher Nachfolger.

Bilanz Deutsche Bank (Reuters/R. Orlowski)

Frankfurt/Main: Die Zentrale der Deutschen Bank

Als möglicher Kandidat für den Job an der Spitze von Deutschlands wichtigster Bank wurde nun auch der frühere UBS-Manager Jürg Zeltner ins Spiel gebracht. Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank Paul Achleitner soll der Zeitschrift "Spiegel" zufolge mit Zeltner bereits Gespräche geführt haben.

Allerdings wurde schon vor einigen Tagen auch die Londoner Tageszeitung "Times" mit ähnlichen Hinweisen zitiert: Der Europachef der US-Bank Goldman Sachs, Richard Gnodde, sei angesprochen worden, habe aber abgelehnt, schrieb das Blatt. Auch weitere Kandidaten seien erwogen worden. Andere Medien erfuhren angeblich ähnliches.

Nach der Meldung im "Spiegel" hieß es nun bereits, bei einigen Großaktionären der Deutschen Bank sei Zeltner auf Bedenken gestoßen. Der Schweizer besitze hauptsächlich Erfahrung in der Vermögensverwaltung und dürfte daher nicht die Anforderungen eines Chefs der großen deutschen Bank erfüllen, sagten Vertreter von Großaktionären der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Sprecher der Deutschen Bank lehnte einen Kommentar ab.

Allerdings gerät zunehmend auch Aufsichtsratschef Achleitner in die Kritik. Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zufolge soll er in dieser Woche Gespräche mit wichtigen Großaktionären der Deutschen Bank führen. Bislang hatte sich Achleitner mit Äußerungen zur aktuellen Situation der Bank komplett zurückgehalten.  

Verlust und Absturz

Der derzeitige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Cryan ist nicht einmal drei Jahre im Amt. Seine Bilanz ist nicht gut: Bröckelnde Marktanteile, wegbrechende Erträge in der ehemaligen Paradedisziplin - dem Handel mit Anleihen, Aktien, Devisen und Rohstoffen -, drei Verlustjahre in Folge und der Absturz des Aktienkurses um 30 Prozent seit Jahresbeginn.

John Cryan war als Sanierer angetreten und den Umbau des größten deutschen Geldhauses vorangetrieben.

Bilanz Deutsche Bank (Reuters/R. Orlowski)

Kämpft um seinen Job: John Cryan

Allerdings mehren sich inzwischen kritische Stimmen: "Der lange Atem fehlte zuletzt erkennbar", bemängelt ein auf die Finanzindustrie spezialisierter Unternehmensberater, der nicht namentlich genannt werden will. Und ein großer Investor, der ebenfalls lieber anonym bleiben will, geht noch weiter: "Die Bank hat ein fundamentales Problem. Und das ist eine Strategie, die noch nicht bewiesen hat, dass sie auch funktioniert. Wir sind uns nicht sicher, ob das etwas ist, was ein neuer Vorstandschef so einfach lösen kann."

Letzte Woche hatte sich Cryan noch kämpferisch gegeben und sich mit einer Botschaft direkt an die Belegschaft der Bank gewandt. Darin beteuert er, er bleibe an der Spitze des Geldhauses. "Ich möchte Ihnen daher versichern, dass ich mich weiterhin mit all meiner Kraft für die Bank einsetze und gemeinsam mit Ihnen den Weg weiter gehen möchte", schrieb Cryan. Die Zahlen der Bank, über die derzeit viel diskutiert werde, seinen noch nicht da, "wo wir alle sie uns wünschen", erklärte Cryan weiter. Aber die Bank liege "gut auf Kurs", müsse erzielte Fortschritte allerdings besser zur Schau stellen.

ar/hb (dpa, rtr)

 

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