IFA 2013: Alles smart, oder? | Wirtschaft | DW | 05.09.2013
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Wirtschaft

IFA 2013: Alles smart, oder?

Ein twitternder Kühlschrank, eine Computer-Uhr am Handgelenk, die das Kochfeld steuert: Die Digitalisierung des Alltags ist nicht mehr aufzuhalten. Die neueste Technik gibt es ab Freitag auf der IFA in Berlin.

Es ist die weltweit bedeutendste Messe für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, das lässt sich schon an den Zahlen leicht ablesen. Rund 1500 Aussteller aus aller Welt werden auf der Internationalen Funkausstellung errwartet, außerdem 240.000 Besucher, davon 45.000 internationale Fachbesucher. Rund 6000 Journalisten werden über alle Einzelheiten der sechstägigen Messe berichten.

Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin, kann den Start kaum erwarten. "Wir sind wirklich der Fachhandelsplatz Nummer eins geworden." Nirgendwo sonst auf der Welt würden so viele Produktpremieren zelebriert wie auf der IFA. Und der Fachhandel komme nach Berlin, um genau diese Dinge zu sehen. "Ich will jetzt nicht von Trüffelschweinchen sprechen, aber hier will man das finden, was dann hinterher im Verkauf dann auch den Umsatz bringt."

Fernseher entpuppen sich als Ladenhüter

Die Messeleitung geht davon aus, dass auf der IFA Aufträge im Wert von 3,8 Milliarden Euro abgeschlossen werden, mit denen sich der Handel für das Weihnachtsgeschäft rüsten will. Ein Geschäft, das der Branche in diesem Jahr einen Umsatz von insgesamt 28,1 Milliarden Euro bescheren soll. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Das erste Halbjahr 2013 hat die Erwartungen nicht erfüllt. Um drei Prozent ist der Markt für Unterhaltungs-und Kommunikationsgeräte geschrumpft.

Zwar verkauften sich Smartphones, Tablets und Elektro-Hausgeräte gut, aber die klassische Unterhaltungselektronik musste einen Einbruch von knapp 20 Prozent verkraften, sagt Hans-Joachim Kamp, der Aufsichtsratsvorsitzende der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu). "Dieses Minus ist deutlich höher ausgefallen als erwartet." In erster Linie blieben die Fernseher in den Regalen stehen. Viele Deutsche hatten sich 2012 im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft und wegen der Abschaltung des analogen Empfangs ein neues Gerät gekauft. "Dieses Jahr gab es nichts, und das hat bei den Fernsehern zu einem Umsatzrückgang von 25 Prozent geführt", so Kamp.

Unwissende Verbraucher

Daran hat auch 3D-TV nichts ändern können. Das einst als potenzieller Verkaufsschlager gepriesene dreidimensionale Fernsehen hat die Erwartungen nicht erfüllt. Niemand sitze dreieinhalb bis vier Stunden mit einer Brille vor dem Fernseher, räumt Kamp ein.

Nun setzt die Branche ihre Hoffnung verstärkt auf die Verbindung zwischen Fernseher und Internet, also auf das Smart-TV. Davon stehen bereits fünf Millionen in deutschen Wohnzimmern, sieben Millionen sollen es bis Ende des Jahres werden. Auf der IFA startet eine Medien-Kampagne, mit der den Verbrauchern der Nutzen des Flachbildfernsehers als heimische Unterhaltungs- und Kommunikationszentrale nähergebracht werden soll.

Aufklärung scheint geboten, denn eine Umfrage des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, Bitkom, hat ergeben, dass viele Deutsche mit dem "Smart TV" derzeit noch etwas überfordert sind. Gefragt wurde, wer den Begriff kennt, wer ihn bislang nur gehört hat, wer erklären kann, was Smart-TV bedeutet, und wer noch nie etwas davon gehört hat. "Da müssen wir feststellen, dass mehr als ein Viertel der Befragten unwissend ist und das ist immer schlecht", so Kamp. "Ein Smart-TV zu haben ist außerdem das eine, ihn auch an das Internet anzuschließen, ist das andere. Aber das machen derzeit nur 58 Prozent."

Waschen mit WLAN

Die Verbindung mit dem Internet, aber auch die Vernetzung der Geräte untereinander ist auf der IFA Dreh- und Angelpunkt. Das gilt auch für den Bereich der Haushaltselektronik. Schon seit einigen Jahren werden auf der IFA mit wachsendem Erfolg Waschmaschinen, Kühlschränke, Kaffeemaschinen und andere Haushaltshelfer präsentiert. Inzwischen sind sie Teil eines digitalen Lebensstils, der überall Einzug hält.

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Auch in der Automobilbranche. Mit Alan Mulally, Präsident und Vorstandsvorsitzender von Ford, wird erstmals ein Konzernchef eines großen amerikanischen Automobilkonzerns seine technologischen Neuheiten nicht auf der Internationalen Automobilausstellung IAA, sondern auf der IFA vorstellen. Einschließlich eines Konzeptfahrzeugs. Auf die Frage, warum das so ist, hat Messe-Geschäftsführer Göke eine klare Antwort: "Weil er der Überzeugung ist, dass in der Autoindustrie in der Zukunft das wesentliche Verkaufsargument die Vernetzung und die Smartheit des Autos sein werden."

Probleme werden ausgeblendet

Das alles setzt allerdings voraus, dass sich die Verbraucher auf den rasanten Wandel der Technik und die damit einhergehenden grundlegenden Veränderungen des Alltags einlassen. Dass die nicht nur positive Folgen haben, zeigen die Diskussionen um Abhöraffären und Datenklau im Internet. Auf der IFA soll die Kehrseite der smarten neuen Welt allerdings keine große Rolle spielen.

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