Deutsche Bank: Was wird aus John Cryan? | Wirtschaft | DW | 27.03.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Banken

Deutsche Bank: Was wird aus John Cryan?

Der Aktienkurs ein Witz, das Image hinüber, Stress in der Chefetage - die Deutsche Bank steht nicht gut da. Kein Wunder, dass Vorstandschef John Cryan immer stärker unter Druck gerät. Von Brigitte Scholtes, Frankfurt/M.

Angeblich hat Aufsichtsratschef Paul Achleitner nun mit der Suche nach einem Nachfolger für den Briten begonnen, der seit Juli 2015 das Geldhaus führt. Die britische Tageszeitung "The Times" berichtet unter Berufung auf einen Insider, das Verhältnis zwischen Achleitner und Cryan sei zerbrochen.

Die "Times" will auch wissen, dass der Aufsichtsratschef, der vor seiner Zeit bei der Deutschen Bank auch für Goldman Sachs gearbeitet hatte, Richard Gnodde angesprochen habe, den Europa-Chef der amerikanischen Investmentbank. Der aber habe angeblich abgelehnt.

Daneben habe Achleitner sowohl mit Jean Pierre Mustier als auch mit Bill Winters Kontakt gehabt, Mustier leitet die italienische Großbank Unicredit, Winters die britische Bank Standard Chartered. Auch sie sollen an dem Angebot wohl kein Interesse haben. Die Deutsche Bank, aber auch die beiden anderen Institute, kommentieren das nicht.

Die Redaktion empfiehlt

"Unfähigste Firma!"

Achleitner jedoch muss reagieren, nachdem der Kurs der Deutschen Bank seit Jahresbeginn um 30 Prozent eingebrochen ist. Der Unmut der Aktionäre wächst, vor allem von Seiten der relativ neuen Anteilseigner wie HNA aus China oder der Vermögensverwalter Blackrock, vermutet Stefan Müller, Chef der Deutschen Gesellschaft für Wertpapieranalyse (DGWA).

Allein die Nachricht, dass die Ära Cryan sich womöglich dem Ende zuneigt, beflügelte den Kurs der Aktie. Sie sprang am Morgen um 3,5 Prozent, das Plus bröckelte dann aber wieder leicht ab. In den vergangenen Wochen hatte die Bank einige Rückschläge erlitten.

Da musste sie zunächst im Januar eine Gewinnwarnung herausgeben, weil die Folgen der Steuerreform in den USA auf die Bilanz kräftig durchschlugen. Dann hatte der Vorstand zunächst Boni auch für sich in Anspruch nehmen wollen, dann aber wegen des öffentlichen Protests darauf verzichtet. Doch die anderen Mitarbeiter erhalten für 2017 trotz eines Verlusts von 725 Millionen Euro Boni von 2,3 Milliarden Euro.

Schließlich hatte Finanzvorstand James von Moltke für das erste Quartal eine Gewinnwarnung ausgesprochen, weil das Investmentbanking im wichtigen ersten Quartal schwächelt. Und schließlich wurde dann am Wochenende noch die Äußerung von IT-Vorstand Kim Hammonds öffentlich, die die Deutsche Bank intern vor Führungskräften als "unfähigste Firma" bezeichnet hatte, für die sie je gearbeitet hatte.

War der Chef zu zögerlich?

Der heute 57-jährige Cryan war Mitte 2015 als Sanierer zur Deutschen Bank geholt worden, nachdem sein Vorgänger, Investmentbanker und Co-Chef Anshu Jain, zurückgetreten war. Cryan hatte bei seinem Amtsantritt schon angedeutet, die Aufräumarbeiten würden nicht nur Monate, sondern Jahre brauchen. Er sei erst halb durch mit seiner Arbeit, hatte er Anfang Februar noch gesagt. Er wolle sein Versprechen erfüllen. Und mit einem Schmunzeln meinte er da: "Ich beginne meinen Job zu mögen."

Das sei nicht immer so einfach gewesen, aber es habe sich gebessert. Offenbar aber, so schreibt die "Times" jedenfalls, gebe es zwischen Achleitner und Cryan unterschiedliche Auffassungen über die Ausrichtung des Kapitalmarktgeschäfts. Das galt lange als Gewinnbringer, inzwischen aber ist es zum Sorgenkind geworden.

Cryan hatte die Strategie seiner Vorgänger Anshu Jain und Jürgen Fitschen zwar nicht wesentlich verändert - er hielt am Investmentbanking fest. Doch wird die Postbank re-integriert, um das Privatkundengeschäft zu stärken. Die Vermögensverwaltungstochter Deutsche Asset Management ist am vergangenen Freitag unter ihrem alten Namen DWS zu einem Teil an die Börse gebracht worden. So soll sie freier agieren können.

Wenn das Vertrauen einmal weg ist …

Die Mitarbeiter im Konzern aber haben kaum noch Vertrauen in die Führungsspitze, meint Stefan Müller von der DGWA. So hört man auch aus der Bank, Cryan habe die Arbeit der Mitarbeiter nicht genügend anerkannt.

Im Haus gebe es viele innere Widersprüche und Machtkämpfe, die gelöst werden müssten, glaubt auch Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim: "Da braucht man jemanden, der mit harter Hand da durchgeht. Aber man braucht auch jetzt jemand, der die Vision hat, der den Leuten auch Perspektive gibt, den Mitarbeitern auch das Gefühl gibt, dass sie, wenn sie durch diese Zeit durch kommen, auch eine erfolgreiche Zukunft vor sich hätten", sagt der Bankenexperte.

Wer das sein kann, ist derzeit noch nicht absehbar. Von verschiedenen Seiten wird auf Axel Weber verwiesen. Der frühere Bundesbank-Präsident und heutige Verwaltungsratsvorsitzende der schweizerischen Großbank UBS wäre zumindest eine Persönlichkeit mit hoher Integrität und Durchsetzungsstärke. Weber war vor einigen Jahren schon einmal von dem ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ins Gespräch gebracht worden. Doch Weber zog den Posten in der Schweiz der Deutschen Bank damals vor.